Dokumentationen - 3S Zermatt Trockener Steg - Klein Matterhorn

Bis Winter 2018/19 realisiert die Zermatt Bergbahnen AG die höchste 3S Bahn der Welt. Die moderne Anlage mit Kabinen im Pininfarina Design gestaltet die Fahrt aufs Matterhorn glacier paradise deutlich schneller und komfortabler als bisher. Die 3S Bahn von LEITNER ropeways entsteht ergänzend zur bestehenden Pendelbahn und erhöht die Beförderungskapazität zur höchsten Bergbahnstation Europas um 2000 Gäste pro Stunde. In Kooperation mit der Zermatt Bergbahnen AG dokumentiert www.bergbahnen.org den Bau der neuen Seilbahnanlage vom Baustart im Frühling 2016 bis zur Fertigstellung zur Wintersaison 2018/2019.

Autor: Zermatt Bergbahnen AG, letzte Aktualisierung: 22. Juni 2016

Inhaltsverzeichnis

1. Projektübersicht

Eine Hochleistungsbahn der besonderen Art, so könnte man das Mammut-Projekt der Zermatt Bergbahnen auch nennen. Auf der Strecke Trockener Steg – Matterhorn glacier paradise entsteht während jeweils 100 Bautagen in den nächsten drei Sommersaisons die 3S Bahn. 25 moderne Kabinen im Pininfarina Design - bekannt von Marken wie Ferrari oder Maserati – mit vom Automobilbau inspirierten Sitzen und grossflächigen Panoramafenstern befördern Gäste zukünftig in neun Minuten aufs Matterhorn glacier paradise. Die neue Bahn wird planmässig ab Winter 2018/19 in Betrieb genommen und verbessert damit die Skigebietsverbindung zwischen der Schweiz und Italien signifikant. Die 3S Bahn entsteht ergänzend zur bestehenden Pendelbahn und erhöht die Beförderungskapazität um 2000 Gäste pro Stunde. Die Doppelerschliessung der Station Matterhorn glacier paradise gewährleistet darüber hinaus den Bahnbetrieb rund ums Jahr. Die Kosten für den Bahnbau belaufen sich auf rund 42 Millionen Franken.

Was ist eine 3S Bahn?

3S steht für Dreiseilumlaufbahn. Im Gegensatz zu herkömmlichen Pendelbahnen, sogenannten Einseilumlaufbahnen, werden bei einer 3S Bahn Trag- und Zugfunktion der Seile getrennt. Das heisst, dass je zwei Tragseile pro Fahrbahnseite in der Tal- und Bergstation fix verankert werden. Das Zugseil ist als geschlossene Seilschleife ausgeführt. Das mit kuppelbaren Klemmen versehene Bahnsystem bietet folgende Vorteile:

Technische Daten & Fakten zur 3S Bahn

Inbetriebnahme Winter 2018/2019
Talstationshöhe 2939 m
Bergstationshöhe 3883 m
Höhendifferenz 944 m
Zugseillänge 7930 m
Förderleistung 2000 P/h
Fahrzeit 9 min
Geschwindigkeit 7,5 m/s
Stützenanzahl 3
Betriebsmittelanzahl 25
Hersteller Leitner
Antrieb Leitner DirectDrive
Kabinendesign Pininfarina

2. Stationen

Einhergehend mit dem Bau der höchsten 3S Bahn der Welt entstehen zwei komplett neue Stationen. Die Talstation wird westlich der Bergstation des Matterhorn Express auf einer Höhe von 2'923 m ü. M. errichtet, während die Bergstation an der Westflanke des Matterhorn glacier paradise (Klein Matterhorn) auf einer Meereshöhe von 3'821 Meter zu stehen kommt.

Neue Talstation 3S Bahn

Die neue Talstation wird unmittelbar neben der Bergstation des Matterhorn-Express gebaut. Die mit dem Matterhorn Express ankommenden Fahrgäste gelangen über eine Rolltreppe oder einen Aufzug auf das 5 Meter tiefere Einstiegs-Niveau der 3S Bahn. Ein weiterer Zugang wird an der südwestlichen Gebäudeecke geschaffen. Der Zugang kommt etwa 11 Meter unter dem Ein- und Ausstiegsniveau zu stehen und ist vor allem für ankommende Skifahrer gedacht.

Die Stationshalle ist aufgeteilt in den Besucherbereich mit dem Ein- und Ausstiegsbereich für die Gäste und dem Betriebsbereich mit den technischen Einrichtungen und dem Kabinen-Bahnhof. Die stufenlose Erreichbarkeit mittels eines rollstuhlgängigen Aufzuges ist gewährleistet. Der vom Matterhorn glacier paradise zurückkehrende Besucher gelangt über eine separate Rolltreppe oder dem Aufzug zurück auf das Niveau des Matterhorn-Express. Vom Skigebiet ist der Einstieg zur 3S Bahn mittels einer doppelten Rolltreppe erreichbar.


Aussenansicht der Talstation Trockener Steg.

Innenansicht der Talstation Trockener Steg.

Innenansicht der Talstation Trockener Steg.

Aussenansicht der Talstation Trockener Steg.

Die Fassade der neuen Talstation besteht aus grossflächigen Fotovoltaik- und Glaselementen in rhythmischer Anordnung, welche von der Unterkante der Garagierungsebene bis zur Dachoberkante reichen. Das Gebäudeäussere vermittelt mit seiner äusseren Materialisierung einerseits Schutz gegen die Umgebung aus Fels, Geröll, Schnee und Gletschern und die harschen Naturgewalten, andererseits ermöglicht es gerade das geschützte Erleben der selbigen. Das Gebäude präsentiert sich als Kontrapunkt zur bis anhin volumetrisch dominierenden Talstation der alten Klein Matterhorn Pendelbahn.

Dem Zeitgeist entsprechend, wurde für die höchste Seilbahn Europas beim Bau vor 40 Jahren eine massive Festung aus Stahlbeton gebaut. Dahingegen ist deren neuzeitliche Ergänzungsanlage in einem leicht wirkenden, vom Skigebiet her betrachtet, zu schweben scheinendem leichten Glasvolumen untergebracht.

Neue Bergstation 3S Bahn

Die neue Bergstation kommt auf einer Meereshöhe von 3'821 Meter zu stehen. Die Zu- und Abgänge führen in den in der Nord-Süd Achse verlaufenden Tunnel. Die Seilbahntechnik wird vollständig durch die Stationshalle eingehaust. Der vordere Stationsbereich kann zudem außerhalb der Betriebszeiten durch ein Tor verschlossen werden. Die notwendigen Technikräume wie Kommandoraum und eine Abstellposition für eine defekte Kabine werden im Untergeschoss errichtet. Sollte ein Fahrzeug aufgrund eines Defekts nicht mehr in die Garage im Tal fahren können, wird die Kabine mittels des Hallenkrans aus dem Umlauf herausgehoben und in der Abstellposition geparkt. Südlich der Station wird während der Bauphase die Bergstation der Materialbahn positioniert.

Die Formensprache der neuen Bergstation orientiert sich an den bestehenden Bauten auf Matterhorn glacier paradise (Klein Matterhorn). Wie bei der Bergstation aus den 70er Jahren erinnert die kantige, kristalline Form an einen Felsblock, dessen Kanten durch die Naturgewalten abgeschliffen wurden. Durch diese Verwandtschaft zur Struktur des Felsens, und durch die Abstimmung der architektonischen Eingriffe auf dem Gipfel, integriert sich der Neubau optimal in den Kontext des Gipfels.


Ansicht der zukünftigen Bergstation Matterhorn glacier paradise.

Die Hülle besteht aus Metall und Glas, nach Möglichkeit mit Solarpanels zur Gewinnung von Sonnenenergie, ähnlich wie beim Restaurant auf der Südseite des Gipfels. Die Tragstruktur der Hülle ist in Holz vorgesehen, als ökologische Alternative zu Beton und Stahl.

Garagierung der Fahrzeuge

Die vollautomatische Garagierung aller Fahrzeuge findet in der Talstation statt. Die Garagenautomatik ist so ausgelegt, dass verschiedene Bestückungen der Strecke möglich sind. Von den insgesamt 25 Fahrzeugen werden 4 Kabinen im Stationsumlauf, 8 Kabinen in einer Schlaufe in Verlängerung der Station und 13 Kabinen auf einem Stichgleis garagiert.

3. Antriebstechnik

Die 3S Bahn von Zermatt wird mit dem exklusiven LEITNER DirectDrive angetrieben, das weltweit einzige Seilbahn-Antriebssystem, das ohne Getriebe konzipiert wurde und durch seine nahezu geräuschlose Arbeitsweise und einen niedrigen Wartungsaufwand besticht. Der DirectDrive besteht aus einem langsam laufenden Synchronmotor, dessen Ausgangswelle direkt mit der Seilscheibe verbunden ist. Die Zermatt Bergbahnen AG vertrauen bereits bei anderen Anlagen auf den LEITNER DirectDrive: Der Antrieb ist bei der im Dezember 2015 neu gebauten 6er Sesselbahn Hirli erfolgreich im Einsatz.


Leitner DirectDrive an der Sesselbahn Hirli.

Leitner DirectDrive an der Sesselbahn Hirli.

Der Antrieb setzt sich aus lediglich drei bewegten Teilen (Rotor und zwei Lager) zusammen, welche sich mit der Umdrehungszahl der Seilscheibe drehen. Die für ein konventionelles Planetengetriebe erforderlichen Motorölmengen entfallen komplett. Der Elektromotor zeichnet sich durch absolute Redundanz und Verfügbarkeit aus. Der Rotor ist mit Permanentmagneten ausgestattet, der Stator ist in Segmentbauweise ausgeführt und besteht insgesamt aus acht voneinander unabhängigen Segmenten mit jeweils drei Wicklungseinheiten, von denen jede einzelne separat ausgetauscht werden kann. Das Bremssystem besteht aus Betriebs- und Sicherheitsbremse, welche beide direkt auf die Antriebsscheibe wirken und mit zwei voneinander unabhängigen Hydrauliksystemen ausgestattet werden.

Das 3S System kann bis zu zwei Antriebsscheiben verwenden. Bei Bedarf kann für beide Antriebsscheiben ein jeweils unabhängiger Antrieb eingesetzt werden. Gleiches gilt für den Not- bzw. Evakuierungsantrieb. Diese redundante Ausführung erhöht die Sicherheit der gesamten Anlage.

Wie alle 3S Bahnen von LEITNER ist auch diejenige von Zermatt mit einer einfachen Zugseilablenkung ausgestattet. Das Zugseil zeichnet sich durch eine hohe Lebensdauer und geringe Wartungskosten aus. Da das Zugseil auf den Stützen über patentierte Zugseilrollen mit Federsystem läuft, werden die Schwingungen des Zugseils verringert und somit der Fahrkomfort erhöht. Gleichzeitig schont das System die Tragseile und reduziert den Wartungsaufwand. Erhebliche Verbesserungen bringt die Anlage auch bei der Garagierung. Da die Weiche nur einmal geschaltet werden muss, verringern sich Arbeitsaufwand und Verschleiss erheblich.

4. Kabinendesign

Die höchste 3S Bahn der Welt wird mit 25 hochmodernen Kabinen ausgestattet. Die Kabinen tragen die Handschrift des weltberühmten Designstudios Pininfarina, das für solch hochwertige Marken wie Maserati oder Ferrari verantwortlich zeichnete. 28 komfortable Sitzplätze und eine Rundumverglasung mit grossflächigen Panoramafenstern führen zu einem einzigartigen Fahrerlebnis. Der Zu- und Ausstieg in den Kabinen erfolgt bodeneben bzw. barrierefrei in den Stationen.


Aussenansicht einer Kabine - designt von Pininfarina.

Innenansicht einer der 25-plätzigen Kabinen - designt von Pininfarina.

Detailansicht einer Kabine.

"Die neue 3S zeigt, dass wir einzigartiges Design in die Natur integrieren können. In Zusammenarbeit mit LEITNER und dessen Kabinenhersteller SIGMA haben wir eine innovative Kabine mit unverwechselbarem Charakter konzipiert, die das Bergerlebnis durch Eleganz und Komfort einzigartig macht.", so Paolo Pininfarina, Präsident der Pininfarina-Gruppe.

Das Beleuchtungskonzept wurde in Zusammenarbeit mit Bartenbach Lighting Design erarbeitet. In enger Kooperation mit qpunkt, dem Klimatisierungsexperten aus dem Automobilbereich, wurde ein Belüftungskonzept mit stufenweise regulierbarer Luftmenge und verbesserter Kabinenströmung realisiert, wodurch der Klimakomfort deutlich aufgewertet wird. Neueste Technik fliesst auch in das umfassende Konzept zur Energieversorgung der Kabine mittels Supercaps, dem Rollengenerator aus dem Laufwerk und den Solarpanelen.

Enthüllung der Symphony-Kabine an der Interalpin 2015

5. Materialseilbahn

Für den Bau der Bergstation sowie der letzten Stütze vor der Einfahrt wird das Baumaterial aus Logistik- und Kostengründen über eine eigens gebaute Materialseilbahn von Cervinia (IT) transportiert. Die Stationen und Mittelstütze der Transportbahn wurde bereits vor Beginn der Wintersaison 2015/16 fertiggestellt und befördert ab Sommer 2016 sämtliches Baumaterial von einem 650m2 grossen Zwischendepot auf Laghi Cime Bianche zur Gebirgsbaustelle auf Matterhorn glacier paradise. Der Bau der Talstation auf Trockener Steg sowie der zwei weiteren Stützen wird hingegen von Zermatt aus organisiert.

Tragkraft 11 t
Talstationshöhe 2835 m
Bergstationshöhe 3874 m
Höhendifferenz 1039 m
Länge 4015 m
Hersteller Moosmair

Materialseilbahn für den Transport des Baumaterials für den Bau der Bergstation sowie der letzten Stütze vor der Einfahrt.

Materialseilbahn für den Transport des Baumaterials für den Bau der Bergstation sowie der letzten Stütze vor der Einfahrt.

6. Aktueller Baufortschritt

Bauwebcam Talstation Trockener Steg

2. Mai 2016 • Offizieller Baustart der 3S Bahn

Das Bundesamt für Verkehr hat der Zermatt Bergbahnen AG am 01. April 2016 die Konzession und Plangenehmigung für das grösste Bauprojekt in der Geschichte der Unternehmung erteilt. Noch vor dem offiziellen Baustart sind bereits erste Vorbereitungsarbeiten abgewickelt worden.

Vorbereitungsarbeiten auf Matterhorn glacier paradise

Mit der Felssicherung auf Matterhorn glacier paradise konnte einer der Höhepunkte des ersten Bausommers bereits abgeschlossen werden. Des Weiteren ist der Felsaushub für die Bergstation seit 18. April im Gange. Seit anfangs April steht dafür eine zweite Bohrlafette zur Verfügung, um weitere Sprenglöcher zu bohren und somit den Felsaushub auf Matterhorn glacier paradise zu beschleunigen. In nur 14 Stunden wurde die sieben Tonnen schwere Bohrlafette von Langental mittels Lastwagen, Zug, Pendelbahn und schliesslich mit einem von zwei Pistenfahrzeugen gezogenen resp. gestossenen Spezialschlitten bis auf Matterhorn glacier paradise transportiert.


Felssicherungsarbeiten auf Matterhorn glacier paradise.

Felssicherungsarbeiten auf Matterhorn glacier paradise.

Zudem beginnen anfangs Mai die Schneeräumungsarbeiten der Piste Ventina Ghiacciaio, damit das Baumaterial anschliessend bis zur Testa Grigia und schliesslich per Materialseilbahn bis auf Matterhorn glacier paradise transportiert werden kann. Weitere Meilensteine der Bauarbeiten 2016 bilden:

Transport des Baumaterials für die Bergstation via Cervinia

Für den Bau der Bergstation sowie der letzten Stütze vor der Einfahrt wird das Baumaterial aus Logistik- und Kostengründen über eine eigens gebaute Materialseilbahn von Cervinia (IT) transportiert. Die Stationen und Mittelstütze der Transportbahn wurde bereits vor Beginn der Wintersaison 2015/16 fertiggestellt und befördert ab Sommer 2016 sämtliches Baumaterial von einem 650m2 grossen Zwischendepot auf Laghi Cime Bianche zur Gebirgsbaustelle auf Matterhorn glacier paradise.







22. Juni 2016 • Volle Kraft voraus auf allen Baustellen

Die Baumeisterarbeiten der 3S Bahn laufen an diversen Baustellen auf Hochtouren. Nachfolgend ein kurzer Überblick über die Fortschritte und die demnächst anstehenden Arbeitsschritte.

Materialseilbahn Laghi Cime Bianche – Testa Grigia – Matterhorn glacier paradise

Ende Mai fand der Vorseilzug der Materialseilbahn von Laghi Cime Bianche – Testa Grigia – Matterhorn glacier paradise statt. Der Vorseilzug wurden mithilfe eines Kamov Grosshelikopters durchgeführt. Mit der Materialseilbahn wird im Laufe der Bauarbeiten sämtliches Baumaterial für die Bergstation und die Stütze 3 sowie auch das elektromechanische und diverses weites Material für die Talstation und Stütze 1 und 2 transportiert.





Talstation auf Trockener Steg

Der Aushub für das Fundament des vorderen Stehers ist ausgeführt. Zudem sind sämtliche Baustelleninstallationen abgeschlossen. Als nächstes wird das rund 170 Kubikmeter umfassende Fundament geschalt, armiert und schliesslich betoniert. Zudem beginnen die Felsaushubarbeiten für das Fundament des hinteren Stehers.



Auf der Strecke

Bei der Stütze 1 ist der Aushub für die vier Fundamentsockel abgeschlossen. Als nächstes werden die Sockel armiert und betoniert. Aufgrund der exponierten Lage der Stütze 3 gestalten sich die Arbeiten dort etwas anspruchsvoller. Ein über den Gletscher antransportierter Schreitbagger trägt in einem nächsten Schritt das Eis ab und legt somit den Fels für die Aushubarbeiten frei.

Bergstation auf Matterhorn glacier paradise

An der Bergstation laufen weiterhin Felsabtragsarbeiten.