Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Leitner

Allgemeine Informationen
Name
Leitner

Land
I

Gründungsjahr
1888

Die Gründung des heute neben Doppelmayr erfolgreichsten und grössten Seilbahnherstellers der Welt erfolgte 1888 durch Gabriel Leitner im südtirolischen Sterzing. Während langer Zeit, bis zum Ende des zweiten Weltkriegs, war die Firma Leitner vor allem im Bau von Landmaschinen aktiv, aber auch Konstruktionen von Sägewerken und Wasserturbinen wurden durch die Firma durchgeführt. Nicht zuletzt war Leitner auch schon ab der Jahrhundertwende im Bau von Materialseilbahnen aktiv.

Nachdem sich an der 1908 eröffneten Kohlernbahn in Bozen, der ersten Pendelbahn der Welt zur Bergerschliessung, schon bald Kapazitätsprobleme aufgrund der grossen Nachfrage ergaben, wurde 1910 bereits mit einem Neubau begonnen, an dem auch die Firma Leitner beteiligt war. 1913 fertig gestellt, entwickelte sich die Anlage schnell zum Publikumsmagnet.

Abgesehen von diesem Einzelstück dauerte es aber noch bis zum Ende des zweiten Weltkriegs, ehe Leitner seine Produktion voll und ganz den Seilbahnen widmete. Von 1946 bis 1947 entstand am Col Alto in Corvara in Zusammenarbeit mit dem Meraner Konstrukteur Karl Hölzl eine Einersesselbahn (Foto dieser Anlage). Diese zählte neben einer Anlage von Trojer in Algund zu den ersten Sesselbahnen Italiens. Aufgrund der Materialknappheit nach dem Krieg wurde die Bahn noch mit Restposten und Überbleibseln aus den Kriegsjahren zusammengeschustert, war aber dennoch als touristisch orientierte Transportanlage schnell sehr beliebt in den Dolomiten. Wenige Jahre später ersetzte Leitner die Holzstützen der Bahn durch neue Exemplare. 1957 entstand in Kooperation mit der Firma Hölzl der erste Schlepplift der Firmengeschichte am Brenner.

Die Zusammenarbeit mit Hölzl war allerdings von kurzer Dauer, denn letzterer kooperierte in den folgenden Jahren mit Leitners Konkurrenzfirma Trojer. Die Sterzinger begannen jedoch schon kurze Zeit nach dem Prototyp mit den ersten Einersesselbahnen mit den typischen Vierkantstützen, die über lange Jahre ein charakteristisches Merkmal der Firmenbauten bleiben sollten. Generell lässt sich feststellen, dass Leitner schon sehr früh auf standardisierte Bauwerke setzte, was die grossräumige Verbreitung in und ausserhalb Italiens zum Teil erklärt. Neben den Sesselbahnen begann die Firma auch schon recht bald mit dem Bau von den vom Prinzip her ähnlich aufgebauten Korbliften und fixen Kabinenbahnen. Diese entwickelten sich in Italien zum Vorzeigeobjekt, sodass die Konkurrenz in diesem Segment auch für Leitner gross war. Spektakulärste noch existierende Anlage aus dieser Zeit ist sicher die Bahn in der Cristallo-Scharte in Cortina d’Ampezzo, die Leitner Mitte der 60er Jahre erstellte. Die Anlage wird seither im Winter mit Zweiersesseln, im Sommer mit den klassischen bunten Eiergondeln als Ovovia betrieben.

Ebenso erfolgreich war Leitner seit Beginn der 60er Jahre im Bau von Schleppliften. Seine charakteristischen so genannten Skikulis verbreiteten sich schnell im gesamten Land und oftmals auch über die Grenzen hinweg nach Österreich und Deutschland. Charakteristisch für die frühen Leitnerschlepplifte waren vor allem die grün gestrichenen Portalstützen, aber auch die klassische Aufteilung von der Antriebsstation im Tal und einer Gewichtsabspannung am Berg. Mit dem aufkommenden Sommerskivergnügen in Italien zu Beginn der 70er Jahre entwickelte Leitner die Lifte so weiter, dass sie auch schwimmend auf Gletschereis platziert werden konnten. Auch in der Schweiz entstanden solche Anlagen in Zermatt, wobei der Gletscher damals ausschliesslich über das italienische Cervinia erreichbar war. Neben den wenigen Anlagen von Graffer war Leitner damit der einzige Hersteller italienischen Ursprungs, der Anlagen auf Gletschereis erstellte. Abgesehen vom Engagement im Seilbahnbau stieg Leitner zu dieser Zeit auch in den Bau von Pistenraupen ein.

Ende der 70er Jahre gab es technisch einige Umstrukturierungen im Hause Leitner. Die Portalstützen hatten bei den Schleppliften ausgedient, fortan kamen günstigere T-Stützen zum Einsatz, die die Konkurrenz schon seit einigen Jahren verbaute. Auch bei den Sesselbahnen wurde die Sesselkapazität auf bis zu drei Personen erhöht. In Kooperation mit Poma entstand 1978 auch eine kuppelbare Dreiersesselbahn in St. Vigil. Die Kuppeltechnik stammte allerdings vollständig aus dem Hause Pomagalski, die die Epoche dieser Bahnart schon zu Beginn der 70er Jahre einläuteten.

Bei Leitner liess man sich allerdings noch bis Anfang der 80er Jahre Zeit, ehe die ersten kuppelbaren Anlagen auf den Markt kamen. Dann startete man allerdings mit der ersten 6er Kabinenbahn in Meransen durch. Kuppelbare Vierersesselbahnen folgten ab der zweiten Hälfte der 80er Jahre, damals noch mit monströsen ersten Versuchen von Kompaktstationen. Zu jener Zeit stellte die von Hölzl und Doppelmayr gegründete Firma Agamatic die grösste Konkurrenz auf dem Markt der kuppelbaren Bahnen in Italien für Leitner dar. Als besonderer Erfolg, den die kuppelbaren Bahnen hervorbrachten, erwies sich die mit offenen Schraubenfedern ausgestattete Kuppelklemme, die bis nach der Jahrtausendwende weitgehend unverändert eingesetzt wurde.

Zur selben Zeit entwickelte Leitner auch die so genannte MiniMetro, eine Art kuppelbare Standseilbahn für den urbanen Bereich. Das System ähnelte jenem, das Poma schon einige Jahre zuvor in Lyon einsetzte, aber erst Leitner verschaffte dieser Art der Seilbahn den Durchbruch. Die bekannteste solche Anlage dient dem ÖPNV in Perugia.

1993 schliesslich erlebte die Firma einen grossen Umschwung. Die Übernahme durch den Bauunternehmer Michael Seeber führte dazu, dass sich Leitner durch Übernahmen und Fusionen mit anderen Firmen neben Doppelmayr zum grössten Seilbahnhersteller der Welt entwickeln konnte. Mit der Übernahme der Seilbahnsparte des österreichischen Unternehmens Waagner Biró 1999 erwarb Leitner auch Kenntnisse zum Bau von Pendelbahnen, Zweiseilumlaufbahnen und Standseilbahnen. Die Fusion der Pistenraupensparte mit dem Grödner Unternehmen Prinoth führte zu weltweiten Erfolgen und grossen Absatzzahlen in diesem Bereich, ebenso wie die Übernahme der Schneekanonensparte der Schweizer Firma Borer. Wichtigstes Ereignis war jedoch die Kooperation mit der französischen Firma Poma, die neben Leitner und Doppelmayr damals der drittgrösste Seilbahnhersteller der Welt war.

Seit der Zusammenarbeit werden die Seilbahnsysteme zwar weiterhin unterschiedlich angeboten, die Firmen kooperieren aber im Bau der Anlagen und setzen teilweise gemeinsame Technik ein. So wurde beispielsweise eine neue gemeinsame Kuppelklemme entwickelt, die beide Hersteller einsetzen. Seit neuestem ist Leitner auch im Bau von Zweiseilumlaufbahnen tätig, die erste wurde 2008 in Bozen gebaut. Die Funitels werden allerdings weiterhin nur unter dem Namen Poma erstellt.



Verweise
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