Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Müller

Allgemeine Informationen
Name
Müller

Land
CH

Gründungsjahr
1947

Gerhard Müller begann schon vor dem zweiten Weltkrieg anfänglich in einer kleinen Werkstatt mit dem Bau der ersten Schlepplifte. Viele weitere sowie Sessel-, Kabinen- und Pendelbahnen sollten während der knapp 40-jährigen Firmengeschichte eines der grössten Technik-Genies der Schweizer Seilbahnlandschaft folgen.

Nach ersten Versuchen mit kleineren Seilliften, die durch Verbrennungsmotoren angetrieben wurden, darunter der erste Schlepplift in Form eines Seillifts 1932 am Albispass, erstellte Gerhard Müller seine erste grosse Schleppliftanlage 1947 auf Planachaux in Champéry. Die Hochebene war bereits einige Jahre zuvor durch eine Pendelbahn der Firma Wullschleger erschlossen worden. In den folgenden Jahren entstanden einige weitere solche Anlagen, darunter 1949 eine in Veysonnaz. Alle Anlagen von Müller bis Baujahr 1950 besassen Fachwerk-Portalstützen. Diese Stützenart wurde ab 1950 weiterentwickelt und während der folgenden rund 30 Jahre in zwei verschiedenen Schwere-Varianten angeboten. Eine zum Verwechseln ähnliche Stützenart konstruierte zur selben Zeit auch der später bei Städeli tätige Ingenieur Theodor Brunner.

Das wahre technische Genie Gerhard Müllers kam erstmals beim Bau von kuppelbaren Seilbahnen zum Vorschein. Im Gegensatz zu seinen nationalen Konkurrenten Von Roll und Giovanola entwickelte Müller eine Kuppelklemme für Einseilbahnen, die vollständig auf Federkraft basierte, somit von der Gravitation unabhängig war. Damit konnten auch ohne Bedenken steile Streckenabschnitte überwunden werden, da keine Gefahr bestand, dass die Klemmen aufgrund mangelnder Klemmkraft ins Rutschen geraten könnten. Konstruiert war die Klemme mit einem Zahnrad, welches in den Stationen über eine Schiene betätigt wurde, und so die Klemmbacke gegen das Seil presste. Mittels eines Tellerfederpakets wurde zusätzlich Kraft aufgebracht, die ein ungewolltes Öffnen der Klemme auf der Strecke verhinderte. Dies brachte der Klemme auch den Übernamen Schraubklemme. Verglichen mit den restlichen auch international auf dem Markt befindlichen Klemmenarten handelte es sich bei der Müller-Schraubklemme um die einzige bistabile, die also zwei feste Endstellungen, offen und geschlossen, besass.

Die erste Bahn, bei der die Klemme zum Einsatz kam, war 1950 die Sesselbahn Sattel-Mostelberg. Analog zu den beliebten Von Roll VR101-Sesselbahnen waren auch die Sessel der Bahn im Kanton Schwyz quer zur Fahrtrichtung positioniert. Von diesen Zweiersesselbahnen entstanden in der Schweiz noch zwei weitere, beide 1951 am Flumserberg sowie in Sainte-Croix. Bei letzterer Anlage wurden bereits in frühen Jahren versuchsweise auch Viererkabinen eingehängt. Im Gegensatz zu den beiden anderen Anlagen war die Bahn in Sainte-Croix auch die erste von Müller, die nicht mehr die charakteristischen Fachwerk-Portalstützen besass, wie sie auch bei den Schleppliften zum Einsatz kamen. Fortan setzte die Firma sowohl bei fixen als auch bei kuppelbaren Bahnen auf Fachwerk-T-Stützen. Auch ausserhalb der Schweiz konnte Müller derartige Bahnen erstellen, darunter in Grossbritannien sowie in Frankreich. In letzterem Land baute später die Firma Weber in Lizenz zahlreiche weitere Bahnen mit Müller-Klemmen.

Die erste dauerhaft mit Viererkabinen betriebene Bahn von Müller wurde 1954 von Brig nach Rosswald eröffnet. Entsprechend der damaligen Gesetzgebung wurde die Bahn mit Doppelklemmen ausgestattet. Nach einem Umbau im Jahr 1980 verrichtete die Bahn bis ins Jahr 2000 ihre Dienste. Insgesamt entstanden bis 1984 rund 20 Bahnen, teils in mehreren Sektionen, auf Schweizer Boden mit der Müllerklemme. Mit der Zeit wurde die Klemme zwar geringfügig weiterentwickelt, ihrem Funktionsprinzip blieb sie aber treu und zählte somit gemeinsam mit der Giovanola-Klemme zu den am längsten eingesetzten Klemmvorrichtungen überhaupt. Die letzten drei Exemplare der frühen Müller-Bahnen wurden 2005 (Sesselbahn Sattel-Mostelberg), 2006 (Kabinenbahn Reigoldswil-Wasserfallen) sowie 2007 (Kabinenbahn Emmetten-Stockhütte) ersetzt. In Gstaad ist noch eine letzte Bahn zum Eggli mit Baujahr 1984 und Müller-Klemmen im Einsatz, der Ersatz ist für 2013 geplant. Die nahe der Bahn gelegene Kabinenbahn zur Videmanette wurde 2010 durch einen Neubau ersetzt. Auch sie besass Klemmen der zweiten Generation aus den 80er Jahren.

Ähnlich wie viele andere im Schleppliftbau tätige Firmen erstellte auch Müller vor allem in 50er Jahren einige Kombianlagen, mit Sesseln für den Sommerbetrieb. Kurioserweise waren die Sessel meist analog zu den kuppelbaren Zweiersesselbahnen quer zur Fahrtrichtung montiert. Ab Ende der 50er Jahre kamen schliesslich auch fixe Zweiersesselbahnen zum Einsatz, allerdings mit gewöhnlichen Sesseln. Zu den ersten solchen Bahnen der Firma Müller zählte 1959 die Sesselbahn am Lac des Vaux in Verbier.

Speziell die fixen Zweiersesselbahnen konnten sich auch in den USA und Kanada durchsetzen. Müller erkannte schon früh das Potential jenseits des Atlantiks und gründete auf dem amerikanischen Kontinent ein zweites Standbein unter dem Namen GMD Mueller Lifts.

Weltweit bekannt wurde Müller mit dem 1969 erfundenen Aerobus. Bei dieser Bahnart für den urbanen Personentransport handelte es sich um ein auf hängebrückenartig abgespannten Drahtseilen fahrendes elektrisches Fahrzeug. Trotz massiver technischer Fortschritte und einer 1974 eröffneten Versuchsanlage in Dietlikon konnte Müller das System selbst nie verkaufen. Heute ist das 1976 weltweit patentierte System aber in einigen Ländern, speziell in Asien, gebaut worden.

Ab Beginn der 80er Jahre wurde neben der angesprochenen weiterentwickelten Klemme für kuppelbare Bahnen auch die Stützenart bei Schleppliften umgestellt. Die charakteristischen Fachwerk-Portalstützen wurden durch kostengünstigere Schräg-T-Stützen ersetzt und kamen bis zum Tod des Firmengründers Gerhard Müller 1985 zum Einsatz. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Firma auch einige wenige fixe Sesselbahnen mit drei- und viersitzigen Sesseln konstruiert. Nach Müllers Tod wurde die Firma unter dem Namen Rowema weitergeführt, konnte aber nie mehr an die einstigen technischen wie wirtschaftlichen Erfolge anknüpfen. Die einzige Anlage, die Rowema auf Schweizer Boden konstruieren konnte, war 1988 die Kabinenbahn zur Wispile in Gstaad in zwei Sektionen. Allerdings stammte die Kuppeltechnik bei dieser Bahn von Poma. Bis heute ist die Firma mit der Sanierung von älteren Müller-Bahnen beschäftigt. Ausserdem überführte sie zahlreiche Anlagen von Müller von Europa nach Südamerika, wo diese als Occasionsanlagen weiter betrieben werden.



Verweise