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Seilbahnlexikon

10. Neuartige Seilbahnsysteme



Ab Mitte der 80er Jahre entwickelten sich noch einige weitere Seilbahntypen, deren Funktionsweise aber grundsätzlich sehr ähnlich zu den bereits angesprochenen Typen ist.

10.1 DMC

Denis Creissels, seines Zeichens auch Konstrukteur der Creissels-Kuppelklemme, die bei Einseilumlaufbahnen von zahlreichen Herstellern eingesetzt wurde, erfand eine der Einseilumlaufbahn sehr ähnliche Seilbahnart. Das so genannte DMC (DoubleMonoCable) besitzt zwei verschiedene, parallel geführte Zugseile, an die die Kabinen geklemmt werden. Der Kuppelmechanismus und der Stationsaufbau entspricht dabei in etwa dem einer Einseilumlaufbahn - mit dem Unterschied, dass die Kabinen und die Stationen etwas grösser sind als gewöhnlich. Der grosse Vorteil besteht nicht nur in der grossen Förderkapazität, was das System vor allem als Zubringer sehr beliebt machte, sondern insbesondere darin, dass das System viel windstabiler ist als eine Bahn mit nur einem Seil. Die in einem Abstand von knapp einem Meter geführten Zugseile sorgen zudem dafür, dass sehr grosse Spannfelder realisiert werden können. Creissels vergab seine Lizenzen an Poma und Agudio, die in Frankreich und Italien einige dieser Bahnen bauen konnten. Als problematisch erwies sich jedoch die Tatsache, dass beide Seile exakt gleich schnell laufen müssen. Dies wurde über entsprechende elektronische Überwachung der beiden Antriebe ermöglicht.


Heute wird das DMC-System nicht mehr gebaut. Seit 1991 hat das Funitel (siehe folgendes Kapitel) das DMC abgelöst.

10.2 DLM

Von aussen nahezu identisch aufgebaut wie das DMC ist auch das DLM (DoubleLoopMonocable). Der Unterschied der beiden Systeme besteht darin, dass das beim DLM ein einziges Seil in eine doppelte Schlaufe gelegt wird, und so den Anschein erweckt, dass es sich um zwei verschiedene Seile handelt. Der Vorteil ist, dass man nur einen Antrieb und eine Abspannung des Seils benötigt, zudem ist sichergestellt, dass die beiden parallel geführten Seilabschnitte auch genau gleich schnell fahren, auch ohne eine elektrische Kopplung der Antriebe wie beim DMC. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Gehänge (Kabinen) beim DMC von innen an das Seil greifen, beim DLM hingegen von aussen. Dadurch können die Rollenbatterien zentral angebracht werden. Ähnlich wie beim DMC bietet auch dieses System viele Möglichkeiten bei grossen Spannfeldern oder windexponiertem Gelände. Die einzige Bahn, die nach diesem System gebaut wurde, war jedoch die Gaislachkoglbahn in Sölden (A), welche im Sommer 2010 durch eine Dreiseilumlaufbahn ersetzt werden soll. In der Folge setzte auch Doppelmayr auf das populärer werdende Funitel.


10.3 Funitel

Beim ersten Funitel, das 1991 in Val Thorens erstellt wurde, war wieder Denis Creissels massgeblich für den Bau verantwortlich. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er auch bei diesem neuen System auf seine Erfahrungen im DMC-Bau zurückgriff. Das Creissels-Funitel, an dessen Bau auch andere prominente Hersteller wie Städeli, Garaventa oder Poma beteiligt waren, wurde wie das DMC mit zwei verschiedenen, parallel geführten Zugseilen ausgestattet, allerdings in grösserem Abstand voneinander, nämlich mit 3,2 m. Dadurch wurde das System noch deutlich windstabiler und kann seither Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h problemlos überstehen. Poma war in der Folge der einzige Hersteller, der das Funitel-System weiterhin mit der DMC-Antriebsidee baute. Garaventa setzte beim ersten Funitel der Schweiz 1994 in Verbier auf die von Doppelmayr entwickelte DLM-Technologie, wenn auch in leicht modifizierter Form mit zwei gekoppelten Antrieben für das eine Seil. Auch Doppelmayr vertraute weiterhin auf das hauseigene DLM-Antriebssystem beim Funitel. Schlussendlich verabschiedete sich auch Poma von DMC-Antriebssystem und baute 2001 die letzte Anlage mit zwei seperaten Antrieben. Die Kuppelklemmen sind wie diverse Fördermechanismen in den Stationen je nach Hersteller verschieden, basieren aber in aller Regel auf den normalen Klemmen für Einseilumlaufbahnen.


Seit einigen Jahren wird ausserdem das so genannte Jig-Back-Funitel eingesetzt. Das System ist prinzipiell das gleiche wie ein gewöhnliches Funitel, pendelt aber analog zu einer Gruppenpendelbahn immer zwischen Tal- und Bergstation hin und her. Eine bekannte solche Anlage steht in L'Alpe d'Huez (F) und wurde von Doppelmayr erstellt.

10.4 Funifor

Das Funifor ist das jüngste aller Seilbahnsysteme und wurde 2000 am Stilfser Joch durch die Firma Hölzl erstmals eingesetzt. Kurz gesagt handelt es sich dabei um eine Mischung aus Pendelbahn und Funitel. Von letzterem übernahm man den grossen Abstand der beiden Seile, der beim Funifor breiter ist als die Kabine. Diese rollt mit einem Laufwerk über zwei Tragseile. Gezogen wird die Kabine von einem in eine Doppelschlaufe gelegtem Zugseil, das über der Fahrspur zurückgeführt wird. Somit sind die Antriebe der beiden Kabinen unabhängig voneinander, was auch ein unabhängiges Fahren ermöglicht. Im Gegensatz zur Pendelbahn muss sich also nicht immer eine Kabine in der Bergstation und die andere im Tal befinden, die Kabinen fungieren eher als seperate Anlagen. Dadurch kann bei wenig Andrang nur eine Kabine fahren gelassen werden, was Energie und Verschleiss spart, bei viel Andrang wird die Förderleistung durch die Unabhängigkeit gesteigert. Nachdem Hölzl 2002 von Doppelmayr übernommen wurde, gingen auch die Funiforpatente an Doppelmayr. Die Firma erstellte ab 2005 weitere Anlagen, alle auf italienischem Boden. Das 2005 erstellte Funifor in Alagna war gleichzeitig das erste mit Stützen, denn jenes am Stilfser Joch wurde stützenlos ausgeführt.


10.5 Verbreitung in der Schweiz

DMC und DLM wurden in der Schweiz nie gebaut. Die einzigen beiden Funitels wurden 1994 respektive 1995 im Wallis gebaut (Verbier und Crans-Montana). Dabei wurden jeweils Pendelbahnen ersetzt, wodurch Teile der bestehenden Stützenkonstruktionen weiterverwendet werden konnten. Ein Funifor gibt es bis heute ebenfalls nicht auf Schweizer Boden. Sämtliche bis heute erstellten Funifors wurden in Italien gebaut. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die neuartigen Systeme in der Schweiz bis jetzt noch keine flächendeckende Entwicklung erlebt haben.


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