Seilbahndatenbank - Projekte

Der Tourismus als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Schweiz lebt zu einem beträchtlichen Teil von der Schweizer Bergwelt. Um diese Bergwelt einem möglichst breitem Publikum zugänglich machen zu können, investieren Private und Unternehmen seit Ende des 19. Jahrhunderts in Seilbahnen. Jedes Jahr entstehen in der Schweiz zahlreiche neue Seilbahnanlagen, mit denen die Gäste schneller, höher und komfortabler die Gipfel erreichen können. Diese Rubrik gibt einen Überblick über die Entwicklung der Investitionen im Seilbahnsektor sowie über aktuelle Projekte und Investitionsvorhaben.

Allgemeine Entwicklung

Entstanden die ersten Seilbahnen Ende des 19. Jahrhunderts noch mehrheitlich als Personentransportmittel in grösseren Städten, begann die überwiegend touristische Nutzung um die Jahrhundertwende. Bis Ende der 1920er Jahre wurden mit Standseilbahnen namhafte Gipfel wie der Niesen, der Monte San Salvatore oder das Stanserhorn erklommen, ehe die Luftseilbahn als bodenunabhängiges Transportmittel die Standseilbahn ablöste. Bis die Seilbahn zur flächendeckenden Erschliessung der Alpen und des Juragebirges genutzt wurde, dauerte es aber noch bis zum Ende des zweiten Weltkriegs.

Mit dem aufstrebenden Ski- und Wintertourismus stieg die Zahl der erbauten Seilbahnen von unter 20 pro Jahr Ende der 40er Jahre bis 1960 um mehr als das Dreifache. Die schneereichen Winter und der damit verbundene Boom des Skitourismus sorgte in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für Jahre mit über 120 neu erstellten Seilbahnen. Seit Mitte der 70er Jahre ist dagegen ein stetiger Rückgang an neuen Investitionsprojekten festzustellen. Schneeärmere Winter in den 80er Jahren sowie umständlichere Verfahren zur Bewilligung von Erschliessungen in unberührtem Gelände sorgten dafür, dass die absolute Zahl an Neubauten sank. Bis zur Jahrtausendwende wurden in der Schweiz jährlich zwischen 30 und 40 neuen Anlagen erbaut.

Ab dem Jahr 2000 ist die Zahl der Neubauten erneut eingebrochen und bewegt sich seither mit rund 20 Bahnen pro Jahr wieder auf dem Niveau von 1950. Gründe hierfür sind bei den teils schlechten Wintern der letzten Jahre zu suchen, genau wie bei dem Problem, dass Skifahren gerade bei jüngeren Personen längst nicht mehr den gleichen Stellenwert besitzt wie noch in den 70er Jahren. Seit 2008 sorgen zudem die allgemeine wirtschaftliche Situation und der starke Franken für einen Gästerückgang, der sich auch in Form verringerter Investitionen im Seilbahnbereich widerspiegelt.


Anzahl der umgesetzten Seilbahnprojekte im Zeitraum von 2000 bis 2014.

Anzahl der umgesetzten Seilbahnprojekte im Zeitraum von 1945 bis 2014.

Anzahl der umgesetzten Seilbahnprojekte im Zeitraum von 1950 bis 2019
summiert nach Jahrzehnten. Zeitraum von 2015 bis 2019 prognostiziert
auf Basis historischer Daten.


Detaillierte Analyse

Die Investitionslandschaft im Bereich der Seilbahnen hat sich jedoch nicht nur bezüglich der absoluten Zahl an Projekten, sondern auch im Detail während der Jahrzehnte stark verändert. Die Art der Erschliessung seit dem zweiten Weltkrieg lässt sich grob in zwei Phasen einteilen. Die erste Phase begann mit dem aufstrebenden Skitourismus und charakterisiert sich durch eine „grenzenlose“ Ausdehnung der Seilbahnen in den Schweizer Bergen. Mit neuen Seilbahnen wurden nahezu ausschliesslich neue Areale erschlossen, d. h. Skigebiete wurden erweitert und vergrössert. Da die Technik zu diesem Zeitpunkt pro Anlage kaum grössere Förderleistungen als die bestehenden ermöglichten, war der einzige Weg, die Massen an Skifahrer ohne allzu grosse Wartezeiten auf den Berg zu bringen, die Erschliessung neuer Pisten. Zudem sorgten gute Schnee- und Wetterverhältnisse dafür, dass neue Betreiber mit neuen Skigebieten den aufstrebenden Markt erobern wollten. Investitionen als Ersatz für bestehende Anlagen beschränkten sich in diesen Jahren auf ein Minimum.

Ab Mitte der 70er Jahre ging dann allerdings nicht nur die absolute Zahl an Neubauten zurück, auch das Verhältnis von Neuerschliessungen und Ersatzanlagen für bestehende Seilbahnen veränderte sich langsam. Der Aufschwung der 60er und frühen 70er Jahre war langsam abgeklungen und die inzwischen zahlreichen bestehenden Skigebiete sahen sich mit einem aufkommenden Konkurrenzkampf um die Skigäste konfrontiert. Zudem wurde mit einer restriktiveren Gesetzgebung und dem aufkommenden Gedanken einer nachhaltigen Entwicklung der zuvor praktizierten grenzenlosen Erschliessung von Skiarealen ein Riegel vorgeschoben. Aus diesen Gründen konnten die in vielen Skigebieten an Spitzentagen unerträglich gewordenen Wartezeiten an den vorhandenen Seilbahnen nicht mehr durch neue Areale aufgefangen werden. Dies veranlasste die Betreiber zu Investitionen in kapazitätsstärkere Ersatzanlagen für den bestehenden Anlagenpark. Neue Technik – insbesondere in Form der kuppelbaren Sesselbahn – ermöglichte es fortan, auf demselben Areal mehr Personen pro Stunde den Berg hinaufzubefördern. Durch den Konkurrenzkampf und die stagnierende Zahl an Skifahrern sahen sich alle grösseren Skigebiete gezwungen, auf den Modernisierungszug aufzuspringen. Dies führte dazu, dass sich das Verhältnis von Neu- und Ersatzanlagen binnen weniger Jahre umkehrte. Wurden bis 1980 kontinuierlich etwa 20% der Neubauten als Ersatz für bestehende Bahnen errichtet, entstanden 1983 erstmals mehr Ersatzanlagen als Neuerschliessungen, und seit 1988 sind 80% der in der Schweiz erbauten Seilbahnen ein Ersatz für eine bestehende Anlage, Tendenz leicht steigend.


Anzahl der Investitionen in Ersatzanlagen und Neuerschliessungen im
Zeitraum von 1945 bis 2014.

Anteil der Ersatzanlagen an der Gesamtzahl umgesetzter
Seilbahnprojekte im Zeitraum von 1945 bis 2014.



Die neuen Bedürfnisse spiegeln sich auch bei der Förderleistung pro realisierter Anlage wider. Die durchschnittliche Förderleistung einer neuen Seilbahn stieg von den 50er Jahren bis nach der Jahrtausendwende kontinuierlich an und erreichte zwischen 2000 und 2009 einen Höchststand von 1.200 Personen pro Stunde und Anlage, mehr als das Vierfache eines Neubaus in den 50er Jahren. Im aktuellen Jahrzehnt ist bislang aus verschiedenen Gründen jedoch wiederum ein leichter Rückgang bei der durchschnittlichen Förderleistung festzustellen. Aufgrund der sinkenden Gästezahlen, dem Gedanken einer nachhaltigen Entwicklung und der inzwischen ohnehin flächendeckend hohen Anlagenkapazität steht eine immer grössere Förderleistung der Seilbahnen bei vielen Betreibern nicht mehr an erster Stelle der Agenda. Generell, so scheint es, zählt beim Gast heute das Gesamterlebnis aus Panorama, Komfort und Ambiente weit mehr als eine hohe Förderleistung alleine. Diese ist inzwischen in den meisten Skigebieten zum Standard geworden, und das Problem der langen Wartezeiten beschränkt sich auf wenige Spitzentage im Jahr. Dass das Wettrüsten der Skigebiete mit immer leistungsstärkeren Bahnen anhält, ist daher nicht zu erwarten. Schon heute macht es sich bemerkbar, dass Skigebiete vermehrt auf andere Instrumente setzen, um Kunden anzulocken. Hierzu zählt insbesondere die künstliche Beschneiung, die bei den prognostizierten klimatischen Veränderungen in 10-20 Jahren noch einen erheblich höheren Stellenwert besitzen wird.

In den letzten Jahren ist zudem eine erhebliche Konzentration der Investitionen in grösseren Gebieten festzustellen. Kleinere Gebiete, die in den 80er und 90er Jahren aus wirtschaftlichen Gründen den Aufsprung auf den Modernisierungszug verpasst haben, haben kaum eine Chance, die Versäumnisse aufzuholen. So mussten seit der Jahrtausendwende nicht weniger als zehn Skigebiete mit drei oder mehr Seilbahnen den Skibetrieb einstellen. Doch auch kleine Gebiete, die in neue Infrastruktur investiert haben, haben mit schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen zu kämpfen, da in diesen Fällen die Investitionssummen im Verhältnis zum erwirtschafteten Umsatz wesentlich höher ausfallen. Nicht zuletzt sind unterdessen vor allem kleinere Schlepplifte in Ortsnähe aufgrund geringer Höhenlage und damit verbundener Schneearmut weggefallen. Dies verdeutlicht die Statistik der ohne Ersatz stillgelegten Anlagen, bei der eine deutliche Steigerung der Fallzahl seit Beginn der 90er Jahre festzustellen ist. Auch wenn der Wegfall dieser kleinen Gebiete für den Hauptteil der Wintersportgäste zu verschmerzen ist, so sind es gerade die ortsnahen Übungslifte, die die Begeisterung bei der Jugend - und damit den Skigebietsbesuchern von morgen - für den Sport wecken. Fallen weitere dieser Anlagen weg, wird sich dies in naher Zukunft auch in den grossen Skigebieten mit weiter rückläufigen Gästezahlen und in der Folge mit weniger Investitionen in neue Seilbahnen auswirken.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass nach der Phase der Ausdehnung und der Phase der Kapazitätserweiterung inzwischen eine dritte Phase in der Entwicklung der Seilbahninvestitionen beginnt. Das Gesamterlebnis am Berg wird mehr denn je zählen, sodass sich Skigebietsbetreiber inzwischen ausgefallene Konstruktionen wie z. B. die Cabrio-Bahn am Stanserhorn oder zu Seite schwenkende Sessel in Laax einfallen lassen, um Touristen anzulocken. Gleichermassen ist eine Konzentration festzustellen, bei der Investitionen vor allem in grösseren Gebieten erfolgen. Neue Seilbahnen werden darüber hinaus nicht mehr nur als Ersatz gebaut, sondern häufig auch mit dem Ziel, zwei zuvor separate Gebiete miteinander zu verbinden. Allein 2013 wurden Verbindungsbahnen zwischen sechs Schweizer Skigebieten eröffnet (Lenzerheide-Arosa, Grimentz-Zinal & Verbier-Bruson), um durch eine grosse Ausdehnung und ein vielfältiges Angebot auch im internationalen Vergleich bestehen zu können. Somit ist zu erwarten, dass gerade jene Orte mit ihren Investitionsprojekten wirtschaftlichen Erfolg haben werden, wo in den letzten Jahren bereits eine solide Basis mit einem modernen Anlagenpark geschaffen wurde oder durch einen Zusammenschluss mehrerer Gebiete positive Synergieeffekte genutzt werden können. Im Gegenzug werden es kleinere Skigebiete voraussichtlich schwerer haben, sich langfristig zu behaupten.


Durchschnittliche Förderleistung einer neu erstellten Seilbahn in
Personen pro Stunde (P/h), untergliedert nach Jahrzehnten von
1950 bis 2019. Zeitraum von 2015 bis 2019 prognostiziert auf Basis
historischer Daten.

Anzahl an Seilbahnen, die stillgelegt und nicht durch einen Neubau
ersetzt wurden im Zeitraum von 1945 bis 2013.



Weiteres Investitionspotential ergibt sich bei Seilbahnen zukünftig auch im urbanen Bereich. In zahlreichen grösseren Städten rund um den Globus wurde die Seilbahn als innerstädtisches Transportmittel wiederentdeckt, nachdem sie bereits im 19. Jahrhundert quasi ausschliesslich in diesem Sektor als Transportmittel eingesetzt wurde. Durch den Einsatz von Kleinkabinenbahnen in Städten lässt sich die Verkehrsproblematik entschärfen und der öffentliche Verkehr attraktiver gestalten. In der Schweiz wurden bislang keine vergleichbaren Projekte umgesetzt, aufgrund des unbestreitbaren Erfolgs im Ausland ist es jedoch nicht unwahrscheinlich, dass auch in den Schweizer Städten derartige Projekte mittelfristig Einzug halten werden.

Auflistung geplanter Seilbahnprojekte

Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht über projektierte Seilbahnanlagen in der Schweiz für die kommenden beiden Jahre. Geordnet sind die Projekte aufsteigend nach Baujahr und Status. Angegeben ist zudem jeweils, sofern vorhanden, die derzeitige Anlage, die durch den geplanten Neubau ersetzt werden soll.

Eine Aktualisierung der Liste erfolgt in unregelmässigen Abständen. Die Angaben sind nach bestem Wissen recherchiert und aufbereitet. Dennoch können wir keine Gewähr für die Richtigkeit der Daten geben. Erfahrungsgemäss kommt es auch kurzfristig zu Änderungen bei den geplanten Umsetzungen der Projekte.

Projektübersicht
BaujahrProjektHerstellerStatus
2017
20178-KBK Andermatt-Nätschen
Andermatt (Nätschen) • UR
GaraventaIm Bau
20178-KBK Nätschen-Stöckli
Andermatt (Nätschen) • UR
GaraventaIm Bau
20176-SBK/B Parsennfurka
Davos (Parsenn) • GR
GaraventaIm Bau
20174-SBF Eischoll-Striggen
Eischoll (Augstbordregion) • VS
Im Bau
20174-SBK Plattja-Seetalhorn
Grächen • VS
GaraventaIm Bau
20176-SBK/B Lauchernalp-Stafel
Lauchernalp (Lötschental) • VS
BartholetIm Bau
20174-SBK Le Fer-Bryon-Mayen-Tête d'Aï
Leysin (Berneuse) • VD
GaraventaIm Bau
20174-SBK Misanenga-Untermatt
Obersaxen • GR
GaraventaIm Bau
20178-PB Frümsen-Staubern
Sennwald • SG
BartholetIm Bau
2017??-ST Bürgenstockbahn
Stans (Bürgenstock) • NW
Im Bau
2017100-SSB Schwyz-Stoos
Stoos • SZ
GaraventaIm Bau
20174-SBK Eisee-Brienzer Rothorn
Sörenberg (Rothorn) • LU
Im Bau
201745-PB Les Attelas-Mont Gélé
Verbier (Les 4 Vallées) • VS
GaraventaIm Bau
20176-SBK/B Hinterbördli-Strahlgand
Andermatt (Nätschen) • UR
GaraventaRealisierung wahrscheinlich
201715-PB Kräbel-Rigi Scheidegg
Rigi (Scheidegg) • SZ
GaraventaRealisierung wahrscheinlich
20171-SLE / 2-SLE La Muraz
Veysonnaz (Les 4 Vallées) • VS
Realisierung wahrscheinlich
201710-KBK St. Moritz Bad-Signal
St. Moritz (Corviglia) • GR
Realisierung noch unsicher
20172-SLE Schönenboden
Sörenberg (Dorf) • LU
GaraventaRealisierung noch unsicher
2018
201828-KBK Trockener Steg-Klein Matterhorn 2
Zermatt • VS
LeitnerIm Bau
20186-SBK/B Mittlere Hütte-Brüggerhorn
Arosa (Lenzerheide-Arosa) • GR
Realisierung wahrscheinlich
201815-PB Küssnacht am Rigi-Seebodenalp
Küssnacht am Rigi • SZ
GaraventaRealisierung wahrscheinlich
20186-SBK/B Gischniga-Stein
Obersaxen • GR
GaraventaRealisierung wahrscheinlich
201825-PB Stalden-Staldenried
Stalden (Staldenried) • VS
SteurerRealisierung wahrscheinlich
201825-PB Staldenried-Gspon
Stalden (Staldenried) • VS
SteurerRealisierung wahrscheinlich
201810-KBK Chrüz-Maschgenkamm
Flumserberg • SG
BartholetRealisierung noch unsicher
201810-KBK Tannenboden-Chrüz
Flumserberg • SG
BartholetRealisierung noch unsicher
201810-KBK Grindelwald-Hohlenstein
Grindelwald (Grindelwald-Wengen) • BE
GaraventaRealisierung noch unsicher
201810-KBK Hohlenstein-Männlichen
Grindelwald (Grindelwald-Wengen) • BE
GaraventaRealisierung noch unsicher
201810-KBK Gstaad-Eggli
Gstaad (Eggli) • BE
BartholetRealisierung noch unsicher
20188-KBK Les Diablerets-Isenau
Les Diablerets (Isenau) • VD
GaraventaRealisierung noch unsicher
20184-SBK Choulet-Le Fer
Leysin (Berneuse) • VD
GaraventaRealisierung noch unsicher
20184-SBF Les Joux-Plan Francey
Moléson • FR
Realisierung noch unsicher
201810-KBK Morgins-Foilleuse
Morgins (Portes du Soleil) • VS
Realisierung noch unsicher
201810-KBK Saanenmöser-Kl. Saanenwald
Schönried (Horneggli) • BE
GaraventaRealisierung noch unsicher
201810-KBK Kl. Saanenwald-Saanerslochgrat
Schönried (Horneggli) • BE
GaraventaRealisierung noch unsicher
20182-SLE Ober Sennturm-Alststafelhorn
Unterbäch (Augstbordregion) • VS
GaraventaRealisierung noch unsicher
201810-KBK Verbier-Planards
Verbier (Les 4 Vallées) • VS
LeitnerRealisierung noch unsicher
20186-SBK / 10-KBK Planards-Savoleyres
Verbier (Les 4 Vallées) • VS
LeitnerRealisierung noch unsicher

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