Creissels
Denis Creissels gründet 1961 ein Ingenieurbüro, das in den folgenden Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten Generalunternehmer im Bau von Seilbahnen in ganz Frankreich heranwächst. Neben der Planung und Betreuung des Baus mehrerer Sesselbahnen in den Alpen zählen schon früh auch Spezialanfertigungen zum Portfolio von Creissels. So entsteht beispielsweise 1967 der Prototyp einer Unterwasserseilbahn in der Nähe von Marseille.
Creissels ist ausgesprochen innovativ und hinterfragt die bestehenden Konzepte der etablierten Hersteller immer wieder. Am deutlichsten wird das in der ersten Hälfte der 1980er Jahre mit der Erfindung des DMC. Skigebietsbetreiber klagen bei den zahlreichen Pendelbahnen aus den 1950er und 1960er Jahren immer wieder über die geringen Förderleistungen, die zu langen Wartezeiten führen. Die etablierten Einseilumlaufbahnen sind zwar deutlich kapazitätsstärker, können aber nicht jedes beliebige Terrain befahren. Creissels kommt als erster auf die Idee, die Vorteile beider Prinzipien zu kombinieren. Durch den Einsatz von zwei parallel geführten Förderseilen gelingt es mit dem DMC, grössere Spannfelder zwischen den Stützen zu realisieren, gleichzeitig aber die Förderleistung einer Einseilumlaufbahn zu erreichen.
1984 kann die Idee im Skigebiet Serre-Chevalier von Poma erstmalig in die Realität umgesetzt werden. Poma kann bei dieser prototypischen Anlage viele seiner Standardprodukte einsetzen, darunter die Spiralfederklemmen, die auch bei Einseilumlaufbahnen zum Einsatz kommen. In Saint-Gervais-les-Bains kann zur gleichen Zeit eine bestehende Pendelbahn unter Beibehaltung der Stützen in ein DMC umgebaut werden. Mit Agudio findet Creissels in Italien einen weiteren Lizenznehmer, auch die Firma Doppelmayr greift in Österreich auf das Prinzip in leicht abgewandelter Form zurück.
Die Weiterentwicklung des DMC-Systems führt Creissels schliesslich zum Funitel. Die Idee basiert auf dem gleichen Grundprinzip, allerdings wird der horizontale Abstand der beiden Förderseile deutlich vergrössert. Auf diese Weise fallen die Anlagen deutlich windstabiler aus. 1990 kann die erste solche Anlage mit Umlaufbetrieb in Val Thorens eröffnet werden, bei einer Anlage mit Pendelbetrieb greift Creissels die Idee schon fünf Jahre zuvor in Megève auf.
Auch im Bau grösserer Luftseilbahnen greifen die Betreiber häufig auf die Expertise von Creissels zurück. So entsteht unter anderem in den 1980er Jahren eine Ersatzanlage für die Pendelbahn auf den Pic Blanc in Alpe d’Huez, 1991 saniert Creissels die beiden Luftseilbahnen von Chamonix auf die Aiguille du Midi. 1995 verkauft Creissels sein Unternehmen und ist fortan als unabhängiger externer Berater im Seilbahnbau tätig.
Von Creissels mondernisierte stützenlose Luftseilbahn mit Pendelbetrieb zum Pic Blanc in Alpe d'Huez.
Patente im Zusammenhang mit Creissels
Creissels 1983 DMC EP0093680A1
Creissels 1986 Funitel EP0192504A1
Creissels 1990 Funitel EP0399919A1