Heckel

Gemeinsam mit seinem Bruder Georg Julius Heckel übernimmt Ernst Heckel um die Jahrhundertwende den familieneigenen Betrieb zur Herstellung von Seilen. Das Unternehmen ist zu diesem Zeitpunkt bereits seit Generationen im Eigentum der Familie Heckel und ein Wegbereiter der Umstellung von der konventionellen Seilfabrikation hin zur Produktion von Drahtseilen für den Steinkohlebergbau im Saarland und den Eisenerzabbau in Lothringen.

Zur Erweiterung seiner Geschäftstätigkeit gründet der gelernte Maschinenbauingenieur Ernst Heckel 1905 die gleichnamige Gesellschaft für Förderanlagen. Dabei konzentriert sich Heckel zunächst auf die Produktion von Transport- und Verladeanlagen, erweitert sein Angebot aber schnell auch auf Transporteinrichtungen mit Kettenförderern, Transportbänder und – aufgrund der Expertise in der Herstellung von Drahtseilen wenig verwunderlich – auf Seilbahnen. Anfänglich zielt auch die Konstruktion der Seilbahnen auf den industriellen Markt, mit der Oberweißbacher Bergbahn kann 1923 aber auch eine Standseilbahn für den öffentlichen Personentransport eingeweiht werden. Zur selben Zeit kann Heckel auch beeindruckende Materialseilbahnen dem Betrieb übergeben, darunter 1925 eine fast 30 Kilometer lange Anlage für den Transport von Salz im heutigen Somalia. Heckel kann sich damit neben den beiden grössten deutschen Konkurrenten Pohlig und Bleichert international etablieren.

Trotzdem muss Heckel das Unternehmen nach finanziellen Schwierigkeiten 1927 verkaufen. Mit der Felten & Guilleaume – Carlswerk AG findet sich ein Käufer, der unter anderem die Produktion der Seilbahnen weiter aufrechterhält. So gelingt der Firma Heckel unter neuem Eigentümer 1930 auch der Durchbruch auf dem Markt der Luftseilbahnen für Personentransporte. Nahe Freiburg im Breisgau entsteht mit der Schauinslandbahn die erste Grosskabinenumlaufbahn der Welt, wie sie seinerzeit betitelt wird. Die Idee kombiniert schon damals die bekannten Konzepte der Umlaufbahn, wie sie für Materialtransporte tausendfach weltweit anzutreffen ist, und der Pendelbahn, die zu jener Zeit zunehmend für Personentransporte im Gebirge eingesetzt wird. Technisch handelt es sich damals bei der Schauinslandbahn um eine Zweiseilumlaufbahn mit zwei Zugseilen und einem Tragseil je Fahrspur. Insgesamt zehn Kabinen kommen bei der Anlage zum Einsatz und werden wie bei den Materialseilbahnen in den Stationen von den umlaufenden Zugseilen gelöst. Auf diese Weise kann Heckel deutlich grössere Förderleistungen erreichen als beim System von Bleichert-Zuegg, das mit seinem Pendelbetrieb nur zwei Fahrzeuge erlaubt.


Die ursprünglich von Heckel konstruierte und von PWH modernisierte Schauinslandbahn bei Freiburg.

Die ursprünglich von Heckel konstruierte und von PWH modernisierte Schauinslandbahn bei Freiburg.

Die ursprünglich von Heckel konstruierte und von PWH modernisierte Schauinslandbahn bei Freiburg.


Die ursprünglich von Heckel konstruierte und von PWH modernisierte Schauinslandbahn bei Freiburg.

Die ursprünglich von Heckel konstruierte und von PWH modernisierte Schauinslandbahn bei Freiburg.

Die ursprünglich von Heckel konstruierte und von PWH modernisierte Schauinslandbahn bei Freiburg.

Der personalintensive Betrieb mit Stationsbediensteten und je einem Schaffner pro Kabine sorgt aber dafür, dass auch Heckel in der Folge auf das Pendelbahnprinzip zurückgreift. Mit der grenznahen Lage und dem Sonderstatus des Saargebiets in der Zwischenkriegszeit unterhält Heckel nach wie vor auch gute Geschäftsbeziehungen in das benachbarte Frankreich. So entstehen bis 1936 mehrere Standseilbahnen und Luftseilbahnen in Frankreich, darunter in Megève, Lourdes und Saint-Gervais.


Die ursprünglich von Heckel konstruierte Luftseilbahn Rochebrune in Megève ist die erste in Frankreich für den Alpinskisport.

Die ursprünglich von Heckel konstruierte Luftseilbahn Rochebrune in Megève ist die erste in Frankreich für den Alpinskisport.

Die ursprünglich von Heckel konstruierte Luftseilbahn Rochebrune in Megève ist die erste in Frankreich für den Alpinskisport.


Luftseilbahn mit Pendelbetrieb von Heckel aus den 1950er Jahren in Toulon.

Luftseilbahn mit Pendelbetrieb von Heckel aus den 1950er Jahren in Toulon.

Luftseilbahn mit Pendelbetrieb von Heckel aus den 1950er Jahren in Toulon.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg entstehen in Frankreich Luftseilbahnen von Heckel. Die beeindruckendste ist ohne Zweifel die Pendelbahn von Chamonix zur Aiguille du Midi, die 1955 nach den erfolglosen Versuchen drei Jahrzehnte zuvor schliesslich den Gipfel in knapp 3800 Metern über dem Meer erreicht. Sie ist zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung die höchstgelegene ihrer Art weltweit und mit zwei Sektionen, darunter einer stützenlosen zweiten Teilstrecke, ein technisches Denkmal.

Ebenfalls Mitte der 1950er Jahre erreicht Heckel aber noch einen weiteren Meilenstein des Seilbahnbaus. In der venezolanischen Hauptstadt Caracas erhält das Unternehmen den Auftrag zum Bau einer weiteren Grosskabinenumlaufbahn nach dem Vorbild der Schauinslandbahn. Anders als über zwei Jahrzehnte zuvor fällt die Anlage aber deutlich grösser aus und erstreckt sich über mehrere Teilstrecken. Sie dient einerseits als Erschliessung eines Hotelkomplexes im Ávila-Massiv, andererseits aber auch als Verbindung zwischen Caracas und dem karibischen Meer auf der anderen Seite eines Bergrückens. Überreste der 1988 endgültig stillgelegten Anlage finden sich noch heute.

Weil die Grosskabinenumlaufbahnen mit ihren gewaltigen Ausmassen für die meisten Einsatzzwecke jedoch völlig überdimensioniert sind, erweitert Heckel sein Angebot zu jener Zeit auch auf die deutlich günstigeren Einseilumlaufbahnen. Für dieses Prinzip entstehen in den 1940er und 1950er Jahren zahlreiche verschiedene Klemmensysteme, insbesondere in der Schweiz und in Frankreich. Heckel greift in Lizenz aber auf das System des italienischen Seilbahnpioniers Carlevaro zurück. Die Federklemme mit ihrem charakteristischen Öffnungshebel ist noch heute bei einer 1960 eröffneten Parkseilbahn im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken im Einsatz.


Parkseilbahn von Heckel im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken mit Klemmen von Carlevaro.

Parkseilbahn von Heckel im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken mit Klemmen von Carlevaro.

Parkseilbahn von Heckel im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken mit Klemmen von Carlevaro.

1962 beginnen unter dem Namen Heckel auch die Bauarbeiten zu einer weiteren beeindruckenden Pendelbahn, der Eibsee-Seilbahn zur Zugspitze. Mit über vier Kilometern Länge und einer Höhendifferenz von knapp 2000 Metern zwischen Tal- und Bergstation hält sie während Jahrzehnten zahlreiche Rekorde. Fertiggestellt wird die Anlage im Jahr darauf aber bereits von der Firma PHB. Neben Heckel ist die Felten & Guilleaume – Carlswerk AG auch Eigentümer der einstigen unabhängigen Seilbahnpioniere Pohlig und Bleichert und vereint deren Geschäftstätigkeit 1963 in dem neuen Unternehmen Pohlig-Heckel-Bleichert Vereinigte Maschinenfabriken AG, kurz PHB. Mit Standorten in Köln und Rohrbach bei Saarbrücken ist das Unternehmen während Jahrzehnten der grösste deutsche Seilbahnhersteller. Technik von Heckel findet daraufhin insbesondere bei Pendelbahnen weiterhin Einsatz.


Die Eibsee-Seilbahn zur Zugspitze in Garmisch-Partenkirchen wird von Heckel konstruiert und nach der Fusion zu PHB fertiggestellt.

Die Eibsee-Seilbahn zur Zugspitze in Garmisch-Partenkirchen wird von Heckel konstruiert und nach der Fusion zu PHB fertiggestellt.

Die Eibsee-Seilbahn zur Zugspitze in Garmisch-Partenkirchen wird von Heckel konstruiert und nach der Fusion zu PHB fertiggestellt.

Patente im Zusammenhang mit Heckel

Heckel 1925 Kuppelvorrichtung DE425993C
Heckel 1926 Fangbremse DE465110C
Heckel 1927 Fangbremse CH126325A
Heckel 1927 Laufwerk CH126946A
Heckel 1927 Laufwerk CH131485A
Heckel 1927 Laufwerk DE464290C
Heckel 1928 Laufwerk CH131485A
Heckel 1929 Umlaufbahn AT117540B
Heckel 1929 Umlaufbahn DE476323C
Heckel 1930 Optimierung Kuppelvorgang DE512392C
Heckel 1930 Pendelbahn DE545098C
Heckel 1931 Pendelbahn CH159289A
Heckel 1952 Bergebahn CH309084A
Heckel 1957 Umlaufbahn CH320180A

Seilbahnen von Heckel in Deutschland und der Schweiz