Swoboda & SSG
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gründet Josef Swoboda die Traunsteinwerkstätten im oberösterreichischen Oberweis. Das Unternehmen ist zunächst exklusiv im Karosseriebau tätig und erweitert das Geschäft in diesem Rahmen ab den 1950er Jahren auch auf die Produktion von Seilbahnkabinen. Swoboda ist in der Folge ein häufiger Lieferant für die grossen Stahlbauer, insbesondere, wenn es um Pendelbahnkabinen geht. Zur gleichen Zeit steigt das Unternehmen aber auch in den Bau kleinerer Schlepplifte ein. Im Zuge des aufstrebenden Wintertourismus’ entwickelt sich dieses Feld zu einem lukrativen, aber ebenso hart umkämpften Absatzmarkt.
Ende des Jahrzehnts beginnt Swoboda auch mit der Konstruktion der in Österreich weit verbreiteten fix geklemmten Einersesselbahnen. Ab Mitte der 1960er Jahre erweitert das Unternehmen die Sesselkapazität wie viele seiner Konkurrenten auf zwei Plätze. Bis in die 1980er Jahre hinein kann sich Swoboda mit seiner unveränderten Produktpalette als einer der grössten Hersteller Österreichs etablieren.
Zu Beginn der 80er Jahre erkennt Swoboda aber auch das ungeheure Potenzial, das kuppelbare Anlagen bieten. Höhere Geschwindigkeiten, höhere Förderleistungen und geringere Fahrzeiten sorgen dafür, dass die Technologie schnell immer mehr Abnehmer findet. Eine reine Konzentration auf fix geklemmte Anlagen scheint für die Hersteller daher nicht mehr wirtschaftlich. Und so klopft Swoboda genau wie seine beiden grössten nationalen Konkurrenten Doppelmayr und Girak bei einem Schweizer Hersteller an, um eine Lizenz für ein bestehendes Kuppelsystem zu erwerben. Die Maschinenfabrik Städeli, besser bekannt unter ihrem Kürzel WSO, liefert daraufhin die Expertise in Form ihrer eigens entwickelten Klemme.
1984 kann Swoboda eine der beiden ersten kuppelbaren Vierersesselbahnen in Österreich dem Betrieb übergeben. Die Kasbergbahn in Grünau ist daraufhin während über zwei Jahrzehnten im Einsatz, bevor sie nach Südamerika verkauft wird, wo sie bis heute Gäste transportiert. Nur ein Jahr nach dem Erstlingswerk kann Swoboda gleich zwei grosse Kabinenbahnen nach dem System Städeli eröffnen. In Hinterstoder und in Wagrain am Grafenberg kommt eine Doppelversion der Klemme zum Einsatz, womit Swoboda dem Lizenzgeber sogar zuvorkommt. Städeli kann die Doppelklemme erst ein Jahr später erstmalig unter eigenem Namen einsetzen.
Kuppelbare Kabinenbahn von Swoboda nach dem System Städeli mit sechsplätzigen Kabinen aus den 1980er Jahren in Wagrain.
Kuppelbare Kabinenbahn von Swoboda nach dem System Städeli mit sechsplätzigen Kabinen aus den 1980er Jahren in Wagrain.
Für die Vermarktung und Planung der kuppelbaren Bahnen gründet Swoboda eine eigenständige Gesellschaft, die Swoboda Seilbahnbau GmbH, kurz SSG, die auch die Kooperation mit Städeli vollzieht. Die Produktion der Anlagen erfolgt dagegen zunächst durch Swoboda selbst. Eine Kombination, die jedoch nicht allzu lange Bestand hat, denn schon 1986 kann Swoboda eine Insolvenz nicht mehr abwenden. SSG übernimmt die Produktion der Teile daraufhin an einem neuen Standort in Regau selbst und kann bis in die 1990er Jahre hinein noch mehrere weitere kuppelbare Anlagen konstruieren. In diesem Zusammenhang kommt 1990 bei der Panoramabahn in Großarl auch eine Weiterentwicklung der Städeli-Klemme zum Einsatz.
Von SSG konstruierte kuppelbare Kabinenbahn in Grossarl nach dem System Städeli aus den 1990er Jahren.
Die Expertise von Städeli schlägt sich bei SSG auch in den fix geklemmten Anlagen nieder. So realisiert das Unternehmen in Österreich zu Beginn der 1990er Jahre mehrere Gruppenumlaufbahnen nach Vorbild des Schweizer Herstellers. Als Städeli 1991 von Garaventa übernommen wird, wird die Produktion der Seilbahnen mit Städeli-Technik eingestellt. Nachdem Garaventa fünf Jahre später auch die Mehrheitsanteile am österreichischen Traditionsunternehmen Girak erwirbt, konzentriert sich die Konstruktion der Seilbahnen im ehemaligen Girak-Werk in Korneuburg, während Regau für die Produktion von Sesseln zuständig ist. Nach der Fusion von Garaventa und Doppelmayr im Jahr 2002 geht auch diese Zweigstelle im fortan weltgrössten Seilbahnkonzern auf. Der Geschäftsbereich des Karosseriebaus für Seilbahnkabinen existiert dagegen bis heute, seit 2005 unter dem Namen Carvatech.