Weissenstein | 7. August 2008 | Mythos 101

Sommerberichte aus dem Juragebirge und den Kantonen Wallis, Waadt und Freiburg.
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Dani
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Weissenstein | 7. August 2008 | Mythos 101

Beitrag von Dani » Sa, 09.08.2008, 00:07

Weissenstein | 7. August 2008 | Mythos 101

Seit dem das Schicksal des Sessellifts am Oeschinensee besiegelt ist, hat sich der Gedankengang des technisch-historisch interessierten Seilbahnfans auf ein Minimum vereinfach. Wer VR101 denkt, denkt Weissenstein, wer Weissenstein denkt, denkt VR101. Denn diesen Herbst ist es so weit. Mit der Sesselbahn in Oeschinensee verschwindet die letzte Sesselbahn Typ VR101 der Alpen. Ab diesem Zeitpunkt wird die Bahn auf den Weissenstein, dem Hausberg von Solothurns, die letzte Sesselbahn dieser Bauweise in der Schweiz, ja sogar ganz Westeuropas sein.
Doch auch die Existenz dieses über zwei Sektionen führenden Unikats ist akut bedroht. Nächstes Jahr läuft die Konzession für die Bahn ab und die Betreibergesellschaft möchte auf der gleichen Trasse eine neue 6er Gondelbahn realisieren. Eine Renovation der einzigartigen Anlage wurde verworfen, da damit kein wirtschaftlicher Betrieb garantiert werden könne. Eine totale Überarbeitung der Anlage würde über 7 Millionen kosten. Obwohl das Bahnsystem nicht mehr den heutigen Vorschriften entspricht, wäre eine Verlängerung der Konzession möglich. Allerdings würde diese nur über die sehr kurze Zeitspanne von 5 Jahren vergeben, was eine Kalkulation der zukünftigen Einnahmen und somit die Rechfertigung des Renovationsaufwandes sehr schwierig macht. Des weiteren wird bemängelt, dass praktisch alle Ersatzteile Einzelanfertigungen und damit sehr teuer seien.
Trotz diesen Nachteilen wurde dieses Jahr ein Verein gegründet, welcher sich für den Erhalt dieser historischen Anlage einsetzt. Diese Gruppe von Gleichgesinnten, welche unter dem Namen „Verein Pro Sesseli“ autritt, hat sich zum Ziel gemacht, den Weissenstein in der heutigen Form zu erhalten. Dazu gehört neben dem Erhalt des Sessellifts auch das Verhindern des Baus einer Rodel- und Tubingbahn auf dem Weissenstein, die für einen rentablen Betrieb der neuen Gondelbahn nötig wären. Das man im Falle einer Renovation der Sesselbahn nicht die gesamte finanzielle Last auf die Betreibergesellschaft abwälzen kann, versteht sich von selbst. Deshalb hat man sich auf die Suche nach Geldgebern gemacht - und wurde fündig. So konnte der Verein den Miliardär und dritt reichsten Schweizer (!) Hansjörd Wyss für seine Sache gewinnen.
Trotzdem scheint sich die Betreibergesellschaft auf einen Neubau verbissen zu haben und scheint nicht kompromissbereit. Wie sich das ganze entwickeln wird ist noch nicht absehbar, aber es darf befürchtet werden, dass für eine Rettung trotz genügend finanziellen Mittel am Ende die Zeit nicht reichen wird.

Somit ist die Geschichte auch an dem Punkt angelangt, weshalb ich dem Weissenstein einen Besuch abgestattet habe. Als Luzerner befinden sich meine Ausflugsziele schon fast traditionellerweise in den Alpen. So war ich noch nie richtig im Nordwesten der Schweiz, geschweige den auf dem Weissenstein. Trotzdem ist mir die Existenz der dortigen Sesselbahn schon seit Jahren bekannt. Seit ich mich richtig für Seilbahnen zu interessieren begonnen habe, stand die Anlage auf meiner „to do“ - Liste. Bis jetzt hatte es aber nie geklappt, doch nachdem ich von der Anlage in Kandersteg total begeistert war, musste dieser Besuch endlich vollzogen werden. Als ich am Morgen gestern aufstand und die Sonne schien entschloss ich mich spontan, an diesem Tag den lange schon geplanten Ausflug zu machen. Mit einem klapperigen Regionalzug ging es zuerst nach Olten, von wo aus wir äusserst komfortabel und schnell mit einem Intercity Neigezug Solothurn fuhren. Dort wiedrum ging es nochmals einige Stationen mit einem modernen Stalder GTW-Zug der BLS bis nach Oberdorf, wo unmittelbar neben dem Bahnhof die Talstation der Weissensteinsesselbahn steht. Nachdem wir uns über die äusserst günstigen Tickets gewundert hatten (Weissenstein retour mit Halbtax nur 10.50 CHF), gings mit der Sesselbahn hoch auf den Weissenstein. Vielleicht lag es am Wetter, dass in Solothurn ganz und gar nicht so gut war wie in Luzern, doch der erste Eindruck war doch sehr enttäuschend. Die Anlage machte mir einen schlechter gepflegten Eindruck als das Pendant in Kandersteg und irgendwie spürte ich trotz der schönen, alten Anlage mit nichten diese nostalgische Atmosphäre, die mir von meinen Besuchen im Berner Oberland bekannt war. Irgendwie fehlte mir das wunderbare, Hochalpine flair das in Kandersteg herrscht. Die Anlage ist zwar technisch-historisch höchst interessant, doch die dicht bewaldete, üppige, hügelhafte Landschaft entspricht einer Geländebeschaffenheit, mit der ich als Fan von kargem Gelände (am besten total flach oder stark alpin + ja nicht zuviel grün...) überhaupt nichts anfangen kann. Auch den Weissensteingipfel fand ich sehr enttäuschend, denn die Bergstation steht weder ganz oben auf der Kuppe noch hat der Berg (eher Hügel) irgendeine markante Spitze. Ebenfalls einen sehr negativen Einfluss auf die Atmosphäre hatte der Umstand, dass der Gipfel auch durch eine breite, asphaltierte und öffentlich zugängliche Strasse erreichbar ist und somit die Bahn eigentlich redundant macht. Die Bahn an sich ist aber höchst spannend, vor allem auch dank der Mittelstation. Falls hier einmal eine neue Bahn stehen wird, werde ich den Berg wohl nicht mehr besuchen, ausser ich befände mich per Zufall gerade in der Gegend. Dafür ist die ganze Umgebung einfach zu langweilig wenn man die Alpen vor der Haustüre hat. Der alten Bahn möchte ich jedoch im Winter nochmals einen Besuch abstatten, und zwar bei perfektem Wetter. Ich denke dann dürfte die Atmosphäre auf dem Berg eine ganz andere sein. Der Schnee und vor allem auch die dann gesperrte Strasse dürften das Erscheinungsbild dieses Ortes doch stark ändern. Interessant wäre so ein Trip auch mit einem kombinierten Skitag am Balmberg...

Man kann zwar hoffen dass die alte Bahn erhalten bleibt, doch ich habe so meine Zweifel. Bei den Bergbahnen hat man sich in eine Art Hass auf die alte Bahn hineingesteigert. Während man seinerzeit in Emmetten viele wehmütige Stimmen hörte, die meinten, es sei doch ein Jammer, dass man wegen einer stupiden Gesetzgebung eine Bahn abreissen müsse, die in einem anderen Land gut und gern nochmals 40 Jahre laufen würde. Dort hing man regelrecht an der alten Bahn, während man hier am Weissenstein anscheinend alles dafür tut um das Ding loszuwerden. Als ich bei der Ankunft in der Talstation noch ein paar Bilder machte wurde ich als Begrüssung zuerst einmal angeschnauzt, ich könne die Bahn doch gleich einpacken und in meinen Garten stellen, sie würden sie nicht mehr wollen. Als ich erwiederte, die Anlage sei doch eine wunderbare nostalgische Konstruktion, kriegte ich die einfache Antwort „Nä-ä“ (nein). Nach einem kürzeren Wortwechsel vertrugen wir uns dann doch noch, aber ein bisschen komisch fand ich das ganze schon. Ich habe das Gefühl, dass bei den Bergbahnen die Einstellung herrscht „entweder kommt die neue Bahn oder das war’s mit einer Seilbahn auf den Weissenstein“. Dadurch werden dann natürlich auch die Reaktionen des Personals verständlich. Denn jeder der gegen die Gondelbahn ist führt dann indirekt dazu, dass die Angestellten in einem Jahr auf der Strasse stehen. Ich denke das dürfte die Hauptangst bei den „Bähnlern“ sein. Nun, was immer auch kommen möge, ich hoffe schwer das man die alte Bahn erhalten kann. Und wenn nicht, dann baut wenigsten so eine Bahn wie in Braunwald und nicht so eine sau langweilige 0815 6er Gondelbahn. Ausnahmsweise hat dieses Bahnprojekt übrigens sogar mal äusserst anständige Stationen im Programm… Für meinen Geschmack hätte man eh die Bahn in Oeschinensee erhalten sollen, die hätte nämlich im Sinne des Nostalgieerlebnisses viel mehr hergeben.

So, und jetzt mach ich mal einen Punkt. Für alle die bis hier gescrollt haben, jetzt kommen die Bilder! ;)

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^^ Talstation der Bahn anno 1950.

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^^ Das Bild ist zwar keine besonders schöne Photographie, aber es zeigt schön wie die Bahn und die Talstation zueinander stehen.

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^^ Im inneren der Talstation.

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^^ Die berühmte (Portal-) Stütze Nr. 1, welche sich über den Geleisen der Eisenbahn befindet.

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^^ Stütze Nummer 2 und 3

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^^ Üppiges Grün und Strasse: entspricht so ganz und gar nicht meinem Geschmak vom Bergerlebnis.

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^^ Dreifachstütze

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^^ Die dritte Strassenkreuzung - dahinter erkennt man die Mittelstation.

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^^ Kurz vor der Einfahrt in die Mittelstation.

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^^ Mittelstation: Blick auf die Stationsausstattung der 1. Sektion.

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^^ Ready to depart - Auffahrt auf die zweite Sektion, welche vollkommen unabhänig von der ersten betrieben werden kann.

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^^ Stütze 25: Auch hier verläuft die Anlage durch dichte Vegetation.

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^^ Das waldlose Feld vor der Bergstation.

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^^ Die Bergstation ist unscheinbar an den Hang gepresst...

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^^ Bergstation Weissenstein auf 1280 m.ü.M. wie man lesen kann...

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^^ Bergstation in Holzbauweise

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^^ Nicht viel Betrieb heute, der Sessel verschindet auf dem Abstellgeleise.

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^^ Ah endlich mal alles hell, sowas wolle mir mit der Kompaktkamera nie gelingen...! :(

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^^ Ein weiterer Sessel erreicht die Bergstation...

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^^ Und hier ist sie: die wohl legendärste Klemme aller Zeiten!

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^^ Ein Sessel auf der Talfahrt. Bei Wetter wie heute gibt es Militärregenmäntel. Die Dinger tragen wohl kaum aus Symphatie zum Militär die Tarnfarben, vielmehr dürften die von Vater Staat quersubventionierten Mäntel wohl das günstigste Produkt dieser Art sein, das zu kriegen war.

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^^ Blick auf die talfahrenden Sessel, im Hintergrund die Aare.

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^^ Das "Plateau" auf dem Weissenstein: Hügel, Wald, Wiesen & Regen *schauder*

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^^ Hier stand bis irgenwann zur Jahrtausendwende ein Skilift der Firma Borer. Der Lift wurde 1969 erstellt und trug den Namen "Kleien Röti". Heute erinnert nur noch die leichte Trasserung sowie das Fundament der Talstation mit Überresten des Wärterhauses an den früheren Skibetrieb. Der Lift war sehr kurz und trotzdem nicht all zu flach, was wohl auch ein Nischendasein als Übungslift vereitelte. Und etwas anderes kann hier oben nicht überleben...

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^^ Die Bergstation - die letzte Dachreinigung hat mal wohl auch bei der Renovation 1991 vorgenommen... :roll:

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^^ Auch die Tickets sind wie anno dazumal.

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^^ Und ab gehts wieder Richtung Tal.

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^^ Die Bahn sieht schwarz...

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^^ Kurz vor der Mittelstation

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^^ Antrieb Sektion 2

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^^ DIE klassische Ansicht der Weissensteinbahn!

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^^ Rauf und runter...

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^^ Talfahrt auf der 1. Sektion, im Hintergrund das Schweizer Mittelland. Flaaaach....

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^^ Stahl auf Stahl, das Lob ich mir! :D

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^^ In Reih und Glied...

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^^ Klemmapparate in der Garage

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^^ Ich liebe dieses Objektiv :wink:

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^^ "Ladies and gentlemen, the doors are closed!"

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^^ Aus die Maus: Morgen wieder!

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^^ Verriegelt und verschlossen....

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^^ Stütze 1 mit dem Zug, der uns zurück Richtung Solothurn bringt.

Damit in ich am Ende meiner Reportage vom Weissenstein angelangt, ich hoffe der Bericht hat euch gefallen. Diese sowie einige weitere, ergänzende Bilder gibt es auf meiner Webseite unter diesem Link: http://seilbahnbilder.ch/berichte/weiss ... 07-08-2008

Viel Spass!


PS: Hier noch ein paar empfohlene Internetseiten:

- http://www.prosesseli.ch
- http://www.seilbahnweissenstein.ch
Bilder von Seilbahnen und Skiliften: www.seilbahnbilder.ch

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Re: Weissenstein | 7. August 2008 | Mythos 101

Beitrag von Viderjoch » Sa, 09.08.2008, 08:44

Danke für den interessanten Bericht, auch das geschriebene "Roman" :wink: oben ist sehr ausführlich und interessant geschrieben. Obwohl, wie sicher nicht anderst erwartet, ;-) unterstütze ich den Bahnmitarbeiter der dich angeschnautzt hat ;-) Aber man bedenke wenn man für 5 Jahre 7 Mio. reinstecken müsste, ists chon eine sehr sehr teure Sache. Man hat dann immer noch die alte Bahn mit vielleicht neuer Steuerung, neues Seil und neue Rollenbatrien... Mit 7 Mio gibts vielleicht nicht grad die neue 6EUB aber ein sehr grosser Teil davon sicher und man hat eine moderne, für den Fahrgast vorallem auch bei Schlechtwetter komfortablere und bequemere Transportanlage.

Frage: Willst du diesen Bericht nicht in die Seilbahnreportagen verschiebene? Denke er währe dort besser aufgehoben schon nur wegen den vielen interessanten Technikfotos.

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Felix
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Re: Weissenstein | 7. August 2008 | Mythos 101

Beitrag von Felix » Sa, 09.08.2008, 09:12

Erst mal vielen Dank für die ausführliche Dokumentation der derzeitigen Lage!

Ich sehe das ähnlich wie du, dass es am Weissenstein in irgendeiner Form eine besondere und nicht alltägliche Anlage geben muss, damit dieser Berg weiterhin überleben kann. Das scheint die Betreibergesellschaft in sofern auch zu meinen, als dass soweit ich inforamtiert bin, neben der Gondelbahn auch einige weitere Attraktionen gebaut werden sollen, um die Leute nicht ausschliesslich zum Wandern oder zum Geniessen der Aussicht anzuziehen. Dennoch wird meiner Meinung nach mit der Sesselbahn eine Attraktion verloren gehen, die durch keine andere in irgendeiner Form ersetzt werden kann. Das sage ich nicht, weil auch mir der Erhalt der Bahn sehr am Herzen liegt, sondern auch deshalb, weil auch Leute ohne Interesse an der Technik die Bahn in Erinnerung behalten. Nur ein Beispiel: Man muss die Leute nur nach dem Weissenstein fragen, und schon bekommt man zur Antwort, dass sich dort doch diese Nostalgiesesselbahn mit den "merkwürigen" Sesseln befindet. Zum Vergleich, wie viele Leute wissen etwas über Reigoldswil, die prinzipiell das gleiche Konzept verfolgen. Da wird man so schnell niemanden finden, der sich jetzt in besonderer Weise an die dortige 08-15 Gondelbahn erinnert. Klar kommen dort noch verschiedene andere Faktoren dazu, denn der Weissenstein geistert momentan durch jede Zeitung und in Reigoldswil stand ja auch eine Müllergondelbahn, die im Gegensatz zur VR101 auf den ersten Blick keine Besonderheit aufweist. Ich werde den Berg sicher nicht mehr besuchen, wenn die Bahn nicht mehr steht, höchstens noch um ein paar Fotos der neuen Bahn zu schiessen, aber sicher nicht, um ein besonderes Fahrterlebnis zu haben.

Was die Landschaft dort angeht: Natürlich ist es etwas komplett anderes als die Alpen. Im Juragebirge kann man nun mal keine schroffen Berggipfel erwarten, denn es handelt sich um ein Gebirge mit Mittelgebirgscharakter. Persönlich muss ich jedoch sagen, dass mir auch diese Art von Gebirgen sehr gut gefällt und ich auch der Meinung bin, dass sich die VR101 dort gut macht. Vielleicht ist dieser Eindruck aber auch einfach sehr mit dem Wetter verknüpft. Ich hatte am Weissenstein auch noch nie Wetterglück. Bei strahlendem Sonnenschein sind die grünen Wiesen und Wälder sicher auch schön anzusehen. Die Strasse macht das Ganze natürlich etwas kaputt, da gebe ich dir Recht. Ich denke im Übrigen auch, dass bei einer neuen Bahn viel mehr Leute die Strasse benützen werden, denn wer fährt schon bei heissen Temperaturen gerne in einer stickigen Gondel, wenn man auch per Auto dort hochkommt. Bei der Sesselbahn kann man ohne Probleme den Fahrtwind zur Kühlung nehmen. Viele werden wohl nicht zwangsläufig wegen der VR101 kommen, aber sie fahren mit der Bahn aufgrund ihrer Eigentümlichkeit sicher lieber den Berg hoch als mit dem Auto. So ist die Bahn gewiss ein kluger Schachzug. Bei der neuen Bahn sieht jeder sofort, dass es sich dabei um nichts Besonderes handelt - dann kann man auch noch ein paar Kilometer weiter mit dem Auto fahren.

Die Reaktionen des Personals sind natürlich verständlich, ginge mir genauso, wenn ich nicht wüsste wie es mit meinem Arbeitsplatz aussieht. Das war 2005 auch noch ganz anders, als ich das erste Mal am Weissenstein war. Da durfte ich noch ungestört alles so lange fotografieren wie ich wollte, sprach mit den Angestellten über die Bahn usw. 2008 bekam man nur noch ein "Grüessech" zugenuschelt und dann gebeten, in den Sessel einzusteigen. Das war in Kandersteg schon etwas anders, denn z. B. in der Bergstation unterhielt ich mich etwas mit dem Angestellten, der sich freute, dass noch jemand die Bahn fotografierte. Er war auch der Meinung, dass es einfach nur schade sei, dass man solch eine Bahn ersetzen würde - aber dieser Mann hat zumindest noch Zukunftsaussichten am Oeschinensee. Wobei ich sagen muss, dass die Bahn in Kandersteg durch die Modernisierung ein klassiches Merkmal der VR101 verloren hat, nämlich das berühmte "Klack-klack-klack-klack" wenn es über die Stütze geht - ist natürlich logisch, wenn Stahl auf Stahl kommt. In Kandersteg macht die Bahn eben relativ normale Geräusche bei einer Stützenüberfahrt.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Wollen wir hoffen, dass die Bahn noch irgendwie gerettet werden kann!

(oh, schon wieder ein Roman ;))
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Re: Weissenstein | 7. August 2008 | Mythos 101

Beitrag von TPD » Sa, 09.08.2008, 09:14

^^ Stütze 1 mit dem Zug, der uns zurück Richtung Solothurn bringt.
Irgendwie passt der GTW nicht so ganz zur VR101. Darum ist es sicher richtig, dass da eine UNI-G gebaut wird ;)

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Dani
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Re: Weissenstein | 7. August 2008 | Mythos 101

Beitrag von Dani » Sa, 09.08.2008, 12:43

Vielen Dank für eure Antworten!

@ Daniele: Du musst der Berg sehen, da braucht es mehr als so eine EUB im Stil der Stockhütte (obwohl, die Bahn dort dürfte wohl das aller, aller günstigste sein was man heute als Seilbahn überhaupt kriegen kann -> zu 100% Kompaktstationen, kein LWI etc...). Da brauchts was besonderes und meiner Meinung nach wäre hier eine Kombibahn wie in Braunwald das einzig richtige, wenn die Bahn dann schon ersetzt werden soll. Wie wärs mit Seitwärts 4er Sessel :lol:

@ Felix: Merci für deine spannende Erörterung der Sachlage. Was die Landschaft angeht: komischerweise mag ich z.B. das Gebiet um Sattel-Rothenthurm, das Entlebuch oder das Appenzell sehr gut, obwohl das auch so eine Wald-Wiesen-Hügel-Landschaft ist. Aber mit dem Unterschied zum Weissenstein haben die Erhebungen dort trotzdem Gipfel und hin und da erhebt sich dann doch ein rechter Berg (z.B. der Säntis).

@ TPD: Ja das stimmt, wobei der GTW wenigstens noch Made in Switzerland ist wenn mich nicht alles täuscht... :wink:
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