Riederalp 15.8. - 21.8.19

Sommerberichte aus dem Juragebirge und den Kantonen Wallis, Waadt und Freiburg.
Antworten
Benutzeravatar
DUS
Marzilibahn
Beiträge: 3
Registriert: Fr, 07.06.2019, 17:18

Riederalp 15.8. - 21.8.19

Beitrag von DUS » Fr, 30.08.2019, 17:01

Tag 1: Anreise

Mit dem Zug geht es über Brig nach Mörel. Dort beginnen zwei Seilbahnen: Eine 80er-Pendelbahn, gebaut 1975 von Habegger, und eine 6er-Gondelbahn von Garaventa, deren obere Sektion 1987 gebaut wurde, die untere folgte erst 1996. Beide Bahnen dienen als einzige Zugänge zur Riederalp, erschließen aber auch je einen anderen Ort. Bei der Pendelbahn ist es Greich, wo ein Zwischenausstieg auf einer Stütze existiert; bei der Gondelbahn ist es Ried-Mörel, wo die Mittelstation liegt. Die beiden Bahnen haben eine gemeinsame Talstation unweit des Bahnhofs Mörel. Für die Kabine der Pendelbahn hat man bei CWA noch mal die ganz alten Pläne aus den Schubladen gekramt. Sie sieht aus wie die alte Kabine von 1975 (Typ Nova), wurde aber erst vor ca. 10 Jahren hier aufgehängt. Eine der alten Kabinen steht übrigens neben der Bergstation der Moosfluhbahn und dienen dort als Buvette.
Wir wählen die Pendelbahn nach Riederalp-Mitte, um zu unserer Ferienwohnung zu kommen. Bald geht die Fahrt über die sechs Stützen wegen des Windes ziemlich langsam los. Genau in der Mitte liegt Stütze vier, die einzige Betonstütze, auf der ein Zwischenausstieg ins Dorf Greich möglich ist. Greich ist eigentlich ein uriges Dorf, wird durch die Stütze am Dorfrand aber ziemlich versaut. Niemand steigt aus oder ein, es geht also einfach weiter über die restlichen zwei Stützen in die Bergstation. Auf dem Weg von der Bergstation zur Unterkunft kommen wir noch am Doppelschlepplift Alpenrose von Städeli vorbei. Er wurde 1985 gebaut. Wenn auch in den Stationen keine Übereinstimmung herrscht, so erinnern mich die Rundrohrstützen an Funitelmasten.
Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild

Nach der Ankunft folgt noch ein kurzer Spaziergang zu den Liften in unmittelbarer Umgebung: Der Moosfluhbahn und den Schleppliften Golmenegg und Salzgäb.
Die 2015 von Garaventa gebaute Moosfluhbahn ist eigentlich eine Kombibahn mit 6er-Sesseln und 8er-Gondeln, wird im Sommer aber nur mit Gondeln betrieben. Alle Stationen sind Uni-G-Visions. Irgendwo in der Landschaft sind die ja ganz schön, aber mitten im Ort so eine Standardstation, das finde ich hässlich. Direkt daneben liegt die Talstation des Tellerliftes Salzgäb von Doppelmayr. Nach der Moosfluhbahn stellt er mit Baujahr 2013 die zweitneueste Investition auf der Riederalp dar. Die Trasse des Liftes ist mit vier Masten ziemlich kurz, kreuzt aber die Moosfluhbahn. Etwas weiter oben liegt in einem Gebäude die Talstation des Schlepplifts Golmenegg von Städeli. Er führt über mehr als acht Fachwerkportalstützen (die restlichen konnte man nicht sehen) bis zur Gopplerlücke und bedient im Winter eine blaue Piste. In der Talstation befindet sich der Antrieb, außerdem werden hier die Gehänge gelagert.
Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild

Tag 2: Moosfluh

Am ersten richtigen Tag geht es zu Fuß zur Moosfluh, zurück fahren wir ab der Mittelstation Gondelbahn.
Der Weg führt entlang des Skilifts Golmenegg und der ersten Sektion Gondelbahn, bis wir an der Gopplerlücke ankamen. Von dort aus gehen wir weiter einen Speichersee, an dem sich die Mittelstation mitsamt Garagierung der Doppelmayr-4er-Sesselbahn Bettmeralp - Blausee befindet. Weiter geht es zur Bergstation dieser Bahn und gleichzeitig der Mittelstation der Moosfluhbahn, dem Blausee. Man hat hier beide Generationen Uni-G nebeneinander, vor allem aber hat man einen schönen Blick auf die Weissmiesgruppe, die Mischabelgruppe, das Weisshorn und das Matterhorn. Doch auch die Mittelstation der Moosfluhbahn ist nichts stinknormales: Sie kann um zwei Grad geknickt werden. Das ist nötig, weil durch den Rückgang des Aletschgletschers die Belastung von der Moosfluh fällt und diese so nach Nordwesten abrutscht. Eine kurze Pause und es ging weiter. Bald kamen wir auf den Gratwanderweg an und schließlich auch auf dem Gipfel. Bekanntermaßen hat man einen schönen Blick auf den Aletschgletscher und das Fusshorn dahinter. „Es lohnt sich, hier möglichst schnell nochmal hinzukommen.“ Diesen Satz liest man so in vielen Berichten im Zusammenhang mit bald wegfallenden Bahnen. Ersatzplanungen von der Riederalp sind mir nicht bekannt, vielmehr verschwindet der Gletscher weiter und weiter! Das ist dann die Bestrafung dafür, dass man zu viel Auto fährt und beim Zähneputzen das Wasser nicht abstellt… :wink:
Bild Bild Bild Bild Bild


Blausee:
Bild Bild Bild Bild Bild Bild

Moosfluh:
Bild Bild Bild Bild

Nach einer Pause geht es zu Fuß über Biel zurück zum Blausee. Vom Weg aus sieht man gut die spektakuläre Trasse der Gondelbahn zum Bettmerhorn. Am Blausee steigen wir dann endlich in eine der CWA-Omegas der Moosfluhbahn und fahren ins Tal.
Bild Bild

Gondelbahn:
Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild

Tag 3: Massaschlucht

Der dritte Tag beginnt mit der Gondelbahnfahrt von der Riederalp hinunter nach Ried-Mörel. Von dort aus geht es erst durch die Massaschlucht, dann steil bergauf zur Riederfurka und flach bergab wieder zur Riederalp.
Genauso wie die Bergstation der Pendelbahn ist auch die der Gondelbahn in in einem hässlichen Zweckbau untergebracht. In der Bergstation gibt es zwei Abstellgleise, außerdem wird das Seil hier in den Spannschacht geleitet. Die Gondeln sind Omegas von CWA für sechs Personen. Direkt nach der Stationsausfahrt folgt sofort eine Dreifachstütze. Die spektakuläre Trasse führt über hohe Fachwerkstützen und Talsenschnitte steil den Berg hinab. Zwischendurch ist die Trasse immer wieder etwas sanfter und führt flach über kleine Alpwiesen. Dort stehen interessante Stützen, deren Funktion ich nicht kenne. Nach einer zu kurzen Fahrt kommen wir in der Mittelstation Ried-Mörel an. Hier herrscht Durchfahrbetrieb, beide Sektionen können jedoch auch einzeln betrieben werden. Die verschiedenen Baujahre der beiden Sektionen (1.: 1996; 2.: 1987) erkennt man hier sofort an den Kettenförderern der zweiten Sektion und den Reifenförderern der Ersten. In der Mittelstation befindet sich auch der Antrieb der oberen Sektion.
Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild

Ab der Gondelbahnstation wandern wir erst durch Ried-Mörel mit seiner Agglomeration (dem Weiler Sommerseili), dann ging es entlang eines Bewässerungskanals durch den Wald. Wo keine Vegetation im Weg ist, sieht man Brig und das Simplontal. Dann wird das Gelände schroffer, wir biegen in die Massaschlucht ein. Auf dem abenteuerlichen Massaweg, der auch unter Felsüberhängen her und einen Tunnel hindurch führt, folgen wir der Schlucht. Fast die ganze Zeit sieht man oben die Belalp mit der markanten Bergstation der Pendelbahn. Kurz vor dem Gibidum-Stausee verlassen wir den Massaweg, der nach Blatten weiter führt, und gehen steil den Berg hinauf. Hin und wieder sieht man zwischen den Bäumen Teile des Gibidum-Stausees, aber nie den ganzen See. Wir streifen den Aletschwald und kommen nach 700 Höhenmetern auf der Riederfurka an. Neben dem Restaurant steht dort oben die Villa Cassel, leider momentan eingerüstet, und die Bergstation der fixgeklemmten Sesselbahn Riederfurka, die im Sommer allerdings nicht im Betrieb ist. Ein kurzer Weg führt zur Riederalp zurück. Wir kommen auch an der Talstation der Sesselbahn Hochfluh vorbei. Die Garaventa-Sesselbahn von 2009 ist um diese Uhrzeit nicht mehr in Betrieb, die 4er-Sessel sind bereits garagiert. Statt Abstellgleise zu nutzen, parkt man die Sessel hier im Stationsumlauf.
Bild Bild Bild

Massaschlucht:
BildBild
Bild Bild Bild Bild Bild

Riederfurka:
Bild Bild

Tag 4: Gratwanderweg

Am vierten Tag geht es mit der Sesselbahn zur Hochfluh und von da aus erst auf dem Gratwanderweg über die Moosfluh, dann runter in Richtung des Aletschgletschers.
Die Sesselbahn Hochfluh hat eine - für eine Sesselbahn - spektakuläre Trasse mit einigen Gefällsbrüchen, was man schon von unten sieht. Wie bereits am Vortag erwähnt, werden die Sessel der Bahn im Stationsumlauf garagiert. Beim Eingang in die Station fällt jedoch sofort ein weiteres Abstellgleis auf. Dieses ist, weil im Sommer weniger Kapazität als im Winter gebraucht wird, komplett gefüllt. Nach dem Kauf der Tickets schnappen wir uns einen Sessel und fahren nach oben. Nach dem steilen ersten Stück geht es flach über eine Ruine, dann wieder steil hoch und schließlich flach über Kuhwiesen zur Bergstation, einer Uni-G. Mal wieder :roll: . Nachdem wir kurz den Ausblick genossen haben, geht es auf dem ziemlich vollen Gratwanderweg via Moosfluh nach Biel, der Mulde zwischen Moosfluh und Bettmerhorn. Von dort aus wandern wir durch eine immer karger werdende Landschaft in Richtung des Gletscherrandes, den wir aus Zeitgründen nicht erreichen. Auf dem selben Weg geht es wieder hoch, dieses Mal fahren wir jedoch mit der Moosfluhbahn nach unten.
Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild

Tag 5: Dörfchenwanderung

Hatten wir mit dem Wetter bisher Glück, sollte es am fünften Tag ganz anders aussehen: Nebel. Zwischendurch lichtete er sich vorübergehend, aber eine große Wanderung konnte man so nicht machen. Weil es im Tal besser aussah, entschieden wir uns für einen Spaziergang von Greich nach Betten. Um nach Greich zu kommen, nutzten wir die Pendelbahn Mörel - Riederalp-Mitte, wie bereits zur Anreise. Bei der Abfahrt sieht es jedoch nicht so aus, als hätten wir die richtige Entscheidung getroffen: Die Seile führten geradewegs in den Nebel. Wir besteigen die Gondel trotzdem und tauchen in den Nebel ab. Kurz vor Greich tauchen wir jedoch wieder auf und konnten so ohne Nebel an der Stütze aussteigen. Das Perron wird ausgeklappt, die Gittertür geöffnet, nach dem Passieren wieder geschlossen und die Seilbahn fährt ab. So steht man da ganz alleine in diesem Gitterkäfig hoch über dem Boden und weiß nicht, wie man da jetzt runter kommen soll. Jedenfalls, wenn man das erste mal einen Zwischenausstieg sieht :wink: . Zum Glück sind außer uns noch drei einheimische Schüler da, die sich natürlich auskennen und ganz selbstverständlich zum Aufzug gehen. Wir schließen uns an und kommen so am Dorfrand von Greich an. Direkt neben dem Aufzug gibt es hier noch einen kleinen Warteraum. Wir beginnen unseren Spaziergang, der zu erst nach Goppisberg führt.
Bild Bild Bild Bild Bild

Zwischenausstieg
Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild

Goppisberg:
Bild Bild Bild Bild

Von Goppisberg wäre es dann nach Betten gegangen, wären wir nicht falsch abgebogen. So mussten wir einen riesigen Umweg machen, kamen dadurch aber auch noch durch den urigen Weiler Egga direkt neben Betten und schließlich doch nach Betten. Dort zu wohnen stelle ich mir schon cool vor: man hat drei Pendelbahnen auf engstem Raum. Genauer gesagt handelt es sich um die Seilbahnen zur Bettmeralp: Die 117er-PB Betten Tal - Bettmeralp, die einspurige 47er-PB Betten Tal - Betten und der 50er-PB Betten - Bettmeralp. Alle drei Bahnen wurden in den 60er und 70er Jahren von Habegger gebaut, die Bahnen von Betten Tal zur Bettmeralp und nach Betten erhielten seitdem neue Kabinen. Mit der Bahn von Betten zur Bettmeralp wollten wir jetzt fahren, haben sie jedoch knapp verpasst. So hatten wir in Betten eine halbe Stunde Zeit, um durch die halboffene Tür in den Maschinenraum zu schauen. So sah man den Motor, das Getriebe und die vier Umlenkscheiben in „Action“. Bald kam unsere Gondel an, bevor wir einsteigen durften wurden aber noch kleine Fahrtests durchgeführt. Als diese beendet waren, ging es über die beiden von einem langen Spannfeld getrennten Stützen nach oben. Die Bergstation teilt die Bahn sich mit der Direktverbindung ab Betten Tal, über deren Perron es zum Ausgang geht. Inzwischen ist der Nebel kein Thema mehr, wir haben gute Sicht über die Bettmeralp.
Bild Bild


Betten:
Bild Bild

PB Betten Tal - Betten:
Bild Bild Bild


PB Betten - Bettmeralp:
Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild

An der nahegelegenen Talstation der Sesselbahn Blausee vorbei gehen wir ins Zentrum, um dort in einem Restaurant zu essen und den beginnenden Regenschauer zu überbrücken. Nach dem Essen gehen wir direkt wieder zur Riederalp, an der Talstation des Baco-Schlepplifts Schweibe vorbei, der 1977 gebaut wurde und bis zu seiner Verkürzung eine Baco-Kurve besaß. Schon auf der Riederalp kommen wir an der Talstation der Moosfluhbahn vorbei, wo gerede garagiert wird.
Bild Bild

SLE Schweibe:
Bild

Moosfluhbahn:
Bild Bild Bild Bild

Tag 6: „Flucht“ in die Höhle

Gestern morgen waren wir schon ratlos, was wir tun sollten, doch heute war die Entscheidung deutlich schwieriger. Nicht Nebel, sondern Starkregen war das Problem, und das fast in der ganzen Schweiz! Was man solchem Sauwetter macht? Genau: man flieht in eine Höhle. In unserem Fall der unter Weinbergen gelegene See Lac Souterrain in St. Léonard (bei Sion). Seilbahnmäßig am interessantesten dürfte die Entdeckung sein, die ich bei der Abfahrt auf der Riederalp gemacht habe: In einem Garten neben der Bergstation der Pendelbahn von Mörel steht eine alte CWA-Gondel, die von 1966 bis 1991 auf dieser Strecke verkehrte.
Bild Bild Bild

Tag 7: Abreise

Viel gibt es zur Abreise nicht zu sagen. Erst ging es mit der Pendelbahn nach Mörel, dann mit dem Zug via Brig und Bern, wo wir eine Stunde Umsteigezeit hatten, nach Deutschland.

Thunersee:
Bild

Bern:
Bild


Das wars!
Hier noch die Links zur Datenbank:
Riederalp:https://www.bergbahnen.org/regionen/ch/vs/riederalp
Bettmeralp:https://www.bergbahnen.org/regionen/ch/vs/bettmeralp

Ich hoffe, mein erster Bericht kommt gut an und möchte mich noch für die Bildqualität entschuldigen (es wird aber besser, wenn man auf die Bilder draufklickt).

Antworten