Monts Chevreuils - Es altert vor sich hin

Sommerberichte aus dem Juragebirge und den Kantonen Wallis, Waadt und Freiburg.
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salvi11
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Monts Chevreuils - Es altert vor sich hin

Beitrag von salvi11 » Mi, 07.08.2013, 19:34

Monts Chevreuils - Es altert vor sich hin am 2. August 2013

Seit 2002 sind drei Skilifte in der Region Chateau d'Oex, genauer in Les Moulins stillgelegt. Grund: "Die Anlagen seien veraltet und es besteht in der Gemeinde mit dem Sektor La Braye ja schon ein ziemlich modernes Skigebiet." Das Interesse die Lifte am Monts Chevreuils weiter zu betreiben war gering, so stellte das unabhängige Unternehmen von la Braye die drei Anlagen 2002 still.

Heute stehen die Anlagen (1x Bühler, 2x Oehler) immer noch rum. Kaum verrostet, dafür wirklich recht veraltet. Wartungspodeste oder Anhebeböcke an den Stützen fehlen und eine Beschneiungsanlage ist keine in Sicht auf nur 900m.ü.M. Lediglich das Bergrestaurant hat im Winter geöffnet. Es bewirtschaftet die noch vorhanden Wintersportler mit Fellen an den Skis oder Schneeschuhen an den Füssen.

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1944 wurde der Berg schon erschlossen. Dies erfolgte mit einem langen Gurtenskilift der Firma Oehler. Neun Jahre später verkürzte man diesen und ersetzte ihn im unteren Teil durch eine Sesselbahn von GMD, die jedoch nur sehr kurz war. Lange tat sich nichts mehr, bis der Gurtenskilift durch zwei einzelne System-Constam Skilifte ersetzt wurde. Erneut kam hier Oehler zum Zug. Dem Trasee angepasst bekam die obere Sektion die schweren Fachwerkstützen verpasst. Die untere Sektion wurde die leichte Stützenversion eingebaut. Weitere fünf Jahre später ersetzte man die Sesselbahn durch einen gewönhlichen Skilift der Firma WBB. In diesem Zeitraum existierte gar noch ein Gipfellift auf dem Monts Chevreuils, der Fachwerkportalstützen aufwies. Lediglich die Fundamente bestehen noch heute, der Lift wurde längst abgetragen.

Wie es mit der Zukunft des Skigebietes aussieht ist ungewiss. Ein Projekt "Alpes Vaudoises 2020" ist jedoch schon im Gange. Dort wird diskutiert, das Skigebiet Les Moulins-Monts Chevreuils zu reaktivieren.


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Es war der letzte gültige Tag meines GA's. So gestaltete sich die Reise auch etwas spektakulärer als sonst. Die Hinfahrt ging via Bern, Firbourg, Bulle, Montbovon, Chateau d'Oex und schliesslich Les Moulins. Ganze vier Umsteigeorte und ganze fünf ÖV-Gesellschaften beigleiteten mich dorthin. Dennoch war es einer der kürzeren Wege. Nach Hause ging es via Cole des Mosses, le Sepey, Aigle, Lausanne und schliesslich wieder Bern. Hinzu kam damit erneut eine weitere ÖV-Gesellschaft :)

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Angekommen in Chateau d'Oex. Hier herrscht noch Betrieb.

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Die roten dicken Linien zeigen die stillgelegten Anlagen, die dünne den Gipfellift.

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Bei der 1. Sektion in Les Moulins von WBB. Flache Strecke, nichts besonderes. Vielleicht deshalb fand ich den Lift zehn Minuten lang nicht und schwirrte durchs Dorf, als sich herausstellte, dass ich einfach rechts abbiegen hätte sollen.

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Talstation 1. Sektion. Sieht noch sehr frisch aus, seit 11 Jahren stillgelegt immerhin! Ich möchte nicht wissen wie es in unseren Nachbarland Italien aussehen würde. Ausserdem sah ich, dass hier mal das Seil rausgesprungen war. Jemand hat es wieder am richtigen Ort platziert. Wäre auch gefährlich gewesen für Passanten oder Mäusejäger darunter.

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Siehe da, daran vorbeigehumpelt und übersehen. Die ehm. Talstation der Einersesselbahn. In der sich..

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Bügel befinden.

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Aktuelle Attraktionen rund um den Monts Chevreuils.

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WBB Stütze

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1. Sektion Bergstation, auch hier bis auf die Farbe am Beton alles frisch.

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Talstation 2. Sektion

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Dieses Wartungsgehänge bewegte sich schon lange nicht mehr nach vorn oder hinten, denn schon auf alten Berichten über das Skigebiet hängt es dort.

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Somit ging die Wanderung zur 3. Sektion rauf. Bei 31° am Schatten doch etwas warm...

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Ein wunderschöner Ausblick nach Chateaux d'Oex. Weiter hinten im Tal befände Saanen und Gstaad. Gegen die andere Talrichtung käme man nicht nach Montreux, wohin der Golden Pass fährt nein, man käme nach Bulle in Begleitung mit der Saane, die wiederum in Mühleberg in die Aare fliesst. Musste jetzt gesagt werden :wink:

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Oehler mal von innen.

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Talstation 3. Sektion

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Bisher sah ich sowas noch nie, sieht schon toll aus.

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Doch dann, auf der Stütze Nummer 1 der 3. Sektion bildete sich etwas Flugrost. Ein Betrieb verunmöglicht das aber nicht.

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Ein Zacken höher den Hang hinauf, befindet sich die Umlenkung der 2. Sektion. Hier gewann eine Tanne das Duell gegen den Stahl.

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Eine schwere Stütze der 3. Sektion.

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Auf der selben Stütze.

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Die Strecke der 3. Sektion recht macht ungefähr in der Mitte eine Kurve mit schräg gestellten Rollen. Bei anständiger Temperatur wär ich zu dieser auch noch gewandert.

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Schlussbild

Natürlich ist es schade um das Gebiet. Die Region ist allgemein aber wirklich sehr schön, somit erstaunt es mich, dass sie schliessen mussten. Klar, die Anlagen waren schon um diese Zeit veraltet und natürlich müsste man viel investieren um das Skigebiet wieder zu eröffnen. Neue Anlagen, Parkplätze im Tal, ev. eine Verbindung nach Les Mosses und der wichtigste Teil die Beschneiungsanlage. Wer schwarze Zahlen sehen will am ende der Saison, muss so eine haben auf 900m.ü.M.
Zuletzt geändert von salvi11 am Do, 15.09.2016, 20:30, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: Monts Chevreuils - Es altert vor sich hin

Beitrag von TPD » Mi, 07.08.2013, 20:29

Die Chancen für eine Reaktivierung sind zur Zeit gar nicht so schlecht.

Der Ersatz der drei Skilift durch eine KSB kommt billiger als eine Modernisierung des Sektor La Braye.

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Re: Monts Chevreuils - Es altert vor sich hin

Beitrag von Dani » Mi, 07.08.2013, 23:06

Merci für den Bericht. Das Leben ist schon komisch. Zufälligerweise bin ich am 4. August da vorbei gekommen. Hab aber nicht gross Fotos gemacht, da es mir eh nicht zum Gipfel gereicht hätte. Das täte mich aber interessieren, denn da oben gabs ja mal einen Gipfellift.
Die Chancen für eine Reaktivierung sind zur Zeit gar nicht so schlecht.

Der Ersatz der drei Skilift durch eine KSB kommt billiger als eine Modernisierung des Sektor La Braye.
Dann müsste aber schon gleich die Verbindung zum Col des Mosses kommen, sonst wär das wahrlich ein bisschen ein mageres Skigebiet. Und Les Moulins ist nicht Château-d'Oex. Da kann man schon bald nach Rougemont fahren. Und eine Verbindung vom Col des Mosses zum Mont Chevreuil ist auch nicht viel einfacher zu realisieren, als wenn man eine Verbindung von La Braye her baut?

Zusammen mit der eher bescheidenen Höhenlage befürchte ich eher, dass ich es noch erleben werde, dass es da gar keinen Skibetrieb mehr gibt.
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Re: Monts Chevreuils - Es altert vor sich hin

Beitrag von Dani » Mi, 07.08.2013, 23:19

Die Fundamente des früheren Gipfelliftes sind überigens auf den aktuellen Google Earth Bildern mehr als deutlich zu erkennen. Evtl. ein Müller?
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Re: Monts Chevreuils - Es altert vor sich hin

Beitrag von salvi11 » Do, 08.08.2013, 17:22

Dani hat geschrieben:Die Fundamente des früheren Gipfelliftes sind überigens auf den aktuellen Google Earth Bildern mehr als deutlich zu erkennen. Evtl. ein Müller?
Habe ich mir auch schon überlegt, vielleicht wurde er Zeitgleich mit dem ESL im Tal gebaut.

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Re: Monts Chevreuils - Es altert vor sich hin

Beitrag von Monte » Do, 08.08.2013, 21:46

Wieder mal ein schöner Berich von salvi :super:
Ich habe mir auch schon überlegt dort hinzu fahren bevor die Lifte von Mountainwildness vernichtet werden.Aber dank dem Projekt habe ich jetzt spätenstens bis 2020 Zeit :D
Sag mal kann man bei deinen erkundungsturen auch Gast sein :wink:

Es wäre klug nicht gerade klug alle Skilifte dur eine fette KSB zu ersetzten da würde es schnell bei wärmeren Tagen unten zu Engpässen kommen kan man die Ganze Lift sektion nicht brauchen. Den Oberen Skilift könnte man belassen bei wenig schnee im Tal immer noch betreiben.

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Re: Monts Chevreuils - Es altert vor sich hin

Beitrag von Felix » Fr, 09.08.2013, 23:45

Auch von mir herzlichen Dank für den interessanten Bericht! Es ist schön zu sehen, dass die Skilifte noch immer in einem optisch guten Zustand dort herumstehen - wenngleich ich so meine Zweifel habe, ob es dort wirklich nochmals Skibetrieb geben wird ...

Beim ehemaligen Gipfellift vermute ich auch, dass dieser von Müller war. Die Fundamente der Portalstützen sind ja immer noch deutlich zu sehen und Müller war ja auch der Hersteller der Einersesselbahn auf der ersten Sektion. Der Lift wird im "Bergbahnen der Schweiz" erwähnt, daher muss er noch in den 50ern gebaut worden sein. Spricht also alles für Müller als Hersteller.
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