Innovationen im Seilbahnbau

Aktuelle Ereignisse, Planungen und Baudokumentationen zum Thema Seilbahnen und Berginfrastruktur.
Antworten
Michi
Marzilibahn
Beiträge: 1
Registriert: Mi, 24.04.2013, 14:05

Innovationen im Seilbahnbau

Beitrag von Michi » Mi, 24.04.2013, 14:19

Hallo Seilbahnprofis,
Momentan schreibe ich meine Diplomarbeit über Innovationen im Seilbahnbereich und möchte euch gerne dazu befragen. Wäre also toll, wenn Ihr als Experten Eure Meinung abgeben würdet.
Danke auf jeden Fall im Voraus für die Beantwortung einer oder idealerweise aller untenstehenden Fragen und eine allfällige interessante Diskussion hier im Forum.

In der Diplomarbeit geht darum, herauszufinden was Kunden von Innovationen im Seilbahnbau erwarten bzw. was Sie genau wollen.
Meine Fragen an Euch:
1. Wo beginnt für Euch die Innovation und wann ist es "nur" eine Verbesserung einer bestehenden Anlage?
2. Denkt Ihr, dass noch grosse Innovationen im Seilbahnbau möglich sind oder werden in Zukunft nur noch kleine Verbesserungen an bestehenden Anlagen vorgenommen?
3. In welche Richtung sollten zukünftige Innovationen gehen? (Ökologisch, Technisch, Erhöhte Transportkapazität, Design, Erlebnis, Transportsystem für Mountainbikes, Solaranlagen, usw.)
4. Welche Auswirkungen haben die Klimaerwärmung/Permafrostlockerung und die Verlagerung vom Winter- zum Sommertourismus für die Innovationen im Seilbahnbau? (Thema Verankerungen im Permafrost, System für Mountainbikebeförderung usw.)
5. Von welcher Innovation im Seilbahnbau träumt Ihr? (Unabhängig von finanziellen und technischen Grenzen)
6. Wie könnten Hersteller von Seilbahnen noch innovativer werden?

Danke nochmals, Ihr seid mir eine riesige Hilfe.
Grüsse aus dem Engadin

ProfiSuisse
Sesselbahn Prodkamm
Beiträge: 941
Registriert: So, 29.08.2010, 13:54
Lieblingsseilbahn: Sesselbahn Schwazhorn, Lenzerheide
Lieblingshersteller: Garaventa, Brändle, Von Roll

Re: Innovationen im Seilbahnbau

Beitrag von ProfiSuisse » Fr, 26.04.2013, 19:07

Also was meiner Meinung nach sehr innovativ ist, ist die neue 6er Sesselbahn in Laax, welche die flumser Firma BMF hingestellt hat.

Wetterschutzhauben, Sitzheitzung, schwenkbare Sessel, Sitzpolster im Porschedesign, natürliche Stationen und das Garagierungssystem.


Seilbahntechnisch aber auch Marketingtechnisch sehr kreativ und innovativ!
Skitage 2014/2015
(0) • Saisonstart folgt!

Benutzeravatar
salvi11
Kabinenbahn Isenau
Beiträge: 1281
Registriert: Mi, 16.09.2009, 15:11
Lieblingsseilbahn: Lattensesselbahnen (Plattja, Jeizinen, Bendolla, St. Stephan etc.)
Wohnort: Diemtigtal
Kontaktdaten:

Re: Innovationen im Seilbahnbau

Beitrag von salvi11 » Fr, 26.04.2013, 22:16

Ich geh gerne mal die Fragen durch :)

1. - Wenn etwas komplett neues Entwickelt wird. Wie beim Beispiel von ProfiSuisse oder der Cabrio Bahn in Stans. Eine Verbesserung einer bestehenden Anlage ist z.B., wenn die Kapazität durch neue Kabinen erhöht wird.

2. - Die Firmen müssen sich automatisch weiterentwickeln um im Konkurrenzkampf bestehen zu können.

3. - Das kommt ganz auf die Situation drauf an. Soll die Seilbahn eine Weltcuppiste erschliessen, dann sicher Kapazität und ev. Design für den TV-Auftritt :wink: Soll die Seilbahn aber Besucher anlocken, bzw. ist die Seilbahn das Besucherziel, dann steht das Erlebnis auf vorderster Stelle.

4. - Meinem Vater und seiner immer verfressener Holz-Heizung nach zu beurteilen verspüre ich nichts von einer Klimaerwärmung :wink: Nein spass bei Seite, Permafrost ist ein kritischer Punkt. Es gibt ja schon verstellbare Stützen, wie z.B. bei der Luftseilbahn Lauterbrunnen-Grütschalp. Grösseres Problem ist die zunehmende Steinschlaggefahr bei abgelegenen Pisten, Beispiel Grächen.

5. - Ich träume eigentlich von keiner Innovation, ich träume dann eher schon von Nostalgie :)

6. - "Wie" ist immer so theoretisch. Es fällt mir nichts ein :?

Benutzeravatar
Felix
Luftseilbahn Fil de Cassons
Beiträge: 5160
Registriert: Sa, 02.09.2006, 20:06
Lieblingsseilbahn: Klein Matterhorn, Fil de Cassons, Isenau, uvm.
Lieblingshersteller: Von Roll, Brändle, Giovanola
Kontaktdaten:

Re: Innovationen im Seilbahnbau

Beitrag von Felix » So, 28.04.2013, 17:42

Hallo Michi, willkommen hier im Forum! Auch ich möchte gerne zu Deinen Fragen Stellung nehmen.
  1. Eine Innovation stellt für mich eine Neuerung dar, die es in dieser Form noch nie zuvor gegeben hat und die in technischer oder wirtschaftlicher Hinsicht neue Möglichkeiten erschliesst. "In dieser Form" ist natürlich ein dehnbarer Begriff, den ich noch konkretisieren will. Dem zuvor genannten Punkt mit den drehbaren Sesseln in Laax oder der "Cabrio"-Seilbahn in Stans schliesse ich mich an, das sind für mich echte Innovationen. Sie greifen einerseits auf neue Techniken zurück, die zuvor mit grossem Aufwand entwickelt worden sind und setzen andererseits hinsichtlich des Fahrterlebnisses neue Massstäbe. Aber auch kleinere Entwicklungsschritte, die für den Gast auf den ersten Blick nicht sichtbar sind, wie z. B. neue technische Komponenten (Klemmen, Elektronik etc.) sind für mich Innovationen im Seilbahnbau. Keine echten Innovationen stellen meiner Meinung nach Entwicklungen dar, die zwar im weiterem Sinne neu sind, aber eben keine wirklich neue Technologie mit sich bringen (z. B. Hauben in verschiedenen Farben). Gerade aus marketingtechnischer Hinsicht verkaufen Betreiber und Hersteller von Seilbahnen natürlich möglichst viel als Innovation oder Weltneuheit, aber ob nun (fiktives Beispiel) die erste 10er-Gondelbahn mit Ledersitzen eine Innovation darstellt, wenn es zuvor schon 8er-Kabinen mit Ledersitzen gab, dann sei das mal dahingestellt, ob das nun wirklich eine Innovation im Seilbahnbau ist ;).
  2. Im Seilbahnbau ist mit Ausnahme von einigen wirklich aussergewöhnlichen Anlagen in den letzten Jahren eine zunehmende Standardisierung festzustellen. Gerade Umlaufbahnen (Sessel- / Kabinenbahnen) werden nach dem Baukastenprinzip gebaut und Stück für Stück optimiert. Eine wirkliche Revolution in technischer Hinsicht hat es in den letzten Jahren nicht mehr gegeben. Das hängt aber sicher auch mit der derzeitigen Marktsituation zu tun, denn bei de facto drei grossen Herstellern, die in der Schweiz aktiv sind, ist der Innovationsdrang seitens der Hersteller nicht mehr so gross, wie es noch in den 70ern der Fall war, als bis zu 25 Hersteller in der Schweiz aktiv waren. Seit Bartholet aufstrebt, gab es wieder mehr Innovationen als Anfang des Jahrtausends, allerdings habe ich eher den Eindruck, dass die Innovationswünsche von Seiten der Seilbahnbetreiber als von Herstellerseite kommen, da hier eben ein viel grösserer Konkurrenzdruck herrscht.
  3. Eine Innovation in erhöhte Transportkapazitäten ist m. E. zumindest rational betrachtet nicht nötig. Aufgrund der demografischen Entwicklung und aufgrund der Tatsache, dass das Skifahren bei vielen Leuten nicht mehr den Stellenwert wie vor 30 Jahren hat, gehe ich nicht davon aus, dass die Menge an Skifahrern in Zukunft massiv zunehmen wird. Und bereits heute reicht die Kapazität der Anlagen in 95% der Fälle mehr als aus.
    Auch in technischer Hinsicht sehe ich wenig grundlegende Neuerungen als erforderlich an, da nahezu jeder Punkt auf der Erde heute mit Seilbahnen theoretisch erschlossen werden könnte. In Sachen Sicherheit und Komfortsteigerung wird es aber sicher in den nächsten Jahren weitere Neuentwicklungen geben.
    Hinsichtlich des Fahrterlebnisses glaube ich schon eher, dass hier Innovationen einen Mehrwert bringen. Das Stanserhorn oder Laax zeigen ja bereits, dass die Gäste Wert darauf legen, nicht nur von A nach B zu gelangen, sondern auch unterwegs ein Erlebnis haben möchten. Derartige Erlebnisse stehen m. E. auch mehr im Einklang mit der Natur, als der x. Abenteuerspielplatz oder Vergüngungspark am Berg.
    Die grössten Potentiale liegen in meinen Augen aber derzeit im Gebrauch der Seilbahn als urbanes Transportmittel. Gerade in Schwellenländern, wo die Verkehrssituation kurz vor dem Kollaps ist, könnte man mit einer sinnvollen Planung die Seilbahn wie U-Bahn, Bus oder Strassenbahn einsetzen - mit dem Unterschied, dass sie viel weniger Platz in Anspruch nimmt und im Bau vermutlich preisgünstiger kommt.
  4. Kann ich so nicht viel zu sagen, da ich kein Fachmann hinsichtlich der Konstruktionen oder der Geologie bin und den vorhergesagten Auswirkungen des "Klimawandels" eher skeptisch gegenüberstehe. Ich denke aber, dass sich die Anforderungen an die Seilbahnen durch eine Verlagerung vom Winter- zum Sommertourismus nicht grossartig ändern würden. Abgesehen vom Schlepplift kann jede Seilbahn prinzipiell sowohl im Winter als auch im Sommer betrieben werden. Probleme mit auftauendem Permafrostboden oder rutschenden Hängen sorgen allerdings dafür, dass hier in den kommenden Jahren Verbesserungen unumgänglich werden.
  5. Ich lasse mich überraschen, was die nächsten Jahre so bringen ;). Die Entwicklung der letzten 2-3 Jahre gefällt mir eigentlich ganz gut, da ein neuer Hersteller (Bartholet) den Markt jetzt so richtig aufmischt und seither einige interessante Anlagen entstanden sind. Auf der anderen Seite könnte ich auf einige Sachen wie automatische Schliessbügel, Kindersicherungen, farbige Hauben etc. auch gerne verzichten. Und der grösste Traum von mir und vielen anderen hier im Forum wäre es wohl, wenn eine Möglichkeit gefunden werden könnte, die nostalgische Sesselbahn am Weissenstein wieder in Betrieb zu nehmen. Das hängt allerdings nicht mit technischen Innovationen zusammen, denn die Anlage könnte problemlos sicher betrieben werden - wenn gewisse Leute das wollen würden.
  6. Der Innovationsdrang kommt im Moment, wie zuvor schon geschrieben, eher von der Nachfrageseite. Würde es mehr Hersteller geben, würden wahrscheinlich auch die herstellerseitigen Innovationen wieder zunehmen. Ansonsten würde ich spekulieren, dass die Hersteller mit ihren Innovationen dem Zeitgeist folgen (ökologisches Bewusstsein, grünes Unternehmensimage etc.).
Reportagen und Reiseberichte auf www.enviadi.com

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast