Wieso sind Poma-Skilifte immer so kompliziert gebaut?

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Tristan
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Wieso sind Poma-Skilifte immer so kompliziert gebaut?

Beitrag von Tristan » Mo, 21.03.2011, 19:32

Bei Poma-Skiliften handelt es sicht um sehr gute Skilifte.
Das liegt daran, dass diese kuppelbar sind.
Trotzdem bleibt mir der seltsame Aufbau der Stationen, die (meist) vielen Seile sowie
diese komischen Stützen ein Rätsel.
Könnten sind trotz der Kupplung so einfach sein, wie Doppelmayrlifte
Wieso sind Poma-Skilifte immer so kompliziert gebaut
Zusätzliche Infos:

Infos zu Bergbahnen und Skigebieten gibt es unter:
http://www.tolleskigebiete.wordpress.com/.

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Schöditaz
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Re: Wieso sind Poma-Skilifte immer so kompliziert gebaut?

Beitrag von Schöditaz » Mo, 21.03.2011, 19:44


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Felix
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Re: Wieso sind Poma-Skilifte immer so kompliziert gebaut?

Beitrag von Felix » Sa, 26.03.2011, 11:00

Naja, kompliziert? Meines Erachtens ist das Poma-System so ziemlich das simpelste kuppelbare System überhaupt, viel einfacher aufgebaut als jegliche anderen kuppelbaren Umlaufbahnen. Keine zusätzlichen Einrichtungen für die Klemmen erforderlich, da die Gravitation bzw. die Reibung des Fahrgasts bereits zum Festklemmen ausreicht, preiswert in Herstellung und Betrieb... Eigentlich kein Wunder, dass sich das System so weit verbreiten konnte.

Okay, da die Stützen nicht so einheitlich aussehen, wie bei den Constam-Skiliften, wirken die Poma-Skilifte ein wenig "zusammengebastelt", aber die Konstruktion der Gehänge erfordert eben derartige Führungsstangen und grosse Rollen, zudem benötigt ein Poma-Skilift auch viel mehr Stützen als ein Constam, da man aufgrund der nahezu fixen Länge der Schleppstange wenig Spielraum beim Bodenabstand hat. Allerdings finde ich, gerade mit dem Bau der "stehenden" Bergstationen wirken die Poma-Skilifte für mich auch relativ einheitlich, zumindest die neueren.

Und viele Seile, naja, ein Seil brauchst du in jedem Fall ;), und ansonsten hat es nur, wenn überhaupt, eine Leitung oben an den Stützen und dann eben die Führungsschläuche in den Stationen, damit die Teller nicht durch die Gegend fliegen. Aber das ist eben alles auf die Konstruktion der Schleppstangen zurückzuführen. Die Konstruktion hat aber durch die quasi 100%ige Kurvengängigkeit einen enormen Vorteil gegenüber dem System Constam. So gesehen hat man mit den Poma-Skiliften mehr Möglichkeiten zur Erschliessung als mit den Constam-Skiliften.
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Schöditaz
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Re: Wieso sind Poma-Skilifte immer so kompliziert gebaut?

Beitrag von Schöditaz » Sa, 26.03.2011, 11:12

Hab noch etwas auf seilbahn.tk gefunden:
* Was ist ein kuppelbarer Skilift (Französischer Skilift)

Kuppelbare Skilifte Tirefesse wurden von der Französisch Firma Pomagalski in Grenoble vor dem 2WW entwickelt (1935). Dieses System war das erste brauchbare Schleppliftsystem das eine ausreichende Kapazität aufwies. Es hat sich bis heute gehalten, auch wenn einige technischen Verbesserungen angebracht wurden. Die Talstation ist einfach aufgebaut. Eine kleine Umlenkscheibe ist direkt an den Motor gekoppelt, der sich über der Stahlrohrkonstruktion befindet. Die Gehänge umlaufen die Umlenkscheibe und werden in einem Rechen gestoppt. Dabei wird die Klemme entlastet, wobei das Seil durch die Klemme weiter läuft und das Gehänge stehen bleibt. So stehen etwa 200 je nach Länge mehr oder weniger Gehänge in einem korbartigen Rack. Die Gehänge sind nicht mit einem Seilzug und einer Schlepptrommel ausgestattet, sondern wie bei einer Zeltstange aus konischen Aluminiumrohren die ineinander gesteckt und von einer im Rohr verlaufenden Stahlfeder zusammengezogen werden. Diese Stange ist etwa 3m Lang. Unten ist ein kleiner Plastikteller angebracht, oben eine spezielle Klemme. Die Klemme wird angezogen sobald das Gehänge belastet wird. Kommt ein Skifahrer in der Talstation an den Start zeigt im eine Ampel an ob der Abstand zum nächsten Tellergehänge gross genug ist. Springt die Ampel auf grün, kann er sich das vorderste Gehänge schnappen und durch eine Lichtschranke oder, bei älteren Liften, durch einen Endschalter fahren. Bei den älteren Liften gab es immer Spaßvögel, die es lustig fanden, sich den hintersten Teller zu nehmen und in der Schranke stehen zu bleiben. Was zur Folge hatte, dass alle Gehänge auf einmal die Station verlassen haben und so die Leute die noch standen warten mussten bis die Teller wieder unten waren. Das wurde aber mittels Zeitrelais unterbunden. Die Klemme wird in der Talstation durch einen Elektromagneten angezogen und so belastet, wodurch das Seil eingeklemmt wird. Sobald der Teller das Rack verlassen hat muss die Klemme nicht mehr gespannt werden, da jetzt ein Skifahren dran hängt. Oder mindestens ein Tellergehänge, dessen Eigengewicht schon ausreicht. Die Klemme ist so aufgebaut, dass sie extrem kurvengängig ist. Da sie 30° nach oben gebogen ist, können alle Rollen problemlos umfahren werden. Aus diesem Grund sind aber pro stütze nur maximal 2 Rollen vorhanden, was eine sehr unbequeme Fahrt zur Folge hat. Die Bergstation ist ganz einfach aufgebaut. Eine Umlenkrolle wird an Stahlseilen aufgehängt und ein dickes zwischen dem Berg- und dem Talseil aufgehängtes Hanfseil verhindert, dass sich die Gehänge gegenseitig rammen. Aus diesem Grund sind auch die Fahrbahnen unterschiedlich hoch. In der Talstation ist die Spur kleiner als auf der Strecke. Dadurch wird verhindert, dass das Gehänge in der Talstation zu weit ausschert. Zur Sicherheit sind noch eine ganze Menge schlauchartiger Abweiser montiert. in der Bergstation wird kurz vor der Rolle ein dickes Seil quer über die Strecke gespannt, wodurch die Gehänge nicht bis unter die Rolle fahren können und so wie bei einem Todpunktausstieg nur die Klemme die Scheibe umfährt. Ziemlich billige Konstruktion mit sehr grosser Verschleiss. So muss alle 3-4 Jahre ein neues Seil eingezogen werden. An manche schönen Wintertagen ist der Schnee in der Talstation schwarz von den vielen Stahlspänen die vom Seil abgerieben werden.

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Re: Wieso sind Poma-Skilifte immer so kompliziert gebaut?

Beitrag von holliger » Mo, 24.02.2014, 00:12

Kompliziert sind sie gar nicht. Klemme ohne bewegliche Teile, funktionieren nur per Schwerkraft.
Kurven relativ einfach möglich. Das Kuppeln der Bügel geschah früher per Handgriff, also ohne Elektronik.
Dateianhänge
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Bügel in Warteposition
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Antriebsrand mit Anhebungsschiene der Klemme
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Magazin
IMG_5868.JPG
Fliegende Umlenkung
IMG_0378.JPG
Handgriff zum Einkuppeln des Bügele
IMG_0378.JPG (51.73 KiB) 1171 mal betrachtet
IMG_5859.JPG
Minimalistische Rollenbatterie
IMG_5838.JPG
Talstation

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