Nax-Mont Noble • 1. März 2012 • skier les meilleurs espaces

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Felix
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Nax-Mont Noble • 1. März 2012 • skier les meilleurs espaces

Beitrag von Felix » Sa, 28.04.2012, 23:17

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Pistenplan Nax
Chronik der Entwicklung des Skigebiets Nax

Rund 20 Minuten dauert es ab der Abfahrt in Vercorin, bis wir das Orteingangsschild von Nax passieren und bereits kurze Zeit später auf eine Nebenstrasse in Richtung der Talstation der Sesselbahn im Skigebiet Mont Noble abbiegen. Mein Vater und ich hatten uns bereits vor einigen Jahren im starken Schneefall bis zur Talstation vorgekämpft, aufgrund der katastrophalen Wetterbedingungen war seinerzeit allerdings kein Skibetrieb. Heute soll es anders sein, denn der Parkplatz an der Sesselbahn ist um die Mittagszeit bereits komplett belegt. Etwas weiter oben am Hang erreichen wir nach einigen Kehren aber einen zweiten, wesentlich grösseren Stellplatz, der direkt an einer der beiden Talabfahrten gelegen ist. Schnell sind die Skischuhe wieder angezogen, zweimal macht die Bindung "klick" und wenige Augenblicke später erreichen wir nach einigen Schwüngen im Pulverschnee die Kasse neben der Talstation der Sesselbahn.

Bei selbiger handelt es sich um eine typische Doppelsesselbahn von Städeli, die seit dem Jahr 1980 den Zugang in das Skigebiet Nax-Mont Noble sicherstellt. Das späte Baujahr lässt bereits erahnen, dass es sich in Nax nicht um ein Gebiet handelt, das sich kontinuierlich vom Dorfskilift zum grossen Skiareal entwickelt hat, sondern eher um ein Retortenskigebiet, das in einem Rutsch entstanden ist. Dennoch stellt man im Vergleich zu anderen Walliser Gebieten, die zur gleichen Zeit aus dem Boden gestampft wurden, einige frappierende Unterschiede bezüglich der Infrastruktur fest. Während die Konstruktion der ersten Sektion wie erwähnt aus Oetwil am See stammt, schliessen sich daraufhin kurioserweise zwei Sektionen Schlepplift aus Sterzing an. Bei ersterem handelt es sich um eine recht gewöhnliche Leitner-Konstruktion, wie man sie in Italien zu hunderten antrifft, wenn auch mit einer etwas selteneren Stützenart. Bei der insgesamt gesehen dritten Sektion, die annähernd bis auf den Gipfel des Mont Noble führt, stammen wesentliche Komponenten zwar auch von Leitner, die Stützen hingegen sind klassische Fachwerkportalmasten aus dem Hause Müller. Da es in Nax selbst ein wenig oberhalb des Dorfes vor dem Bau des heutigen Skigebiets bereits einen Skilift gab, halte ich es für wahrscheinlich, dass man diesen 1980 von seinem ursprünglichen Ort in den oberen Teil des Skigebiets versetzte und lediglich mit neuen Gehängen und Umlenkscheiben bestückte. An seinem ersten Standort hatte er nämlich keine Pistenverbindung ins heutige Skigebiet und die eigene Piste dürfte im unteren Teil schon recht bald vom wachsenden Dorf überbaut worden sein. 1994 wurde das Gebiet um eine weitere, separate Geländekammer erweitert, in welcher seither ein Poma-Schlepplift mit über 500 Metern Höhendifferenz zwei Abfahrten bedient. Neueste Anlage ist ein fix geklemmtes Exemplar der Grenobler Firma aus dem Jahr 1998, welches einen Übungshang im Bereich der Bergstation der Sesselbahn erschliesst.

Von der Struktur her erinnert das Gebiet sehr an das inzwischen der Vergangenheit angehörende Gebiet am Ernergalen oberhalb von Mühlebach im Oberwallis. Parallelen existieren bezüglich des Dorfskilifts, der keinen Anschluss an das Anfang der 80er Jahre vom Reissbrett geplante Skigebiet hatte, als Zubringer diente eine Sesselbahn, als Beschäftigungsanlagen zwei Skilifte, einer davon mit anderer Hangausrichtung und um die Jahrtausendwende stellte Poma in beiden Gebieten eine kleine Übungsanlage auf. Im Gegensatz zum seit jeher chronisch defizitären Betrieb in Mühlebach scheint das Gebiet am Mont Noble aber regelrecht zu florieren. Nicht zuletzt dank dieses Umstands plant man für den übernächsten Sommer den Bau zweier fix geklemmter Vierersesselbahnen, die zwei der drei grossen Skilifte ersetzen sollen. Die Finanzierung soll zu Teilen mittels einer Aktienkapitalerhöhung ermöglicht werden, für die im gesamten Skigebiet mit unzähligen Prospekten geworben wird. Aus welchem Grund man vorsieht, die beiden längsten Skilifte des Gebiets durch mit das langsamste und unkomfortabelste Seilbahnsystem überhaupt zu ersetzen, will mir einfach nicht in den Kopf gehen. Wie auch immer man das Projekt umsetzen wird, Nax wird auf jeden Fall seinen jetzigen Charme zu grossen Teilen einbüssen!

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Die Talstation der Sesselbahn Nax-Dzorvina, eine Städeli-Sesselbahn in typischer Ausführung mit Antrieb am Berg und Gewichtsabspannung im Tal. Dank des nachgerüsteten Förderbands fährt die Anlage in einem äusserst flotten Tempo und die Fahrzeit ist auf der Strecke mit moderater Länge absolut im grünen Bereich. Dank der frisch aufgetragenen Farbe in den Original-Städeli-Tönen grün und orange kommt die Bahn wie neu daher.

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Ähnlich wie in Vercorin ist die Sesselbahn wunderschön durch den malerischen Nadelwald trassiert. Auf einem knappen Kilometer schräger Länge überwindet man hier über 400 Höhenmeter, die Strecke ist daher durchwegs steil. Eine der beiden Talabfahrten, die Diretissima kreuzt kaum merkbar einige Meter weiter oben die Sesselbahntrasse.

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Die Bergstation der Sesselbahn auf Dzorvina samt Bergrestaurant rechts davon und am linken Bildrand das Schlussstück einer der zahlreichen Abfahrten der zweiten Sektion, dem Skilift Cabane.

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Zu exakt diesem machen wir uns als nächstes auf, verfahren uns allerdings bereits nach wenigen Metern und landen am Übungsskilift Baby Dzorvina von Poma, der für einen Übungshang eine ordentliche Länge und vor allem Steilheit aufweist. Wie so oft bei diesen filigranen Konstruktionen hat man Angst, dass der Lift noch während der Fahrt in sich zusammenfällt.

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Weitaus interessanter wird es am angesprochenen Skilift Cabane, der dank seines lauten Antriebs schon von weitem zu hören ist. Dies ist die erste von zwei Anlagen, die in naher Zukunft einer fix geklemmten Vierersesselbahn weichen soll. Und ja - auf diesem Bild könnten wir genausogut in Italien sein!

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Ähnlich wie die erste Sektion gewinnt der Skilift Cabane rasch an Höhe und verläuft anfänglich durch den dichten Wald. Auch wenn es sich mehrheitlich um Standardware aus dem Hause Leitner handelt, so ist mir diese Stützenart erst ein einziges Mal, nämlich in Tortin in den Portes du Soleil, untergekommen. Eventuell handelt es sich um ein seltenes Fabrikat der Sittener Niederlassung von Leitner?

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Über 500 Höhenmeter später ist die Bergstation weit oberhalb der Baumgrenze erreicht. Untypisch wurde die Abspannung extra in ein Gebäude integriert.

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Nicht nur das abermals imposante Panorama, sondern auch die genial trassierten Skipisten von Nax kommen hier erstmals so richtig zur Geltung. Kuppen, Kurven, Schrägfahrten, die sich mit steilen Abschnitten in Hangrichtung abwechseln, soweit das Auge reicht und in einer Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten stets mit dem Blick ins zwei Kilometer tiefer gelegene Rhônetal. Ein Wort reicht aus, um das Gefühl bei der Abfahrt zu beschreiben - genial!

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Die dritte Sektion, der Skilift Planards mit den angesprochenen Müller-Stützen, vermutlich eine Occasion aus dem Dorf. Selten (oder noch nie?) habe ich einen derart genial trassierten Skilift gesehen - man beachte die Felstore, die er durchfährt!

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Auch wenn der Skilift Planards nicht ganz bis auf den Gipfel des Mont Noble führt, so bietet sich dennoch bereits hier ein beeindruckendes Panorama, das sich quasi über das gesamte Rhônetal erstreckt. Auch zahlreiche andere Skigebiete sind von hier sichtbar, exemplarisch auf diesem Foto die Paradehänge von Les Collons in den Quatre Vallées. Markant ist vor allem die massiv remodellierte Abfahrt vom Gipfel Ethérolla nach Les Collons. Ebenfalls erkennbar ist links die Schneise der Sesselbahn Les Masses, ganz rechts ein Stück der Piste de l'Ours. Einen Bergrücken dahinter der Alpage-Hang von Nendaz.

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Eine leider bereits sehr aufgeweichte Abfahrt führt uns zur Talstation des Skilifts Combe, dessen Hänge mehrheitlich Richtung Westen ausgerichtet sind. Diese Struktur birgt einen grossen Vorteil mit sich, von der beispielsweise weitaus grössere Gebiete wie Crans-Montana und Anzère nur träumen können: dank der verschiedenen Hangrichtungen liegt dieser Sektor bereits im Hochwinter lange Zeit in der Sonne, während im Frühjahr der Bereich auf der Nordseite noch lange feinsten Pulverschnee bietet.

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Unterwegs im Skilift Combe, der zwar über 500 Höhenmeter überwindet, sonst aber alles andere als spannend ist. Zur Tatsache, dass er keine Kurve besitzt, kommt hinzu, dass er auch noch mit einer äusserst moderaten Geschwindigkeit fährt.

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Die Bergstation, gleichzeitig mit 2640 Metern Seehöhe der höchste Punkt im Gebiet.

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Die Aussicht vom Gipfel ist gewaltig: Rechts am Bildrand versteckt sich der Crêt du Midi, Dreh- und Angelpunkt des Skigebiets Vercorin, auf der gegenüberliegenden Talseite sind die markanten Schneisen der Bahnen von Crans-Montana erkennbar.

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Die Bergstation des Skilifts Planards, dahinter das Skigebiet von Anzère.

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Zwei Impressionen von den herrlich zu fahrenden Pisten am Skilift Planards. An der im Hintergrund sichtbaren Hütte kehren wir zu einem kurzen Imbiss ein, dank der warmen Temperaturen geniessen wir draussen die Sonne.

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Beim Aufbrechen macht mich Dani auf den Glacier des Diablerets aufmerksam, den man von hier auch bestens beobachten kann. Im Vordergrund zwei der drei Von Roll-Gletscherskilifte sowie die Quille du Diable am rechten Bildrand, dahinter die markante Bergstation der Zubringerluftseilbahn Cabane des Diablerets-Glacier des Diablerets. Während letztere im Waadtland liegt, befinden sich die Gletscherlifte bereits auf Walliser Territorium.

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Da wir am Tagesende auf jeden Fall die äussere Talabfahrt nehmen müssen, um zu unserem Parkplatz zurückzukehren, entscheiden wir uns für eine zwischenzeitliche Rückkehr ins Tal über die andere, deutlich steilere Diretissima entlang der Sesselbahn. Auch diese ist herrlich zu fahren und bietet trotz der geringen Höhenlage noch immer beste Schneeverhältnisse. Kunstschnee sucht man im ganzen Gebiet übrigens vergebens - er ist aber dank der Nordhänge auch überhaupt nicht nötig.

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Städeli und das Wallis - eine hervorragende und oft erprobte Kombination.

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Im Skilift Cabane.

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Nahezu alle Abfahrten des Skilifts Cabane sind auch vom Skilift Planards aus erreichbar, bis auf diesen Hang von unten gesehen links vom Skilift Cabane. Selbiger stellt sich als absoluter Paradehang heraus - ständig hat man das Gefühl, direkt ins Rhônetal abzufahren.

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Den Nachmittag lassen wir an den wunderschönen Hängen des Skilifts Planards ausklingen - bis 16.30 Uhr sind die Anlagen hier in Betrieb, doch der halbe Tag reicht bei weitem nicht aus, um alle Varianten auszuprobieren.

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Für die letzte Abfahrt des Tages wählen wir die lange Piste vom Gipfel über die "Aussenrum"-Talabfahrt zum Parkplatz.

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Ein purer Genuss zum Tagesabschluss!

Alle Bilder können wie immer im entsprechenden Album in der Fotogalerie angesehen werden.

Gegen 17 Uhr brechen wir vom Parkplatz wieder auf in Richtung Rhônetal, diesmal auch über eine hochoffizielle Route. Zügig geht es zurück zum Bahnhof in Sierre, wo wir uns von Dani verabschieden und uns auf den Weg zu einer letzten Übernachtung nach Lens machen. Für den Abreisetag steht bereits fest, dass wir dem Skigebiet von Anzère einen Besuch abstatten, denn aufgrund der Ausrichtung nach Süden und der durchschnittlichen Höhenlage würden wir es dort vermutlich ohnehin nicht lange aushalten.


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Re: Nax-Mont Noble • 1. März 2012 • skier les meilleurs espaces

Beitrag von intermezzo » Di, 12.12.2017, 11:41

Meine Güte!

Was für ein Hammer-Bericht! Und keinerlei Reaktion bisher... Ein verspätetes Dankeschön dafür.

Bin hin und weg von Nax. Ich muss nach der Lektüre Deines Berichtes unbedingt in diesem Winter dorthin. Ein solches Skigebiet ist just nach meinem Gusto. Tolle Anlagen, geniales Panorama, flotte Pisten. Genial.

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Re: Nax-Mont Noble • 1. März 2012 • skier les meilleurs espaces

Beitrag von Felix » Fr, 15.12.2017, 12:56

Danke!

Ich will deine Vorfreude nicht trüben, aber leider hat man den Leitner- und den Poma-Schlepplift im Sommer 2012 durch zwei fix geklemmte Vierersesselbahnen ersetzt. Dadurch dürfte Nax einiges von seinem Charme eingebüsst haben. Mal davon abgesehen, dass sich die Fahrzeit mit den neuen Anlagen deutlich erhöht hat im Vergleich zu den Schleppliften. Die Pisten sind natürlich immer noch dieselben und am Panorama hat sich auch nichts geändert, aber das Gebiet ist seitdem um zwei kultige Anlagen ärmer. :(
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Re: Nax-Mont Noble • 1. März 2012 • skier les meilleurs espaces

Beitrag von intermezzo » Do, 11.01.2018, 10:06

Danke, Felix, für diese Informationen.

Habe es beinahe befürchtet, dass die kultigen Anlagen nicht mehr da sind. Das Gebiet an und für sich reizt aber weiterhin.

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