Grächen, am 20. Februar 2019 [Blau]

Winterberichte aus dem Juragebirge und den Kantonen Wallis, Waadt und Freiburg.
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Leocat
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Grächen, am 20. Februar 2019 [Blau]

Beitrag von Leocat » Mo, 29.04.2019, 18:20

Geschafft! Hier mein erster Bericht:
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Seit nunmehr 10 Jahren fahren meine Familie und ich jedes Jahr in den Skiferien nach Grächen. So auch in diesem Jahre. Diesmal hatten wir besonders schöne Ferien - das Wetter war schlichtweg der Traum. An jedem der sechs Skitage war der Himmel strahlend blau bei angenehmen Plustemperaturen. Stellvertretend für die ganze Woche möchte ich hier den Dienstag, 20. Februar, etwas näher dokumentieren. Viel Spass :D

Das Skigebiet
Grächen, ein zweigeteiltes Skigebiet: Einerseits die Hannigalp, Dreh- und Angelpunkt des Skigebiets mit schönen Carvingpisten (leicht und mittelschwer), einer anspruchsvollen Abfahrt und Anfängergebiet, andererseits das Seetalhorn, eher abgelegen überzeugt es durch mittelschwere Pisten und eine interessante Landschaft.
Die Geschichte des Skigebiets wird in diesem Bericht viewtopic.php?f=26&t=1489 bereits ausführlich beschrieben, daher kommen wir bereits zum ....

Der Skitag
Wetter:
strahlender Sonnenschein

Temperatur:
Dorf: etwa 10°, Seetalhorn: etwa 3°

Schneehöhe:
Dorf: etwa 10-20cm, Seetalhorn: etwa 1-1,2m

Schneezustand:
Hart, teilweise Pulver

Geöffnete Anlagen:
Alle

Geschlossene Anlagen:
Keine

Geöffnete Pisten:
Alle

Geschlossene Pisten:
Keine

Wartezeiten:
keine

Gefallen:
Landschaft, fast keine Leute, Pistenzustand, neue 4-SBK Plattja, einige interessante Anlagen

Nicht gefallen:
Piste Seetalhorn - Tosso, LSAP Wannihorn

Bilder
Achtung! Die Bilder sind nicht in chronologischer Reihenfolge aufgelistet und stammen nur hauptsächlich vom 20.2.
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Zur Übersicht: Pistenplan
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Auf dem Weg zur Talstation fällt der Blick auf die Talstation der Seetalhornbahn. Sie wurde 2011 ersatzlos stillgelegt und später abgebrochen. Aus seilbahntechnischer Sicht ein herber Verlust, machte die VonRoll-Habegger Gondelbahn aus den 80ern auf einer Länge von 2,8km doch satte 1200 Höhenmeter! Und das ganze erst noch auf einer spektakulären Trasse in schwindelerregender Höhe... Aus skifahrerischer Sicht ist der Verlust verkraftbar, das Seetalhorn bleibt immer noch erschlossen und Pisten gingen keine verloren
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Somit bleibt die Hannigalpbahn der einzige Zubringer ins Skigebiet. Gebaut 2011 ersetzte sie eine Bahn baugleich derjenigen zum Seetalhorn mit Baujahr 1984. Das Besondere: Märchengondeln, in denen den Fahrgästen Märchen abgespielt werden.
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Impressionen der ersten Bergfahrt
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Bergstation der 8-KBK Grächen-Hannigalp

Oben angekommen, fällt der Blick als erstes auf das Übungsgelände der Hannigalp und die 4-SBK Bärgji. Die Besonderheit dieser Bahn: Sie enthält etwa auf halber Strecke eine einseitige Mittelstation. Dort können die Skifahrer zusteigen, die nur den oberen Teil der Piste (rot) fahren möchten und der steilere 2.Teil (schwarz) auslassen.
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Kinderland mit 4er Sesselbahn Bärgji, Leitner.
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Sesselbahn Bärgji, ersetzte 1996 einen enorm steilen Schlepplift aus dem Hause Bühler
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Im oberen Teil wird die Sesselbahn vom Skilift Paradiesli gedoppelt. Einem Müller-Exemplar aus den 70ern mit den seltenen T-Stützen
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Er dient hauptsächlich als Übungslift. Zudem bedient er die Skimovie-Abfahrt und die Funslope.
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Ausstieg des Skilifts Paradiesli. Im Hintergrund die Funslope und das Starthaus der Skimovie-Abfahrt

Nach einigen Abfahrten an der Sesselbahn Bärgji und der Gondelbahn, beide Pisten waren ausgezeichnet zum fahren, zog es uns bereits rüber zum zweiten Teil des Skigebietes, dem Seetalhorn. Um auf dieses zu gelangen muss man als erstes den Skilift Furggen 2 nehmen, um anschliessend über einen Ziehweg zur Talstation der Sesselbahn Stafel-Seetalhorn zu kommen, die einen dann, spektakulär trassiert, aufs Seetalhorn fährt. Aber der Reihe nach :wink: Zuerst der Skilift Furggen 2:
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Talstation 2-SLE Furggen 2. Unschwer zu erkennen, handelt es sich hier um ein Produkt von WBB
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Schlepplift Furggen 2

Nach einem mehrbesseren Ziehwegstück erreicht man Stafel - Ausgangspunkt der Sesselbahn zum Seetalhorn. Bis vor einigen Jahren konnte man hier mit einem steilen Schlepplift hinauf aufs Wannihorn fahren. Dort angekommen, gab es noch einen weiteren, kurzen Skilift namens Sputnik. Da der untere der beiden Lifte seit über 10 Jahren keine Konzession mehr verfügt, dreht sich bis heute am Wannihorn kein Rad mehr und einige Pistenkilometer gingen dadurch verloren. Schade! Denn diese Pisten würden für etwas mehr Abwechslung sorgen und Gebiet devinitiv gut tun! :( Zwar ist seit Jahren geplant, eine Sesselbahn von der Hannigalp aufs Wannihorn zu erstellen, nach dem Neubau des Plattjalifts und der Märchengondelbahn fehlt den Bergbahnen aber zurzeit das Geld
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Stafel, rechts die Sesselbahn zum Seetalhorn, links der stillgelegte Schlepper in Richtung Wannihorn.
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Skilift Wannihorn im Detail. Auch er wurde von Bühler gebaut.
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Zur Sesselbahn: Gleich wie der Lift auf der Hannigalp enthält auch sie eine Mittelstation und wurde vom selben Hersteller gebaut: Leitner erstellte die kühn trassierte Bahn im Jahr 1997
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Mittelstation im Detail. Die Bahn macht hier eine kleine Linkskurve. Zudem kann man hier aussteigen, um nur den unteren, wesentlich interessanteren Teil der Piste zu fahren. Im Gegenteil zur Bahn: Diese legt in Sachen Trassierung in der oberen Streckenhälfte nochmals einen Zacken zu, und als Grande Finale sozusagen gibt's dann ganz am Ende noch einen enorm steilen Schlusshang.
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Trassierung der 4-SBK/B Stafel-Tosso-Seetalhorn in der oberen Hälfte (entschuldigt bitte die miese Qualität)

Oben angekommen, eröffnet sich einem gleich der Blick auf das Highlight unseres Besuches. Die relativ neue 4er Sesselbahn Plattja-Seetalhorn. (Bj. 2017). Die Bahn ersetzte damals eine 2erSesselbahn von VonRoll-Habegger, welche im selben Jahr wie die Gondelbahn Grächen-Seetalhorn, 1984, ihren Betrieb aufnahm. Die neue Situation ist aus skifahrerischer Sicht heute um Meilen besser als zuvor. Einerseits wurde die Piste noch ein wenig verlängert, anderseits dauert die Fahrt mit der neuen, kuppelbaren Anlage deutlich weniger lange als mit dem alten, fixen Exemplar. Als Nostalgiker aber schmerzt es, ging mit der DSB doch eine weitere Lattensesselbahn zu Grunde. Alles in allem ist die neue Bahn aber eine deutliche Aufwertung des Gebietes.
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Bergstation der Sesselbahn Stafel-Seetalhorn. Im Hintergrund schleicht sich bereits die neue Plattjabahn ins Bild
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Bergstation im Detail
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Ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Bergstation der abgebauten, weiter oben bereits angesprochenen Gondelbahn Grächen-Seetalhorn. Nach der Stilllegung bediente man übrigens auch das dazugehörige Restaurant auf dem Seetalhorn nicht mehr. Stehen tut es aber noch...

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Neuer und erfreulicher anzusehen ist dagegen die Sesselbahn Plattja. Ein 0815 Exemplar aus dem Hause Doppelmayr/Garaventa.

Nach einigen Impressionen auf dem Seetalhorn stand der Plattjaabfahrt nichts mehr im Wege. Die Piste war schlichtweg ein Traum zum fahren. Landschaftlich beeindruckend, nicht überlaufen, perfekt präpariert, nicht zu kurz und toll zum Carven! Die Talstation befindet sich etwas weiter östlich als die des Vorgängers. An jenem Standort standen bis vor einiger Zeit noch Überreste einer weiteren Seilbahn am Seetalhorn. Der DSB Gabelhorn, baugleich derjenigen am Plattja. Die Bahn hatte nur eine kurze Lebenszeit. 1985 gebaut wurde sie 2004 bereits wieder stillgelegt. Das Konzept, die Bahn als "Freeride-Anlage" zu betreiben war auf Grund der Gerölllandschaft kaum möglich und richtige Pisten besass die Bahn nicht. Einzig zwei Ziehwege oben und unten, welche die Plattjapiste etwas verlängerten.
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Sesselbahn Plattja, ja das Wetter war wahrlich der Traum :wink:
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Landschaft beim Seetalhorn, rot umkreist das ehemalige Bergstationshäuschen der erwähnten Gabelhorn-Sesselbahn. Steht ziemlich verlassen in der trostlosen Gegend...
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Traumpiste Plattja

Die neue Bahn ist zweifellos eine deutliche Aufwertung - dennoch empfinde ich die jetzige Lösung als nicht optimal. Das erste Pistenstück teilt man sich mit der Abfahrt nach Stafel und ist ein richtiger Problemhang. Bereits am Morgen ist die Piste mit Sulzhäufen übersäht. Meiner Meinung nach hätte man diesem Problem ausweichen können, wenn man die Bergstation der Bahn exakt vor dem angesprochenen Schlussstück gebaut hätte und auf das letzte Stück verzichtet hätte. Die richtige Plattjapiste wäre immer noch erschlossen und der Sulzhang entlastet. Schade!
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Der Problemhang

Nach einigen Abfahrten stand die Piste zurück zum Stafel auf dem Programm. Landschaftlich zwar sehenswert ist sie skifahrerisch, jedenfalls bis zur Mittelstation, eine Enttäuschung. Dem angesprochenen Sulzhang folgt einen weiteren, der dann wiederum einem ellenlangen Ziehwegstück weicht. Erst nach der darauf folgenden Mittelstation der Sesselbahn Stafel-Seetalhorn wird die Piste wieder interessant zum fahren.

Genug negatives: Es war bereits nach Mittag, also besorgten wir uns etwas zu essen: Von Stafel aus gings über einen weiteren Ziehweg zurück zur Hannigalp. Im vergangenen Jahr modernisierten Restaurant versorgten wir uns mit der nötigen Energie für den Nachmittag. Das Essen schmeckte, das Ambiente sprach an - ein empfehlenswertes Lokal!

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Blick auf die Hannigalp. Rechts das kürzlich umgebaute Restaurant. Im Vordergrund übrigens die Sesselbahn Bärgji

Nach dem Rast verweilten wir noch einige Zeit im Teil Hannigalp. Die Pisten dort waren immer noch ausgezeichnet zum fahren.
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Bergstation Skilift Furrgen 2 am Nachmittag. Und wo es einen Furggen 2 hat...
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...muss es auch die Nummer 1 geben! Dieser Lift ist unschwer zu erkennen ein Produkt Pomas. 1980 wurde der KSSL gebaut. Um in Richtung Seetalhorn zu kommen, muss man aber zwingend seinen älteren Bruder fahren, dieser befindet sich nämlich weiter rechts.

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Schlepplift Furggen 1

Nach einigen Abfahrten am Furggen und an der Sesselbahn Bärgji gings wieder hoch in Richtung Seetalhorn.
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Gegenlichtaufnahmen an der 4-SBK/B Stafel-Tosso-Seetalhorn
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Fahrt mit der Sesselbahn Plattja
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Traurige Überreste der ehemaligen DSB Plattja-Seetalhorn

Die Piste Plattja fuhren wir noch einige Male, ehe wir mit der Piste Seetalhorn-Stafel die Talstation der Sesselbahn aufs Seetalhorn aufsuchten. Mit ihr fuhren wir noch 2-3 Mal bis zur Mittelstation. Danach, es war mittlerweile nach 15 Uhr, zog es uns zur Hannigalp, um mit der Talabfahrt die letzte Piste des Tages zu bewältigen
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Mittelstation der Sesselbahn Stafel-Seetalhorn
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Bergstation des Zubringers aus Grächen auf der Hannigalp
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Gleich zu Beginn der Talabfahrt stösst man auf die zwei Übungslifte Härdera 1+2, der eine wird mit Tellern, der andere mit Bügel betrieben
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Impressionen der 8-KBK Grächen-Hannigalp zum Ende der Bilderreihe

Fazit
Alles in allem finde ich das Skigebiet ausgezeichnet. Wenn man den Pistenplan von heute mit dem vor 20 Jahren vergleicht, muss man allerdings sagen, das damals das Skigebiet vielleicht noch etwas besser war. Interessantere Lifte, mehr Pisten. Aber wer weiss, vielleicht kommt die schon lange angekündigte Sesselbahn zum Wannihorn doch noch. Die Hoffnung stirbt zuletzt! Ich bin jedenfalls gespannt, was die Zukunft in Grächen bringt.


Voilà - ich hoffe der Bericht hat gefallen und freue mich auf allfällige Feedbacks.
Mfg Leocat :D :lol:

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