Pizol • 05. Januar 2006

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Felix
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Pizol • 05. Januar 2006

Beitrag von Felix » Do, 07.01.2016, 16:24

Pizol • 05. Januar 2006

Seit dem Jahr 1954 wurden die Hänge unterhalb des markanten Pizol-Gipfels sowohl von Bad Ragaz als auch von Wangs-Vilters aus mit je zwei Sektionen umfassenden Kleinkabinen-Umlaufbahnen erschlossen. In Bad Ragaz setzte man seinerzeit auf das schon mehrfach bewährt eingesetzte Zweiseilumlaufbahnsystem mit Wallmannsbergerklemmen, während auf Wangser Seite das erst einmalig zuvor in Crans-Montana erprobte Einseilsystem der Firma Oehler zum Einsatz kam. Letztendlich erwies sich das Wallmannsberger-System als zuverlässiger, sicherer und langlebiger, sodass die Anlage in Wangs bereits 1975 durch eine Von-Roll-Umlaufbahn Typ VR102 ersetzt werden musste, während die von Bell Kriens konstruierte Bahn in Bad Ragaz noch weiterhin in Betrieb bleiben konnte.

Ab der Jahrtausendwende kristallierte sich jedoch heraus, dass beide Anlagen in naher Zukunft (in Bad Ragaz erstmalig und in Wangs erneut) ersetzt werden müssten. Nachdem in den 90er Jahren ein wahres Wettrüsten zwischen Ragazer und Wangser Seite in drei neuen kuppelbaren Sesselbahnen resultierte, stand es um das erneute Investitionspotential jedoch nicht gerade gut. Zur Debatte stand etwa, nur eine der beiden Anlagen zu ersetzen und die jeweils andere ersatzlos aufzubelassen, da beide Anlagen nur als Zubringer ohne lohnenswerte Talabfart operierten - eine Option, die keiner der beiden Talorte akzeptieren wollte. Die Streitigkeiten gipfelten letztendlich in der Wintersaison 2005/2006 darin, dass das Skigebiet kurz vor der kompletten Stilllegung stand, da keine Einigung erzielt werden konnte. Ein Käufer für die modernen Sesselbahnen war bereits gefunden, die restlichen Anlagen sollten den Hochofen von innen betrachten.

Diese Ungewissheit und die Tatsache, dass die Tage der letzten Zweiseilumlaufbahn System Wallmannsberger in der Schweiz gezählt waren, veranlassten mich im Weihnachtsurlaub 2005/2006 dazu, dem Gebiet einen ersten - und womöglich letzten - Besuch abzustatten. An jenem 5. Januar 2006 fand ich ausgezeichnete Wetterverhältnisse vor, wohingegen die etwas suboptimale Schneelage am Belag meiner Ski jedoch einige Spuren hinterliess. Letztlich wandte sich die Situation doch noch zum Guten, sodass beide Bahnen - Bad Ragaz 2007 und Wangs 2009 - durch neue Anlagen ersetzt werden konnten und der Betrieb damit weitergeführt werden konnte. Nur in seilbahntechnischer Hinsicht ging mit dem Abbau der Zweiseilumlaufbahn ein Juwel der Schweizer Seilbahngeschichte für immer verloren.

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Die Talstation der Pizolbahn im Zentrum von Bad Ragaz. Da der kleine Parkplatz an der Talstation auch dem geringen Andrang im Januar 2006 in keiner Weise gewachsen war, wurde die im Hintergrund sichtbare Strasse für weitere Stellplätze genutzt.

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Im Inneren der Talstation mit einer der Kabinen, die hier nicht seit 1954 im Einsatz waren, sondern erst nach dem Abbau der baugleichen Anlage in Arosa 1987 hier als Kapazitätsverstärkung eingesetzt wurde.

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Das markante Herzstück der Zweiseilumlaufbahn, das Wallmannsberger-Laufwerk mit Doppelklemme.

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Unterwegs im ersten längeren Spannfeld oberhalb der Talstation.

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Im oberen Drittel der mehrheitlich unspektakulär und in Bodennähe trassierten ersten Sektion.

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Trotz der gemächlichen Geschwindkeit der Bahn war schon bald die Mittelstation Wildboden erreicht, wo sich einige weitere Parkplätze befanden. Bis zu dieser Station führte auch eine markierte, aber nicht präparierte Abfahrtsroute. Auch bis Bad Ragaz konnte man bei ausreichender Schneelage abfahren, allerdings nur über einen inoffiziellen Waldweg.

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Beim Blick nach oben wurde das gewaltige Spannfeld deutlich, das diese Bahn überwand. Am Boden waren in diesem Bereich zusätzliche Rollen angebracht, die das herunterhängende Zugseil im Fall, dass keine Kabinen am Seil hingen, vom Schleifen am Boden abhielten.

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Nach einer Kombination von drei Zwischenstützen kam die Bergstation Pardiel in Sichtweite.

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Einen kurzen Anfängerhang unterhalb der Station Pardiel erschloss ein Schlepplift Marke Garaventa.

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Zum höchsten Punkt auf Bad Ragazer Seite gelangte man mit der Sesselbahn Pardiel-Laufböden, ein Doppelmayr-Exemplar mit Hauben, das einige Jahre nach dieser Aufnahme mit zusätzlichen Sesseln ohne Hauben ergänzt wurde. Die Anlage ersetzte einen Kombilift desselben Fabrikats, der hier gut 40 Jahre seinen Dienst verrichtete.

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Die damals neueste Seilbahnanlage stellte der Verbindungslift zwischen Ragazer und Wangser Seite des Skigebiets dar - ein flacher Garaventa-Schlepplift, der in beide Richtungen Personen transportierte.

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Der phänomenale Ausblick auf das Rheintal.

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Wenn auch nicht ganz so interessant wie die Zweiseilumlaufbahn, auch das Pendant in Wangs wollte gefahren und abgelichtet werden. Schon damals handelte es sich um eine der letzten Kabinenbahnen des Typs VR102 von Von Roll.

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Im Inneren der keineswegs schönen, aber zweckmässigen Mittelstation Maienberg, wo sich die Antriebe beider Sektionen befanden.

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Bergfahrt mit der Kabinenbahn Maienberg-Furt.

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Impressionen rund um die Bergstation.

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Unterwegs im kurzen Übungslift Furt.

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Schon die dritte Anlage auf dieser Trasse stellte die Sesselbahn Furt-Gaffia dar. Die Garaventa-Anlage ersetzte einen Kombilift von Oehler, der wiederum einem Exemplar des gleichen Typs der Firma Brändle folgte. Letztere Anlage wurde Mitte der 70er Jahre in Feldis wieder aufgestellt.

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Die insgesamt vierte Sektion bildete die Garaventa-Sesselbahn Gaffia-Pizolhütte.

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Die von ihr erschlossenen Hänge wurden im oberen Drittel durch den Schlepplift Weisse Steine-Pizolhütte gedoppelt.

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Die Wangser Seite des Verbindungslifts am späteren Nachmittag.

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Der Nordhanglage ist es geschuldet, dass das Skigebiet am Pizol im Hochwinter kaum Sonnenstrahlen einfangen kann. Lediglich an der Sesselbahn Laufböden wärmte Sonne ein wenig.

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Ein regelrechtes Schattenloch erschloss dagegen der Schlepplift Schwamm, ein steinaltes Garaventa-Exemplar. An seiner Talstation startete die Abfahrtsroute zur Mittelstation Wildboden der Zweiseilumlaufbahn. Er existiert bis heute, wenngleich ein Ersatz durch eine Sesselbahn seit Jahren beschlossene Sache und nur noch eine Frage der Finanzierung ist.

Nächster Bericht: Braunwald • 28. Februar 2006
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