Braunwald • 28. Februar 2006

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Felix
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Braunwald • 28. Februar 2006

Beitrag von Felix » So, 28.02.2016, 23:03

Braunwald • 28. Februar 2006

Schon nach der Wintersaison 2004/2005 wurde in Braunwald die damals drittletzte VR101-Seitwärtssesselbahn der Schweiz stillgelegt, da die Betriebsbewilligung auslief. Ähnlich wie einige Jahre später auch in Kandersteg und am Weissenstein gab es Bestrebungen, die Anlage aufgrund ihres nostalgischen Flairs zu erhalten, doch letztlich scheiterte das Vorhaben sowohl an der Finanzierung als auch an der technischen Machbarkeit. Da bis zur folgenden Wintersaison jedoch keine Ersatzanlage mehr rechtzeitig bereitgestellt werden konnte, blieb die altehrwürdige Von-Roll-Sesselbahn noch einen weiteren Winter stehen - im wahrsten Sinne des Wortes, denn Rollen sollten sich dennoch keine mehr drehen. Mangels Bewilligung konnte die Anlage nicht mehr betrieben werden und auch eine Ausnahmegenehmigung wurde nicht erteilt.

Um dennoch das Berghaus am Kleinen Gumen sowie den dortigen kurzen Schlepplift an das restliche Skigebiet von Braunwald anbinden zu können, wurde eine Pistenraupe umgebaut und einen Winter lang als "Gumen-Taxi" betrieben. Vom Grotzenbüel aus konnten etwa acht Personen die Fahrt über die schmale Piste hinauf zur Talstation des Schlepplifts Gumen antreten. Eine ziemlich einmalige Situation, und doch wäre mir eine Fahrt mit der VR101 natürlich deutlich lieber gewesen. Aber immerhin liess es der Tagesausflug am 28. Februar 2006 noch zu, wenigstens ein paar Erinnerungsaufnahmen der alten Sesselbahn zu schiessen.

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Bergfahrt mit der Standseilbahn nach Braunwald, deren Wagen damals noch in gelb bzw. blau gehalten waren.

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Auch die Kabinen der beiden Sektionen Gruppenumlaufbahn zum Grotzenbüel hatten seinerzeit noch eine andere Farbe als heute. Hier an der unteren Sektion Braunwald-Hüttenberg.

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Die markanten Stützen der zweiten Sektion nach der Ausfahrt aus der Talstation.

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Mehr oder weniger unverändert kommt auch heute noch der Schlepplift Mattwald daher - eine Streiff-Anlage mit Hexenhaus als Talstation.

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Gepaart mit den aussergewöhnlichen Stützen ist die Anlage ein ziemliches Unikum.

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Nicht weniger interessant kamen die beiden baugleichen Streiff-Sesselbahnen am Seblengrat daher, damals noch mit den originalen Sesseln. Diese wurden einige Jahre später bei beiden Anlagen ersetzt, geblieben sind aber auch hier die ungewöhnlichen Stützenkonstruktionen.

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Die interessantesten Pisten fanden wir im Bächital vor. Leider zog es sich allerdings bereits um die Mittagszeit immer weiter zu und begann schliesslich zu schneien.

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Angekommen auf dem Seblengrat.

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Vor der Mittagspause wollten wir dann aber unbedingt noch auf den Gumen fahren - notgedrungen mit dem halbstündig kursierenden kuriosen Raupen-Taxi.

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Der Schlepplift Gumen, ein steinaltes Städeli-Exemplar mit einer interessanten Auswahl an verschiedenen Gehängen und einem Seilscheibenausstieg.

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Der eigentliche Grund für den Besuch - die VR101 Braunwald-Kleiner Gumen. Inzwischen steht an dieser Stelle eine Kombibahn mit Viererkabinen und Seitwärtssesseln. Es ist wirklich schön, dass man in Braunwald einen vernünftigen Kompromiss gefunden hat und die Nostalgie zumindest ansatzweise noch erfahren kann - ganz im Gegensatz zu den beiden anderen VR101, die in den folgenden Jahren stillgelegt wurden.

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Nach dem Mittagessen im relativ leeren Restaurant Gumen ging es wieder in den anderen Skigebietsteil zurück. Ohne Gumenbahn war es dann doch nicht wirklich spannend hier oben.

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Während des Nachmittags besserte sich das Wetter wieder ein wenig, sodass man immerhin ein paar Eindrücke der umliegenden Berggipfel erhaschen konnte. Mit Seitwärtssesseln hätte das Motiv natürlich weitaus mehr hergemacht.

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Re: Braunwald • 28. Februar 2006

Beitrag von Schöditaz » Di, 01.03.2016, 19:42

Merci für den Beitrag von einem Gebiet, das ich schon lange gerne besuchen würde. Schade ist es natürlich schon, dass die VR 101 nicht mehr in Betrieb war, aber immerhin hat man ja eine provisorische Ersatzlösung installiert.

In der Fotogalerie schreibst du zur 2. Sektion der Gruppenbahn, dass diese eine Fehlplanung sei. Wieso ist die Bahn so schlecht bei dir angekommen? Und stimmt es, dass die Bahn zuerst 4 Gruppen hatte?

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Re: Braunwald • 28. Februar 2006

Beitrag von Felix » So, 06.03.2016, 17:40

Schöditaz hat geschrieben:In der Fotogalerie schreibst du zur 2. Sektion der Gruppenbahn, dass diese eine Fehlplanung sei. Wieso ist die Bahn so schlecht bei dir angekommen? Und stimmt es, dass die Bahn zuerst 4 Gruppen hatte?
Die Formulierung in der Fotogalerie ist etwas überspitzt, das war damals wohl in einem Anfall jugendlichem Leichtsinn als ich das geschrieben habe ;). Aber grundsätzlich ist es schon so, dass ich kein Fan von diesen Gruppenbahnen bin. Ja, sie mögen im Unterhalt sicher günstiger sein als eine Pendelbahn oder kuppelbare Kabinenbahn, aber zum Skifahren finde ich sie einfach extrem unpraktisch. Und gerade in Braunwald ist die Kapazität relativ gering bemessen für eine Hauptbeschäftigungsanlage. Das hatte man ursprünglich versucht, mit den vier Kabinengruppen zu verbessern, aber durch das Anhalten in der Streckenmitte verlängerte sich dann die Fahrzeit wiederum. Wann man die Anzahl der Kabinengruppen auf zwei reduziert hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber man sieht auf einem der Fotos oben noch die Kabinennummer 5.1, allzu lange kann das also 2006 noch nicht her gewesen sein.
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Re: Braunwald • 28. Februar 2006

Beitrag von Hösi » Sa, 29.04.2017, 16:12

Glaub mir diese GUB, wie sie auch genannt wird, war eine Fehlplanung. Es hätte zu der Zeit schon viel modernere und wartungsleichtere Bahnen gegeben. Für diesen wunderschönen Ferienort, wäre eine koppelbare Gondelbahn vom Tal her viel lukrativer gewesen. Doch die damaligen Umstände ( Welche ist egal :roll: ), haben es es nicht zugelassen , ein Projekt vom Tal her in Angriff zunehmen.
Desweiteren hat man im Verlauf der Jahre die Gruppen 3 und 4 vom Seil genommen und so eine Umlaufende Pendelbahn daraus gemacht.

Die neue Kombibahn Gumen, ist wirklich ein Tolles Model. Nur hätte ich den Standort gewechselt und sie ein wenig näher zu Talstation der GUB plaziert. Auch hätte ich den Förderer für das Ein- und Ausgaragieren komplett Automatisch gemacht. Aber Ansosten wie gesagt eine super Seilbahn.
Ich verstehe euch Seilbahnnostalgiker das Ihr die alte Gumenbahn ( VR101 )noch ein wenig länger in Betrieb gelassen hättet, aber muss auch im noch so kleinen Ferienort der Touristischefortschritt stetig erneuert werden. Die Gäste wollen halt so schnell und bequem auf den Berg wie es geht. :)

Darum würde ich auch den Skilift beim Mattwald einstellen und dort eine Sesselbahn bauen. Durch die warmen Winter ist es dort immmer schwieriger ein anstäniges Bahntrasse zu errichten. Durch ein Sesselbahn würde die Trassearbeit wegfallen.
Und da der Skilift auf dem Gumenberg auch die Konzession verloren hat, könnte man den Mattwaldlift in verkürzter Version auf dem Gumen wieder in Betrieb nehmen. Aber das sind nur meine Gedanken :P

Alles in allem, Super Bilder die du da gschossen hast, auch die von den damals noch blauen und gelben Wagen der Standseilbahn. ( Die sind heute Rot-Weiss ).

PS: GUB heute gelbe Gondeln und die Sessellifte Seblengrat und Bächital haben gepolsterte gelb-blaue Sitze gekriegt. An allen drei Anlagen wurde die Steuerung erneuert und die GUB erhielt auch einen neuen Motor.
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Re: Braunwald • 28. Februar 2006

Beitrag von Felix » Mo, 01.05.2017, 11:10

Hösi hat geschrieben:
Sa, 29.04.2017, 16:12
Glaub mir diese GUB, wie sie auch genannt wird, war eine Fehlplanung. Es hätte zu der Zeit schon viel modernere und wartungsleichtere Bahnen gegeben. Für diesen wunderschönen Ferienort, wäre eine koppelbare Gondelbahn vom Tal her viel lukrativer gewesen. Doch die damaligen Umstände ( Welche ist egal :roll: ), haben es es nicht zugelassen , ein Projekt vom Tal her in Angriff zunehmen.
Natürlich hätte es aus technischer Sicht andere Möglichkeiten gegeben. Allerdings muss man bedenken, dass eine Bahn mit Kuppeltechnik vermutlich deutlich teurer gewesen wäre als die Gruppenumlaufbahn. Aber ich gebe dir Recht, die jetzige Lösung ist zum Skifahren ziemlich suboptimal. Im Sommer stört die Bahn natürlich deutlich weniger.
Hösi hat geschrieben:
Sa, 29.04.2017, 16:12
Ich verstehe euch Seilbahnnostalgiker das Ihr die alte Gumenbahn ( VR101 )noch ein wenig länger in Betrieb gelassen hättet, aber muss auch im noch so kleinen Ferienort der Touristischefortschritt stetig erneuert werden. Die Gäste wollen halt so schnell und bequem auf den Berg wie es geht. :)
Das bezweifle ich nicht, aber ich sehe es trotzdem nach wie vor so, dass eine echte Nostalgie-Anlage auch wunderbar als Werbemittel genutzt werden könnte. Gerade bei einer VR101, bei der auch jeder Laie auf den ersten Blick sieht, dass es sich dabei um etwas Besonderes handelt. Der Skifahrer, der möglichst schnell auf dem Berg sein will und x Höhenmeter pro Tag machen will, der fährt ohnehin nicht nach Braunwald. Mit der Kombibahn hat man ja aber einen schönen Kompromiss gefunden.
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Re: Braunwald • 28. Februar 2006

Beitrag von Hösi » Mo, 01.05.2017, 19:26

Kann ich dir bei beiden Punkte zustimmen.
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