Visperterminen | 05.04.2009 | Privatskigebiet

Winterberichte aus dem Juragebirge und den Kantonen Wallis, Waadt und Freiburg.
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Felix
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Visperterminen | 05.04.2009 | Privatskigebiet

Beitrag von Felix »

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Ein Privatskigebiet, welcher Skifahrer hat nicht schon einmal davon geträumt, die Pisten den ganzen Tag alleine unsicher zu machen? In den USA soll es zukünftig so etwas geben, doch für Normalsterbliche zu unbezahlbaren Preisen. Doch warum erstens in die USA und warum zweitens warten, wenn man ein solches Skigebiet doch praktisch vor der Haustür hat? Nein, ich spreche nicht vom Skigebiet Les Giettes, das einem Restaurant gehört und nur für die deren Gäste zur Verfügung steht, sondern von einem Skigebiet in den Vispertälern. Visperterminen, oder wie man dort zu sagen pflegt, Tärminu, ist sicher kein Skiort, von dem die breite Masse schon einmal etwas gehört oder gesehen hat. Weinkennern ist der Ort da schon eher ein Begriff, denn Visperterminen gilt als der höchstgelegene Weinberg Europas. Genau wie Grächen wird das Skigebiet auf dem Weg in die Touristenhochburgen der Vispertäler unbeachtet links liegen gelassen. Vom Talboden aus ist gar nicht einmal zu erahnen, dass es dort oben überhaupt geeignete Skihänge gibt. Während meinem Besuch war dies auch deutlich spürbar, denn genau genommen fuhren auf vier verschiedenen Pisten ingesamt drei Leute, inklusive meinem Vater und mir...

Der Aufbau des Skigebietes ist schnell erklärt. Eine Zubringerbahn in Form einer kuppelbaren Sesselbahn von Garaventa ermöglicht den Zugang ins Gebiet. Die Bahn verwendet die Stützen des Vorgängers, eine fixe Sesselbahn von Städeli, weiter. Als zweite Sektion fungiert der Skilift Giw-Rothorn, ein neueres Produkt von der Metall- und Stahlbau AG Werner Fercher. Die Firma war in den letzten Jahren bei sehr vielen Walliser Bahnen für den Bau verantwortlich, so z. B. auch bei der Seilbahn Gant-Hohtälli in Zermatt. Ich gehe davon aus, dass die Firma die Teile für Hersteller nach deren Plänen produziert. Auch im Falle des Skilifts Giw-Rothorn dürfte es sich nicht um eine eigene Konstruktion handeln, sondern um einen Skilift mit vielen Teilen von Bühler. Nicht wirklich erstaunlich ist daher auch die Tatsache, dass der Lift eine Zwirbelkurve aufweist. Einen Vorgänger hatte der Lift ebenfalls: 1967, im gleichen Jahr wie die erste Sektion, wurde hier ein Skilift gebaut. Dabei wird es sich vermutlich ebenso um ein Städeli-Produkt gehandelt haben. Dritte und letzte Anlage stellt der Skilift Sennturm-Bord dar. Der steile Küpfer-Skilift erschliesst ein paar weitere Skipisten und ist über einen Ziehweg von Giw aus zu erreichen.

Im Vorfeld war uns bereits die Meldung auf der Homepage der Bergbahnen ins Auge gesprungen, dass die Hauptanlage im Gebiet und eine von zwei Beschäftigungsanlagen, der Skilift Giw-Rothorn, wegen eines Schadens an der oberen Umlenkscheibe den Betrieb diese Saison nicht mehr aufnehmen können würde. Dennoch entschieden wir uns dazu, ein paar Fahrten am verbliebenen Skilift Sennturm-Bord zu machen und kauften uns eine Tageskarte für die Region rund um Visp. Darin integriert sind die Skigebiete Visperterminen, Gspon, Bürchen, Unterbäch und Eischoll. Nach Bürchen und Unterbäch sollte es dann am Nachmittag noch gehen, Eischoll war bereits geschlossen. An der Talstation angekommen, stellten wir erstaunt fest, dass der Lift überhaupt nicht fuhr. Nach dem Kauf der Karten stellte sich dann heraus, dass er nur angestellt wurde, wenn Leute damit fuhren. Und da ausser uns schon ganze zwei Personen zum Skifahren gingen, war der Lift entsprechend nicht gerade sehr oft frequentiert.

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Ein Blick auf die Talstation dieses Garaventa Kompakt-Express. Für kleinere Skigebiete ist eine solche kleine, einfache kuppelbare Sesselbahn gold wert!

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Mit der Verwendung der bestehenden Stützen konnte wiederum viel Geld gespart werden. Deutlich zu erkennen die verstärkten Joche und Anhebeböcke.

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Im unteren Teil verläuft die Strecke relativ flach, im Mittelteil wird es steiler und es geht durch dichten Wald. Die Talabfahrt war zwar offiziell gesperrt, wäre aber laut der Dame an der Talstation noch fahrbar gewesen. Während der Bergfahrt stellte sich jedoch heraus, dass man mehrmals die Skier hätte abschnallen müssen.

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Auf Giw angekommen sind wir bis auf die beiden angesprochenen Skifahrer die ersten im Gebiet. Da einer von ihnen sich schon gleich ins Restaurant aufmachte, führt nur eine Spur in Richtung des Skilifts Sennturm. Der Mann auf dem Bild war kurze Zeit nach uns in den Lift eingestiegen. Nach ihm wurde der Lift wieder abgestellt.

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Bevor wir uns zum Skilift Sennturm aufmachten, fotografierte ich noch den defekten Skilift Rothorn. Deutlich zu erkennen ist bei der Talstation der Bühler-typische fahrbare Antrieb mit hydraulischer Abspannung. Die Talstation des Vorgängers steht versetzt links daneben.

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Zoom zu einer Stütze, welche ein wenig an jene des Skilifts Vallatscha in Minschuns erinnert. Eventuell hat hier auch Von Rotz oder TTC die Finger im Spiel gehabt? Und - nein, der Bügel im Vordergrund war nicht der Grund dafür, dass der Lift nicht fuhr ;)

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Das Panorama ist einmal mehr wallistypisch genial: Hinter dem ersten Bergrücken versteckt sich Gspon, dahinter findet man das Skigebiet von Grächen und über allem thront das Weisshorn bzw. die Mischabelgruppe.

Über einen pickelhart gefrorenen Weg, im Sommer eine Fahrstrasse, ging es zur Talstation des Skilifts Sennturm. Dieser lief zwar, dennoch war nicht wirklich zu erkennen, ob er geöffnet war, denn ein Schild an der Talstation signalisierte, dass man nicht fahren dürfte. Eine Nachfrage beim Liftwart ergab jedoch, dass man fahren könnte. Interessanterweise war das Drehkreuz bereits abgebaut, den Lift konnte man theoretisch auch ohne gültige Karte benutzen.

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Einstiegsbereich Skilift Sennturm

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Die Talstation in den Küpfer-typischen Farben und dem Rhônetal im Hintergrund

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Die Liftfahrt gestaltete sich schwierig. Genau genommen hatte ich noch nie derartige Probleme, einen Skilift zu fahren. Das Trassee war vollkommen vereist, der Lift extrem steil und was noch viel schlimmer war, das Seil vom Bügel war viel zu kurz, sodass man es an manchen Stellen gar nicht fertig brachte, mit beiden Skiern auf dem Boden zu bleiben! Kult pur :D

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Der obere Teil war zwar etwas flacher, aber nicht weniger spektakulär: Äste lagen im Weg und teilweise war überhaupt kein Schnee mehr da!

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Kurz vor der Bergstation konnte man einen Teil des Skilifts Rothorn erkennen, der noch etwa 200 Meter weiter hoch führt. Offenbar war auf der Bergseite das Seil von mehreren Stützen gefallen, kein Wunder, dass der Lift nicht mehr lief!

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Diese harte, aber schöne Piste ging es nun hinunter. Während auf solch einer Piste in einem grossen Skigebiet sicher zahlreiche selbst überschätzte Anfänger die Piste blockieren, hat man das Problem hier nicht. An jenem Tag sowieso nicht, denn es war ja niemand da, aber selbst bei viel Betrieb (oder ist das ein Fremdwort für Visperterminen?) dürfte hier niemand im Weg stehen, denn der Skilift sortiert jegliches Gemüse schon vor der Bergstation aus ;).

Die Piste hinunter zur Talstation war zwar noch sehr hart, aber wunderschön trassiert durch den Wald, viele Kurven, natürliche Kuppen und gut präpariert - genau wie ich es mag. Nach einer weiteren Fahrt am Skilift Sennturm ging es zurück nach Giw. Unterwegs kreuzten wir den Skilift Rothorn, der in diesem Teil noch unversehrt aussah. Glücklicherweise hatte man einen Blick bis zur Zwirbelkurve, die mit ihrem schrägen Umlenkturm doch etwas speziell aussah. Ich vermute stark, dass der Vorgänger an dieser Stelle aufhörte. Mit der Verlängerung werden allerdings noch einige weitere Pisten erschlossen, was das Gebiet deutlich aufwertet.

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Skilift Rothorn mit Zwirbelkurve

Wieder auf Giw angekommen baten wir den Liftwart darum, den Lift für die Talfahrt wieder anzuschalten. Obwohl es erst 11.00 Uhr war, ging es bereits wieder ins Tal, denn inzwischen hatten wir die Pisten gesehen und machten uns auf den Weg nach Bürchen. Etwas ungläubig schaute uns der Liftwart an, dass wir schon wieder gehen wollten (durchaus verständlich, denn damit hatten auf einen Schlag 50% der Gäste das Skigebiet verlassen ;)), doch schlussendlich stellte er den Lift an.

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Wieder angekommen in Visperterminen, wo sich neben der Talstation eine grosse Sport- und Freizeitanlage befindet.

Fazit: Das Skigebiet ist, ähnlich wie Grächen, aber mit ganz anderem Charakter, einer der Geheimtipps im Wallis. Ohne den Skilift Rothorn hat man es zwar schnell gesehen, aber ich werde sicher noch einmal kommen, wenn der Lift wieder in Betrieb ist, um mir ein Bild vom Gebiet zu machen, wenn es komplett befahrbar ist. Denn die zwei Beschäftigungsanlagen erschliessen jede 3 unabhängige Pisten, was zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Lift- und Pistenkapazität sorgt, wie man sie in anderen Gebieten kaum noch finden wird. Auch die Talabfahrt sah durchaus ansprechend aus, zumindest im unteren Teil. Dementsprechend kann ich einen Besuch von Visperterminen nur empfehlen. Liebhaber von modernen Anlagen und breiten Carvingabfahrten wird das Gebiet sicher nichts sagen, aber diejenigen, die kultige und kleine Skigebiete mögen, kommen hier voll auf ihre Kosten!


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Königsspitze
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Re: Visperterminen | 05.04.2009 | Privatskigebiet

Beitrag von Königsspitze »

Danke für den Bericht! Dieses Jahr hast du wirklich "schwein" mit dem Wetter w! Jedes Mal Sonne Pur! :wink:

Jetzt seh ich mal wie das Skigebiet von Visperterminen aussieht! Nicht schlecht aber find es trotzdem bisschen klein...! Aber die KSB sieht kultig aus mit den alten Stützen ! 8)

Hoffe es kommen jetzt Bilder der SB3 in Bürchen? :D

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Felix
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Re: Visperterminen | 05.04.2009 | Privatskigebiet

Beitrag von Felix »

Königsspitze hat geschrieben:Danke für den Bericht! Dieses Jahr hast du wirklich "schwein" mit dem Wetter w! Jedes Mal Sonne Pur! :wink:

Jetzt seh ich mal wie das Skigebiet von Visperterminen aussieht! Nicht schlecht aber find es trotzdem bisschen klein...! Aber die KSB sieht kultig aus mit den alten Stützen ! 8)

Hoffe es kommen jetzt Bilder der SB3 in Bürchen? :D
Hehe, ja, diesmal hatte ich wirklich Glück mit dem Wetter. Nur 1,5 Tage bewölkt und sonst immer Sonnenschein :D

Bürchen kommt als nächstes. Dann gibt es auch viele Bilder von der Sesselbahn. ;)
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Dani
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Re: Visperterminen | 05.04.2009 | Privatskigebiet

Beitrag von Dani »

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Interessant, ich würde auf eine TTC Konstruktion tippen. Der Skilift auf der Mörlialp hat glaub ich so eine Station, dann noch einer in Veysonnaz und ich glaub der Lift in Langis/Glaubenberg ist auch noch so einer?
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