36/45/100-LPB Fiesch-Fiescheralp-Eggishorn (Fiescheralp)

Technik-Reportagen aus dem Juragebirge und den Kantonen Wallis, Waadt und Freiburg.
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Kabinenzug
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36/45/100-LPB Fiesch-Fiescheralp-Eggishorn (Fiescheralp)

Beitrag von Kabinenzug » Di, 03.03.2020, 20:55

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36/45/100-LPB Fiesch-Fiescheralp-Eggishorn (Fiescheralp)

Technische Daten 36-LPB Fiesch-Fiescheralp 1
Technische Daten 100-LPB Fiesch-Fiescheralp 2
Technische Daten 45-LPB Fiescheralp - Eggishorn

Wer kennt ihm schon nicht, der Aletschgletscher? Das erste mal, als ich ihm auf einem Bild gesehen hatte, welches vom heute massentouristisch besiedelten Jungfraujoch geschossen wurde, dachte ich mir, dass der Gletscher eher ein Nebelmeer war. So ungewöhnlich war es damals für mich, das es so grosse Eismassen in der Schweiz überhaupt geben konnte.
Glücklicherweise hatte ich dieses eigene Bild kurze zeit später mir vollkommen aus dem Kopf verdrängt.

Die nicht zu unterschätzende Grösse des Aletschgletschers war den Wanderern und Bergsteigern schon früh ein Begriff. Mit der Industrialisierung der Welt und der Belle Époque wurde die Vision einer Erschliessung des Jungfraujochs für Touristen greifbar nahe, und die Berner hatten nach harter Arbeit eine Bahn erschaffen, die nach der Eröffnung Handfest ist und Füsse bewegt. Auf der anderen Seite des Gletschers herrschte immer noch die unberührte Bergdorfstimmung. Dies sollte sich nach den schlimmsten Ereignissen in der Weltgeschichte ändern.

Nach den beiden Weltkriegen war die Geburtsstunde des Wintersports bestimmt. Ab den 50er-Jahren schossen Neuerschliessungen wie Pilze aus dem Boden. Bald erkannte man auch in Fiesch, dass eine Investition in den Wintersport und Sommerangeboten von Vorteil sein würde, und so wagte man, das Eggishorn, das dem Besteiger einen Panoramablick auf den Aletschgletscher bietet, zu erschliessen. Sechszehn Personen schlossen sich dafür zu einem Initiativkommitee zusammen. Nach der Gründung der Luftseilbahnen Fiesch-Eggishorn AG und der ersten GV wurde festgelegt, dass zuerst eine erste Sektion auf die Fiescheralp führen soll. Eine weitere Sektion sollte danach von dort aus auf das bekannte Eggishorn führen. Für den Bau der Luftseilbahnen wählte man den Hersteller Garaventa aus Goldau. So konnte die erste Sektion nach zwei Jahren Bauzeit auf die Fiescheralp 1966 eröffnet werden. In den zwei Jahren danach baute man den Trainerlift sowie die Skilifte nach Felsch und Elsenlücke. Die zweite Sektion auf das Eggishorn folgte 1968.

Durch den Bau des Skiliftes Heimatt-Kühboden, den geplanten zweiten Skilift Elsenlücke sowie den steigenden Besucherzuwachs zeichnete sich ab, dass die erste Sektion nicht mehr den Kapazitiven Anforderungen genügte. So doppelte man im Jahr 1974 die Pendelbahn mit einer 100'er Pendelbahn von Garaventa auf paralleler Strecke. Die ursprüngliche Anlage wurde ab diesem Zeitpunkt bis zum Herbst 2019 nur noch für Materialtransporte, Verstärkungsfaktoren oder bei Revisionen an der grossen Pendelbahn eingesetzt. Sie wurde später im Jahr 1984 auf die heutigen 300 Pers./h umgebaut, vier Jahre später folgte die zweite Sektion mit 495 Pers./h. Nach und nach wurden danach die schon bestehende Infrastruktur für dem Skisport erneuert. Auch in der Organisation gab es merkliche Änderungen. Im Jahr 2017 fusionierte die ehemalige Luftseilbahnen Fiesch-Eggishorn AG zusammen mit den beiden weiteren Playern im Aletschgebiet, nämlich den Aletsch Riederalp Bahnen AG und Bettmeralp Bahnen AG, zur Aletsch Arena AG. So sollen die Bahnen am Aletschgletscher auch in Zukunft mit der Konkurrenz mithalten können.

Im Jahr 2016 kamen die ersten Pläne zu einem ÖV-Hub in Fiesch als Ersatz des alten Bahnhofes auf, welche auch die Basis für den Bau einer Bahn zur Fiescheralp legte, da die 100-Plätzige Hauptzubringerbahn von 1974 mit 45 Jahren ein hohes Alter erreicht hatte. Die neue Kabinenbahn, welche die beiden Pendelbahnen der 1. Sektion ersetze, ist jetzt mit maximal 7 m/s die schnellste dieses Typs in der Schweiz. Der Betrieb der 100'er Pendelbahn schon vorher aufgrund der Bauarbeiten eingestellt, die ältere parallele Sektion fuhr danach als einziger Zubringer nach Fiescheralp. Sie wurde dann später ebenfalls nach der Fertigstellung der Gondelbahn ausser Betrieb genommen.

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Von Luzern via Bern und Brig nach Fiesch vergingen etwas mehr als drei Stunden, ehe ich angefangen habe diese Konstellation festzuhalten.

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Die Einfahrt einer Kabine der älteren 36'er-PB.

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Einfahrt von Kabine 5 der 100'er-PB. Die Kabinen stammten von Métalléger in Sierre und wurden später durch Gangoloff revidiert. Auch die Gehänge stammen vom gleichen Hersteller. Nach einem Bruch im Bereich des Tragrohres bei der Felskinnbahn in Saas Fee mussten die Gehänge auch bei dieser Bahn zusätzlich verstärkt werden.

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Bergfahrt mit der 100'er-PB. Zwischen Talstation und Stütze 1 liegt Bahn eine Strecke von mehr als 1200 m zurück. Rechts in der Schneise für die neue Kabinenbahn wurde eine Materialseilbahn aufgestellt.

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Auf Bewegungsfahrt in hohen lüften. Die beiden Pendelbahnen der ersten Sektion prägten das Ortsbild von Fiesch stark. Dies traf auf die 100'er-Pendelbahn besonders zu, die mehr als zweimal so grosse Stützen gegenüber der älteren Anlage besass.

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Das Ziel: Eine massige Station auf der Fiescheralp.

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Die Station Fiescheralp kurz vor der Einfahrt.

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Die Kabine der 100'er-PB.

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Der Antrieb der zweiten Sektion auf das Eggishorn. Dieser besass ursprünglich zwei Backenbremsen auf der schnelllaufende Getriebewelle als Betriebsbremsen. Vor etwas mehr als 10 Jahren hat man diese auf eine Scheibenbremse umgerüstet.

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Aus einer anderen Perspektive. Die Spanngewichte für die Tragseile befinden sich eine Ebene weiter unten.

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Fast gegenüberliegend die etwas ältere Antriebsgruppe der kleineren und älteren ersten Sektion.

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Noch aus einer anderen Perspektive. Auch dieser Antrieb hatte ursprünglich als Betriebsbremse zwei Backenbremsen.

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Die Ward-Leonard-Gruppe der zweiten Sektion.

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Trag- und Zugseilablenkung der zweiten Sektion. Diese Bahn besitzt wie die originale erste Sektion mechanische Kopierwerke.

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Das Kommandopult der älteren ersten Sektion.

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Der Dieselmotor für den hydostatischen Notantrieb für wahlweise eine der beiden kleineren Sektionen. Auf der linken und der rechten Seite waren die Poller und die Tragseilreserven der ersten Sektion angebracht.

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Das Kommandopult der zweiten Sektion.

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Eine grössere Nummer ist der Antrieb der 100'er-PB. 500 kW elektrische Nettoleistung wird hier in mechanische Energie umgewandelt. Hier zu sehen das Getriebe, die elastische Kupplung sowie die Antriebssscheibe und die dazugehörigen Umlenksscheiben für die mehrfache Zugseilumschlingung

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Der Antriebsmotor und das Getriebe.

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Die Ward-Leonard-Gruppe.

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Der Dieselantrieb für die Räumung.

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Die Betriebs- und Sicherheitsbremse wirkten direkt auf die Antriebsscheibe. Diese Pendelbahn war, zusammen mit der Pendelbahn von Schwägalp auf den Säntis, einer der ersten welche mit einem servogesteuerten Bremsventil für die Regulierung von direkt wirkenden Betriebsbremsen ausgestattet wurden.

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Die gegenüberliegenden Umlenksscheiben. Auf diesem waren die elektronischen Kopierwerke angebracht.

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Das Kommandopult der 100'er-PB. Die Steuerung wurde in den 90er-Jahren erneuert.

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Während der Einfahrt gab es noch ein Shooting vom Laufwerk der 2. Sektion.

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Die Bahn besitzt zwei Stützen, die erste davon steht neben der Piste «Konkordia».

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Die schroffen Felsen vor der Station Eggishorn.

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Ein Kunstwerk der Eiszeit: Der Aletschgletscher. Im Sommer wäre der Kontrast in der Landschaft noch extremer.

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Ein Blick auf die Gletscherzunge.

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Das Matterhorn in der Ferne, umgeben von der Weisshorn- und der Mischabelgruppe. Irgendwann geht es auch näher...

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Die Einfahrt der Kabine 3.

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Ein Rückblick auf die Station Fiescheralp.

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Auf der Talfahrt begegneten sich Kabine 3 und 4 wieder.

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Die Station Fiescheralp.

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Aus einem anderem Winkel

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Ein Rückblick auf die Strecke der zweiten Sektion.

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Ankunft der Kabine 6.

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Das Laufwerk der 100'er-PB.

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Die Stützen der 100'er- und 36'er-PB. Während die Stützen der ältere Bahn noch von unten abgestützte Joche besass, waren die Joche der grösseren parallelen Bahn selbsttragend.

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Mit der Kabine 5 ging es wieder zurück nach Fiesch.

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Der Innenraum der Kabine 5.

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Ein Recap auf die Strecke der beiden Pendelbahnen.

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Ein weiteres Foto der Talstation.

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Ihr Ziel: Die nächsten Gäste auf dem Nachhauseweg zu unterstützen.

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Die Streckenmitte von altem Bahnhof Fiesch.

Das Video zur Reportage:
Das Video folgt bald.

Quellen:
Neues Bremssystem bei Seilbahnantrieben, 1975 (Literaturverzeichnis seilbahnen.org)
Chronik Luftseilbahnen Fiesch-Eggishorn AG
AF-Post mit einer Erwähnung des Gehängebruches bei der Felskinnbahn
YouTube-Kanal

Skitage 19/20: 1 x Corviglia (St. Moritz), 1 x Corvatsch (St. Moritz), 1 x Flims/Laax/Falera, 1 x Sörenberg, 1 x Meiringen-Hasliberg, 1 x Melchsee-Frutt

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