Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Bell

Allgemeine Informationen
Name
Bell

Land
CH

Gründungsjahr
1855

Die Maschinenfabrik Theodor Bell aus Kriens gehört zu den Veteranen unter den Seilbahnherstellern. Bereits 1877 wurde die erste Seilbahn von dieser Firma eröffnet, die Standseilbahn Lausanne-Ouchy, gleichzeitig die erste Seilbahn der Neuzeit in der Schweiz. Nur zwei Jahre später konnte die zweite Standseilbahn der Firma eröffnet werden, die Giessbachbahn in Brienz, die bis heute praktisch unverändert in Betrieb ist und die älteste noch fahrende Standseilbahn Europas ist. Anfänglich wurden die Standseilbahnen noch mit Wasserballastantrieb und mit einer Zahnstange ausgeführt, die als Bremse fungierte. In der Regel setzte Bell bei den frühen Bahnen auf das System Abt. Eine Sicherheitsbremse, die nicht auf eine Zahnstange, sondern direkt auf die Laufschiene wirkt, wurde 1892 von Bell erstmals am Stanserhorn eingesetzt, die Erfindung dieser Bremse wird jedoch nicht der Maschinenfabrik selbst, sondern den Initianten der Bahn, Franz Josef Bucher-Durrer und Josef Durrer-Gasser, zugeschrieben. Der grosse Vorteil des Systems ist, dass eine Zahnstange entfällt und die Kosten somit gesenkt werden konnten.

Nach dem Bau der Standseilbahnen, den Bell bis ins Jahr 1927 betrieb, wurde es, was den Seilbahnbau der Firma betrifft, ruhig, ehe nach dem zweiten Weltkrieg die Maschinenfabrik in den Bau von Zweiseilbahnen einstieg. Georg Wallmannsberger hatte auf der Basis der im ersten und zweiten Weltkrieg gebauten Materialseilbahnen ein System entwickelt, das es ermöglichte, Personen in Kleinkabinen zu befördern, wobei die Kabinen in der Station vom Seil gelöst wurden und die Personen analog zu den Systemen der Konkurrenzfirmen Müller und Von Roll im Stillstand der Kabinen in den Stationen ein- und aussteigen konnten. Anders als bei dem System VR101 von Von Roll oder den Müller-Bahnen setzte Wallmannsberger auf zwei Seile, wobei eines die Funktion des Zugseils übernahm und das zweite als Tragseil im Einsatz war. Damit wurden wesentlich grössere Abstände zwischen zwei Stützen ermöglicht, was Material einsparen liess und das Landschaftsbild weniger beeinträchtigte.

Jedoch waren die erforderlichen Laufwerke sehr schwer und nicht einfach zu warten, zudem war ein Bau einer solchen Bahn deutlich teurer als die Konkurrenzsysteme, weswegen im Vergleich zu Müller oder Von Roll nur wenige Bahnen gebaut wurden. Zwischen 1950 und 1968 erstelle Bell nach dem System von Wallmannsberger sieben Bahnen auf Schweizer Boden, davon waren drei in zwei Sektionen aufgeteilt. Zahlreiche weitere Bahnen entstanden auch in Nordamerika.

In den 60er Jahren stieg Bell auch in den Pendelbahnbau ein. Abgesehen von vielen Kraftwerksbahnen wurden nur aber nur drei nennenswerte Grosskabinenbahnen für den öffentlichen Personentransport gebaut, nämlich in Andermatt, Lungern und in Crans-Montana, wobei erstere modernisiert wurde und letztere bis 2008 im Einsatz war. Nach der Fusion der Firmen Escher-Wyss, von denen Bell in der Zwischenzeit übernommen worden war, und Sulzer stellte das Unternehmen 1968 den Bau von Seilbahnen ein.



Verweise