Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Brändle

Allgemeine Informationen
Name
Brändle

Land
CH

Gründungsjahr
1951

Karl Brändle aus Meilen im Kanton Zürich begann Anfang der 50er Jahre mit dem Bau von Schleppliften. Neben diesen konstruierte Brändle während seinem Engagement im Seilbahnbau auch fixe Sesselbahnen, kuppelbare Kabinenbahnen sowie zahlreiche Pendelbahnen.

Begonnen hatte Karl Brändle im Jahr 1951 mit dem Bau von portablen Vogler-Schleppliften, für die er eine Lizenz, genau wie die Firmen Baco und die EGZ, erhielt. Zuvor war Brändle als Konstrukteur bei letztgenanntem Zürcher Unternehmen tätig, ehe er unter eigenem Namen Schlepplifte konstruierte. Nach einem knappen Dutzend gebauten Vogler-Liften, die vor allem in Graubünden entstanden, begann Brändle für die Wintersaison 1952/1953 mit dem Bau eines eigens konstruierten Schlepplifts an der Parsennfurka oberhalb von Davos. Die Anlage stattete er mit einer sehr robusten Fachwerk-Portalstütze aus Stahl aus, die später bei all seinen Schleppliften zum Einsatz kommen sollte. Das System entsprach jenem von Constam in einer weiterentwickelten Form, das auch der Konstrukteur Sameli-Huber zuvor verwendete. Brändle war neben Müller der erste Schlepplifthersteller der Schweiz, der seine Anlagen direkt mit Stahlstützen versah. Die Firma sanierte zudem viele mit Holzstützen ausgestattete Schlepplifte von Constam und Sameli-Huber und bestückte sie mit den eigens konzipierten Stahlstützen.

Der Vorteil der schweren, robusten Stützen zeigte sich nicht nur bei der Konstruktion von langen Anlagen in schwierigem Gelände, sie eigneten sich auch bestens zum Sommerbetrieb mit eingehängten Sesseln. Die erste Kombibahn von Brändle entstand 1954 wiederum in Davos, allerdings mit grösstenteils anderen Stützen, da die Anlage als Doppelschlepplift vorgesehen war. Die zweite Anlage wurde allerdings später von der Firma Oehler angebaut und hatte entgegen Brändles Planungen einer zentralen Auffahrspur schlussendlich ein separates Trassee. Weitere solche Kombianlagen entstanden in den folgenden Jahren am Pizol. Die erste reine Einersesselbahn erstellte Brändle 1957 in Zermatt.

Im selben Jahr begann Brändle auch mit dem Bau von zunächst kleineren Pendelbahnen. Eine der ersten entstand als Erschliessung der Ortschaft Embd oberhalb von Kalpetran im Wallis in Form einer Pendelbahn mit vierplätzigen Kabinen. Die erste grössere Bahn folgte zwei Jahre später im Muothatal und erschloss die Glattalp. Auch ausserhalb der Schweiz konnte Brändle viele Pendelbahnen erstellen. Prominenteste ist darunter sicher die Bahn auf den Masada in Israel, die allerdings Ende der 90er Jahre durch eine neue Bahn ersetzt wurde.

Doch auch innerhalb der Schweiz blieb Brändle in den 60er Jahren auf Erfolgskurs. Seine Schlepplifte verbreiteten sich rasch, teilweise - wie beispielsweise in Bivio - betrieb er seine Anlagen auch selbst. Auch auf Gletschereis entstanden einige Brändle-Anlagen, wie zum Beispiel an der Diavolezza. Die ersten Zweiersesselbahnen kamen ab 1963 auf den Markt. Von diesen konnte Brändle allerdings nur eine einzige original in der Schweiz erbauen, 1963 in Flims. Eine zweite Bahn entstand 1965 in Churwalden. Der dortige Schlepplift erwies sich als viel zu steil, weswegen er in der Folge mit Zweiersesseln statt mit Schleppliftgehängen betrieben wurde. Die Anlage wurde später nach Sankt Peter im Schanfigg versetzt und ist dort mit einigen Umbauten durch die Firma Bartholet noch in Betrieb. In Norwegen befindet sich noch eine weitere Zweiersesselbahn von Brändle in Betrieb.

Auch im Bau von kuppelbaren Einseilumlaufbahnen war Brändle kurze Zeit tätig. Im Stockholmer Zoo entstand eine Kabinenbahn mit eigens konstruierter Klemme, die optisch sehr der Von Rollschen VR101 ähnelte. Diese Bahn stellte sich letztendlich aber als die einzige heraus, die von Brändle mit diesem System erbaut wurde. Diese Bahn war bis August 2010 in Betrieb. Im Bündnerischen San Bernardino sollte eine weitere Bahn entstehen, schlussendlich ging der Auftrag aber an die im Bau von kuppelbaren Anlagen renommierte Firma von Gerhard Müller.

Ende der 60er Jahre zog sich Karl Brändle als einer der bedeutendsten Schweizer Seilbahnhersteller aus dem Bau zurück. Obwohl die Zahl der existenten Anlagen von Brändle in den letzten Jahren rapide abnimmt, können immer noch einige Schlepplifte und Pendelbahnen in der Schweiz bestaunt werden. Dies ist nicht zuletzt der robusten Konstruktionen Brändles zu verdanken, die sich zwar als kostspielig im Bau erwiesen, letztendlich aber so haltbar sind, dass sie bei Umbauten gerne weiterverwendet werden.



Verweise