Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Carlevaro & Savio

Allgemeine Informationen
Name
Carlevaro & Savio

Land
I

Gründungsjahr

Nachdem Professor Ugo Carlevaro vor dem zweiten Weltkrieg als Konstrukteur bei Savigliano tätig war, gründete er mit seinem Kompagnon Savio die gleichnamige Firma nach dem Krieg. Bereits 1946 konnte Carlevaro & Savio in Bormio die erste fixe Einersesselbahn Italiens eröffnen (Foto einer weiteren frühen Anlage aus dem Jahr 1948 am Monto Moro in Frabosa Soprana). Weitaus erfolgreicher als mit den fixen Anlagen wurde Carlevaro allerdings durch sein revolutionäres System für kuppelbare Bahnen, welches neben der VR101 und der Giovanola-Klemme aus der Schweiz zu den ersten solchen Systemen weltweit zählte.

Die Klemmvorrichtung war im Gegensatz zu den Schweizer Pendants so konstruiert, dass sie ausschliesslich mit Federkraft arbeitete, folglich die Gravitation also nicht ausnutzte, um die Klemmkraft aufzubringen. Aus diesem Grund wurde die Klemme von den italienischen Behörden auch für extrem steile Anlagen als sicher eingestuft, was Carlevaro praktisch an der 1949 eröffneten ersten Bahn in Alagna-Valsesia verifizieren konnte. Die Bahn, mit Zweierkabinen ausgestattet, zählt bis heute zu den steilsten jemals gebauten Kabinenbahnen der Welt, ist allerdings seit einem tödlichen Unfall aufgrund Klemmenversagens nicht mehr in Betrieb. Im Gegensatz zu den sonst von anderen Herstellern gebauten Kabinen, bei denen sich die beiden Fahrgäste gegenüber sassen, waren die Gäste bei Carlevaro nebeneinander platziert und blickten in Fahrtrichtung. Dieses Prinzip setzte Carlevaro als erster ein, heute ist es nicht mehr wegzudenken, speziell bei Sesselbahnen mit zwei und mehr Sitzplätzen pro Fahrzeug (Foto einer typischen Carlevaro & Savio-Anlage, hier ein Lizenzbau von Piemonte Funivie in Turin).

Das System erfreute sich grosser Beliebtheit, nicht nur in Italien, denn mit der deutschen Firma Heckel fand Carlevaro einen Lizenznehmer, der die Bahnen unter anderem auch in der Schweiz erstellte. Zwei Sektionen entstanden in Zweisimmen unter dem Namen Heckel, diese sind jedoch nicht mehr existent. Nahe dem Firmenstandort von Heckel ist in Saarbrücken aber immer noch eine Parkbahn aus den 60er Jahren mit dieser Klemme in Betrieb.

Aber auch ausserhalb Italiens vertrieb Carlevaro seine Anlagen selbst. In Nordamerika entstanden unter seinem Namen ab den 50er Jahren zahlreiche kuppelbare Anlagen (Foto der ersten kuppelbaren Bahn Nordamerikas, der Wildcat Gondola aus dem Jahr 1957). Zu diesem Zeitpunkt stellte das Carlevaro-System das einzige solche auf dem amerikanischen Markt dar, andere europäische Hersteller hatten den Sprung über den Atlantik noch nicht vollzogen. Schon bald kam das Verlangen der Fahrgäste auf, die Ski während der Fahrt angeschnallt lassen zu können, so wie es die Amerikaner bei ihren fixen Sesselbahnen gewohnt waren (Foto einer fixen Sesselbahn der Firma). Carlevaro konstruierte einige Bahnen mit Kabinen, die unten geöffnet waren, sodass man die Ski während der Fahrt anbehalten konnte – aus heutiger Sicht dürften es die ersten Bahnen mit Hauben gewesen sein. Die ersten "echten" Hauben setzte Carlevaro bereits 1963 bei einer fixen Zweiersesselbahn im amerikanischen Windham ein, lange bevor andere Hersteller die heute nicht mehr wegzudenkende Wetterschutzvorrichtung einsetzten.

In seinem Heimatland Italien waren die fixen Zweiersesselbahnen jedoch weitaus weniger populär, viel grösser war das Interesse an fixen Einersesselbahnen sowie dem nationalen Schmuckstück, dem Korblift. Carlevaro erstellte diese Anlagen in grosser Stückzahl in ganz Italien. Erst 1965 konnte Carlevaro in Champoluc die erste Zweiersesselbahn Italiens eröffnen. Auch unter dem Namen Piemonte Funivie entstanden in Italien einige Anlagen mit Carlevaro-Technik, sowohl Pendelbahnen als auch die berühmten Einseilkabinenbahnen . Bei den Pendelbahnen konnte Carlevaro seine Kenntnisse aus der Zeit bei Savigliano einbringen. Stützen einer solchen Bahn finden sich heute immer noch in Cervinia.

Nach dem Tod des Firmenmitgründers Savio stieg auch Carlevaro 1969 früh aus dem Seilbahnbau aus. Patente für die Konstruktionen seiner Anlagen gingen an die Gebrüder Marchisio, die bis in die 80er Jahre zu den grössten Herstellern Italiens gehörten.