Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

František Wiesner

Allgemeine Informationen
Name
František Wiesner

Land
CZ

Gründungsjahr

František Wiesner aus dem tschechischen Chrudim war der bis heute erfolgreichste Seilbahnpionier in Osteuropa und betrieb in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Maschinenfabrik.

Wiesner begann bereits nach dem ersten Weltkrieg mit dem Bau der ersten Personenseilbahnen in der ehemaligen Tschechoslowakei. Die erste Bahn wurde im Krkonoše, einem beliebten Ausflugsgebiet der Tschechoslowakei, fertig gestellt. Im dortigen Touristen- und Bäderzentrum Janské Lázně wurde 1927 mit dem Bau einer Pendelbahn begonnen. Es handelte sich dabei um eine Bahn nach dem System des Leipziger Ingenieurs C. Rudolph. Nach einem harten Winter, durch den hindurch die Bauarbeiten trotz widriger Verhältnisse nicht eingestellt wurden, konnte die Bahn Ende Oktober 1928 den Betrieb aufnehmen. Das System wies ein Tragseil sowie zwei Zugseile pro Fahrbahn auf. Interessant war an dieser komplizierten Seilanordnung, dass die Seile alle einzeln in der Talstation abgespannt wurden, in der Bergstation allerdings durch einen Antrieb bewegt wurden. Dadurch mussten zusätzliche Ausgleichsscheiben eingebaut werden, die für eine gleichmässige Kraftwirkung an den beiden Zugseilen führten. Die Bahn in Janské Lázně auf die Černá hora war über 50 Jahre tadellos in Betrieb, ehe sie 1980 abgebaut wurde und 1982 durch eine Zweiseilumlaufbahn von Transporta Chrudim ersetzt wurde.

Eine zweite Pendelbahn mit diesem System entstand 1932 am Ještěd, dem höchsten Berg des Ausflugsgebietes Ještědský hřbet. Die etwas kürzere Bahn wies zwei Zwischenstützen auf, wurde aber bereits etwas früher als die erste Wiesner-Pendelbahn, nämlich 1975, durch einen Neubau der Firma Transporta Chrudim ersetzt.

Mit den gewonnenen Erfahrungen im Pendelbahnbau wagten sich die Chrudimer Konstrukteure 1936 an den Bau der Pendelbahn von Tatranská Lomnica zur Lomnický štít, einem der höchsten Berge der heutigen Slowakei. Da die Trassierung eine schräge Länge von über sechs Kilometern und über 1700 Metern Höhendifferenz aufwies, musste die Bahn in zwei unabhängige Sektionen aufgeteilt werden. Während die erste Sektion aufgrund ihrer Länge zusätzlich mit einer Zwischenstation auf halber Strecke ausgestattet wurde, war die Trassierung relativ harmlos bis zum Skalnaté Pleso. Von dort wurde eine zweite Sektion über die nahezu senkrecht abfallenden Felswände zur Lomnický štít erstellt, die damals weltweit sicher spektakulärste Seilbahn. In der ersten Sektion war es möglich, vier Kabinen einzusetzen, um die Förderleistung zu erhöhen. Allerdings wurde dies nur in den ersten Betriebsjahren praktiziert. Die untere Sektion ist zwar heute nicht mehr in Betrieb, aber immer noch existent, während die zweite schon vor einigen Jahren durch einen Neubau von Von Roll ersetzt wurde.

Neben den Pendelbahnen konnte Wiesner aber noch im zweiten Weltkrieg die erste Sesselbahn Europas fertig stellen. 1940 wurde diese Bahn nahe der Stadt Frenštát pod Radhoštěm dem Betrieb übergeben und war für 16 Jahre im Einsatz.

Heute sind keine Bahnen von Wiesner mehr in Betrieb. Das letzte Exemplar, welches man heute noch begutachten kann, ist die angesprochene erste Sektion in Tatranská Lomnica, ein Meisterwerk der Technik. Die Firma wurde nach dem zweiten Weltkrieg verstaatlicht und baute fortan unter dem Namen Transporta Chrudim viele weitere Bahnen in den ehemaligen Ostblockstaaten. Die erste solche entstand noch mit Technik von Wiesner 1947 im tschechischen Riesengebirge in Špindlerův Mlýn in Form einer Einersesselbahn.