Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Garaventa

Allgemeine Informationen
Name
Garaventa

Land
CH

Gründungsjahr
1928

1928 gründete Karl Garaventa eine Firma im Schwyzerischen Immensee zum Bau von kleineren Material- und Personenseilbahnen, ähnlich wie es auf der anderen Seite des Vierwaldstättersees schon einige andere prominente Firmen wie Klemenz Mathis und Remini Niederberger getan hatten. Neben vor allem rund um den Firmenstandort erstellten Bahnen ab 1928 konnten auch einige in der Restschweiz, vorwiegend im östlichen Landesteil, realisiert werden. Karl Garaventas Sohn Willy begann 1949 einen Konkurrenzbetrieb aufzubauen, ebenso in Immensee und ebenso für den Bau von Kleinseilbahnen. Schlussendlich kooperierten Vater und Sohn aber ab 1957, dem Datum, als die Firmen zum Unternehmen Karl Garaventa und Söhne fusionierten und der Sitz zwei Jahre später ins nahe gelegene Goldau verlegt wurde.

Zu Beginn der 60er Jahre stieg die Firma Garaventa auch in den Bau von Schleppliften ein, nachdem zahlreiche andere nationale Konkurrenten dies bereits einige Jahre zuvor getan hatten. Um nach dem Abflachen der Absatzzahlen der Kleinpendelbahnen nach dem zweiten Weltkrieg weiterhin konkurrenzfähig zu sein, zog Garaventa nach. Da Garaventa allerdings keine Zeit mehr hatte, um eine eigene Konstruktion für Schlepplifte zu entwickeln, griff die Firma auf Lizenzen des im Schleppliftbau erfolgreichen österreichischen Unternehmen Doppelmayr zurück. Die Schlepplifte entstanden fortan 1:1 mit Technik von Doppelmayr. Im Gegensatz zur Firma Bühler, die anfänglich ebenso Technik von Doppelmayr verwendete, verbaute Garaventa aber die klassische Fachwerk-Portalstütze von Doppelmayr. Bühler verwendete ein Jahr lang eine Portalstütze aus Profilen, ehe die Firma eigene Konstruktionen entwickelte.

Neben den Schleppliften war Garaventa aber auch weiterhin im Bau von Pendelbahnen aktiv. Im Gegensatz zu den anfänglichen kleineren Bahnen entstanden aber ab Mitte der 60er Jahre auch viele grössere Bahnen, vorrangig für den Skitourismus. Die erste Grosskabinenpendelbahn mit 40-plätzigen Kabinen entstand 1964 am Kronberg im Appenzellerland, wenig später wurden auch in Dallenwil, Fiesch sowie in Zermatt Pendelbahnen der Firma erbaut. Nach der 1968 erstellten 80er-Pendelbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad erstellte Garaventa nur zwei Jahre nach Habegger und Bell die zweite 125er-Pendelbahn der Schweiz am Hoch Ybrig. Die dortige Bahn besass aufgrund der relativ kurzen Strecke und den grossen Kabinen eine für die damalige Zeit enorm hohe Förderleistung. Bereits drei Jahre zuvor hatte die Firma im nordamerikanischen Squaw Valley eine erste Pendelbahn dieser Grösse erbauen können.

Im Zuge der Erschliessung des Hoch Ybrig konnte Garaventa an diesem Ort 1970 noch weitere Bahnen erstellen, darunter neben einigen Schleppliften auch die ersten Sesselbahnen. Diese stammten allerdings nicht aus der Feder von Doppelmayr, sondern waren eigens entwickelte Konstruktionen, einzig die Sessel stammten aus Österreich. Ab 1980 wurden die fixen Sesselbahnen weiterentwickelt und erhielten neben einer neuen Sesselart auch die bis Ende der 90er Jahre eingesetzten typischen Garaventa-Fachwerkstützen.

Beim Bau von kuppelbaren Seilbahnen, deren Geschäftsfeld Garaventa 1983 betrat, stammte die Technik abgesehen von den Stützen allerdings wieder vollständig aus Österreich. In jenem Jahr erstellte Garaventa in Zermatt und Wildhaus je eine kuppelbare Dreiersesselbahn nach dem Doppelmayr-System. Paradoxerweise griff Doppelmayr zu jener Zeit auf eine Lizenz der Von Roll VR102-Klemme zurück. Für die kuppelbaren Sesselbahnen hatte die Firma die Klemmen zwar geringfügig vom Original abgeändert, dennoch verwendete Garaventa nun eine Klemmenart vom grössten nationalen Konkurrenten.

Dies änderte sich aber bereits ein Jahr später beim Bau der kuppelbaren Dreiersesselbahn Tigignas-Somtgant in Savognin. Stammten die Sessel noch immer von Doppelmayr, so kam fortan eine eigens entwickelte Totpunktklemme mit Tellerfedern zum Einsatz. Diese wurde in der Folge nicht nur für Dreiersesselbahnen, sondern ab 1987 auch für vierplätzige Sessel sowie Kabinenbahnen eingesetzt. Bei sechsplätzigen Kabinen kam eine Doppelversion der Klemme zum Einsatz.

Doch auch im Bau von Pendelbahnen ging es für Garaventa durchwegs erfolgreich voran. Mit der Errichtung der 150er Pendelbahn La Chaux-Col des Gentianes in Verbier setzte Garaventa neue Massstäbe im Seilbahnbau. Nur fünf Jahre später konnte am Titlis die erste so genannte Rotair dem Publikumsverkehr übergeben werden, eine Bahn, bei der sich die Kabine während der Fahrt einmal um die eigene Achse dreht, sodass dem Fahrgast ein 360°-Panorama ermöglicht wird. 1995 kamen in Samnaun erstmals auf der Welt doppelstöckige Kabinen zum Einsatz. Der Zugang zu den 180 Personen fassenden Kabinen wird über Perrons in verschiedenen Höhen ermöglicht.

Während der 90er Jahre nahmen wie bei vielen anderen Herstellern auch die kuppelbaren Bahnen die Überhand in der Produktion bei Garaventa. So wurden diese im Laufe der Jahre immer mehr standardisiert, auf aufwändige Stationen wurde verzichtet, stattdessen liefen die Konstruktionen immer mehr auf im Preis günstigere Kompaktstationen hinaus. Parallel dazu bot Garaventa einige Jahre den so genannten Kompaktexpress an, ein System für kuppelbare Zweiersesselbahnen, wie es zuvor schon Von Roll tat. Dieses sollte einerseits eine kostengünstige Bauart für kleinere Skigebiete sein, andererseits eigneten sich diese Sesselbahnen aber auch zum Umbau längerer, alter fixer Zweiersesselbahnen.

Ab 1998 hatte das System mit der Totpunktklemme bei Garaventa ausgedient. Diese erste Klemmengeneration war für die immer grösser werdenden Betriebsmittel nicht mehr geeignet. So entwickelte Garaventa eine Klemme mit frei liegenden Schraubenfedern, die 1997 in Flims bei der ersten 8er Kabinenbahn der Firma zum Einsatz kam, genauso wie bereits 1995 bei der ersten 6er Sesselbahn, ebenfalls in Flims, und 1998 bei weiteren Kabinenbahnen in Tortin und Charmey. Schon 1989 entstand gemeinsam mit Doppelmayr in Laax eine 12er Kabinenumlaufbahn, wobei die Technik hier aber von Doppelmayr selbst stammte. Bei den Klemmen handelte es sich dementsprechend um die Doppelmayr System-Klemme.

Für die kuppelbaren Sesselbahnen brachte die Firma 1998 das MCS (Modular Compact Station) - System auf den Markt, das, wie im Namen schon angedeutet, mit Kompaktstationen aufgebaut war. Diese günstige Bauart, wie sie unterdessen alle anderen grossen Hersteller auch eingeführt hatten, wurde nach dem Baukastenprinzip preiswert produziert und aufgestellt. Hierbei kamen weiterentwickelte Klemmen mit frei liegenden Schraubenfedern zum Einsatz. Ab 2000 wurde das System in abermals weiterentwickelter Form auch für Sechersesselbahnen verwendet, diese waren bis dato noch mit der älteren Klemme aus dem Jahr 1995 ausgestattet worden.

Die Firma Städeli, die nach einigen Schwierigkeiten Anfang der 90er Jahre von Garaventa aufgekauft wurde, war bis 1991 massgeblich an der Entwicklung und Konstruktion des ersten Funitels der Welt in Val Thorens beteiligt gewesen. Das vom französischen Planungsbüro Denis Creissels ins Leben gerufene Seilbahnsystem war beim Prototyp noch aus einem Konsortium mehrerer Firmen entstanden, von denen sich Städeli in erster Linie für die Klemmen verantwortlich zeichnete. So war es nach der Übernahme wenig verwunderlich, dass auch die Firma Garaventa wenig später in den Bau von Funitelanlagen einstieg. Zwar wurden die Konstruktionen Städelis zumeist von den hauseigenen Ideen verdrängt, doch beim Funitel kamen die Pläne der Firma aus Oetwil Garaventa zu Gute. Die Funitelanlagen von Garaventa zeichneten sich durch monströse Fachwerkstützen aus, auf denen zusätzlich eine Bergebahn, quasi in einer zweiten Etage, angebracht war. Technisch gesehen handelte es sich beim Funitelsystem von Garaventa um eine einmalige Konstruktion. Zwar gab es nur ein einziges Seil, welches analog zu Doppelmayrs DLM und Funitels in eine Doppelschlaufe gelegt wurde, dieses wurde aber über zwei gekoppelte Antriebe bewegt, also wie beim DMC und Funitel von Creissels. Zwei Anlagen dieses Systems wurden in der Schweiz gebaut, 1994 im Skigebiet von Verbier und 1995 in Crans-Montana, deren Betreiber zuvor beide Stammkunden bei Städeli waren. In beiden Fällen wurde eine Pendelbahn von Von Roll ersetzt.

Nachdem Garaventa während der Firmengeschichte zahlreiche prominente Firmen wie Küpfer 1987, Städeli und SSG 1991, CTEC 1992 und Girak 1996 übernommen hatte, fusionierte die Firma 2002 mit dem österreichischen Unternehmen Doppelmayr zum grössten Seilbahnhersteller der Welt. Bei dieser Fusion wurde eine Kompetenzregelung festgelegt, welche noch heute ihre Gültigkeit hat. Dabei wurden zwei Kompetenz- und Entwicklungszentren geschaffen. Doppelmayr ist das Kompetenz- und Entwicklungszenter für alle Umlaufbahnen, Garaventa für Standseilbahnen, Pendelbahnen und Materialseilbahnen. Des Weiteren ist Garaventa auf alle Seilzugarbeiten innerhalb der Doppelmayr / Garaventa Gruppe spezialisiert.



Verweise