Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Giovanola

Allgemeine Informationen
Name
Giovanola

Land
CH

Gründungsjahr
1888

Die Gebrüder Giovanola aus Monthey im Unterwallis begannen bereits kurz nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Bau von Seilbahnen. Gute Absatzzahlen der kuppelbaren Seilbahnsysteme von Von Roll sowie Carlevaro in Italien veranlassten die Firma dazu, ein eigenes System für kuppelbare Kabinenbahnen zu entwickeln, was mit der von Marc Dumour erfundenen und 1949 patentierten Schwerkraftklemme auch gelang. Im Gegensatz zu den Konkurrenzsystemen basierte der Klemmmechanismus ausschliesslich auf der Gravitation, auf Federn oder andere Einrichtungen zur Aufbringung von Klemmkraft wurde gänzlich verzichtet. Durch den simplen Aufbau konnte sich das System sehr schnell verbreiten und wurde schon bald zur grössten nationalen Konkurrenz der Systeme Von Roll und Müller.

Die erste Kabinenbahn der Marke Giovanola wurde 1950 in Form einer Bahn mit geschlossenen Zweierkabinen in Verbier realisiert. Drei Jahre später entstand die nächste baugleiche Bahn in Les Diablerets. Nach zahlreichen weiteren Bahnen mit Zweierkabinen, die in den 50er Jahren entstanden, erstellte Giovanola 1959 die erste Kabinenbahn mit vierplätzigen Kabinen in Villars. Damit konnte man fortan mit dem Konkurrenten Müller in Sachen Kabinengrösse mithalten. Gesetzlich bedingt kamen bei Bahnen dieses Typs Doppelklemmen zum Einsatz. Dieser Bahntyp setzte sich fortan durch, sodass die letzte originale Bahn mit Zweierkabinen 1959 in Crans-Montana entstand. 1973 wurde in Braunwald eine weitere solche Bahn gebaut, bei dieser handelte es sich aber um eine Occasionsanlage aus dem Jahr 1958.

Parallel zu den kuppelbaren Bahnen baute Giovanola anfänglich auch kuppelbare Schlepplifte nach dem System Poma. Die Firma war damit die einzige eidgenössische, die das Poma-System vertrieb. Bedingt durch den Firmenstandort in der Romandie erhoffte man sich gute Absatzzahlen für das System. Im Gegensatz zu den vielen anderen Lizenznehmern des Poma-Schlepplifts unterschieden sich die Exemplare von Giovanola aber am deutlichsten vom Original. Gravierendster Unterschied war, dass die Seilscheibe in der Talstation der Seilspur auf der Strecke entsprach und die Station folglich wesentlich breiter war, als bei den von Poma konstruierten Liften. Allerdings konnten sich die Schlepplifte der Firma nie wirklich durchsetzten, sodass man den Bau dieser Anlagen bereits 1959 wieder einstellte.

Auch einige fix geklemmte Sesselbahnen stammten aus dem Hause Giovanola. 1955 entstand die erste und einzige Einersesselbahn der Firmengeschichte in Verbier nach Savoleyres, die aufgrund Kapazitätsengpässen aber bereits kurze Zeit später durch eine Zweiersesselbahn ersetzt wurde. Weitere solche Zweiersesselbahnen entstanden ausschliesslich im Skigebiet von Verbier. Dabei kamen im Gegensatz zur ersten Versuchsanlage jedoch keine Rundrohrstützen mehr zum Einsatz, sondern analog zu den Vierer-Kabinenbahnen Stützen mit Fachwerkverstrebungen.

Die letzten von Giovanola erstellten Anlagen entstanden in der ersten Hälfte der 70er Jahre. Danach zog sich die Firma aus dem Seilbahnbau zurück und spezialisierte sich auf den Bau von Achterbahnen. 2004 schliesslich ging die Firma insolvent. Das Giovanola-Klemmensystem wurde allerdings auch nach der Beendigung des Engagements der Erfinderfirma im Seilbahnbau weiter eingesetzt. Zahlreiche Lizenznehmer wie Habegger, Städeli, PHB, Transtélé, Ceretti & Tanfani sowie SACIF hatten in der Zwischenzeit viele weitere Anlagen mit dem System erstellt. Am nächsten kamen dem Original dabei die Anlagen von Habegger. Dieser sowie Städeli setzten das System auch bei Kabinenbahnen mit Kabinen für sechs Personen ein, erstmals 1978 Habegger in Flims-Laax.



Verweise