Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Girak

Allgemeine Informationen
Name
Girak

Land
A

Gründungsjahr
1920

Die Firma Girak aus dem österreichischen Korneuburg begann in den 50er Jahren mit dem Bau von Zweiseilumlaufbahnen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Firmen, die diesen Bahntyp in jener Zeit bauten, setzte Girak jedoch nicht auf das bewährte System von Georg Wallmannsberger, sondern auf eine etwas abgewandelte Klemmenkonstruktion, auch genannt "Wurfhebelklemme", die auf Ursprünge der Firma Pohlig zurückgeht. Bei den Girak-Bahnen kamen auch nicht nur geschlossene Kabinen zum Einsatz, sondern auch Seitwärtssessel, wie sie bereits bei Von Roll üblich waren, in diesem Fall allerdings bei einer Bahn mit Trag- und Zugseil. Die meisten dieser Bahnen wurden unterdessen durch Neubauten ersetzt. Das vermutlich letzte noch existierende Exemplar steht in St. Gilgen am Zwölferhorn. Fotos einer solchen Anlage mit Detailfotos der Klemme finden sich auf dieser Seite.

Zur gleichen Zeit begann Girak auch mit dem Bau von Einer- und Zweiersesselbahnen. Ähnlich aufgebaut wie die Bahnen der Konkurrenzfirmen Doppelmayr, De Pretis, Swoboda und Steurer wiesen auch die Girak-Exemplare massive Vierkantschäfte auf. Charakteristisch für Girak waren zudem dreiecksförmige Verstärkungen zwischen Stützenschaft und Joch.

Bis in die 70er Jahre hinein verbaute Girak ausschliesslich fixe Sesselbahnen, ehe kuppelbare Einseilumlaufbahnen von den Behörden als sicher angesehen wurden. Genau wie Doppelmayr konnte auch Girak den technischen Rückstand verglichen mit Firmen aus anderen Ländern, in denen Einseilumlaufbahnen schon lange zur Tagesordnung gehörten, nicht so schnell aufholen und verzichtete somit auf die Entwicklung eines eigenen Systems. Während bei Doppelmayr lizenzierte Von Roll-Klemmen zum Einsatz kamen, setzte Girak auf die bereits erprobte Schraubklemme der Schweizer Firma Müller.

Nachdem zahlreiche weitere solche Bahnen und auch weitere fixe Sesselbahnen entstanden waren, zeichnete sich in den 80er Jahren eine ähnliche Entwicklung wie bei vielen anderen Herstellern ab. Mit der Renaissance der kuppelbaren Sesselbahn entwickelte auch Girak ein eigenes Kuppelsystem mit einer Nockenklemme. Diese kam fortan sowohl für kuppelbare Sesselbahnen aus dem Hause Girak zum Einsatz, wie auch bei Kabinenbahnen. Der österreichische Hersteller Waagner Biró setzte die Klemme später auch bei Zweiseilumlaufbahnen ein. Alle zuvor mit Müller-Klemmen gebauten Bahnen wurden Ende der 90er Jahre umgebaut und mit Nockenklemmen versehen, vermutlich aus gesetzlichen Gründen.

Nach vielen erfolgreichen Jahren im Seilbahnbau fusionierte die Firma schliesslich mit Garaventa zum österreichischen Ableger Girak-Garaventa, nach Regau dem zweiten Standort des Schweizer Herstellers in Österreich. Fortan wurde nur noch Technik von Garaventa gebaut. Bis zur Fusion von Garaventa mit Doppelmayr entstanden so in Österreich und in Deutschland zahlreiche kuppelbare Bahnen des Garaventa-MCS-Systems, aber auch andere Bahntypen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen österreichischen Seilbahnfirmen baute Girak bis zur Übernahme durch Garaventa 1996 keine Schlepplifte. Dennoch schaffte die Firma als eine der wenigen aus Österreich auch international den Durchbruch. Insbesondere in den ehemaligen Ostblockstaaten war Girak ein gern gesehener Seilbahnhersteller. Auch heute noch findet man in diesen Regionen zahlreiche Bahnen von Girak.