Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Graffer

Allgemeine Informationen
Name
Graffer

Land
I

Gründungsjahr
1935

Der gleichnamige Familienbetrieb des Giovanni Graffer aus Gardolo bei Trento betrat in Form einer 1935 erstellten Funischlittenanlage am Monte Bondone die Welt des Seilbahnbaus und zählt seither zu den traditionsreichsten Seilbahnherstellern Italiens.

Bereits 1938 konnte die Firma Graffer in Madonna di Campiglio den Schlepplift Campo Carlo Magno eröffnen, selbstverständlich für Italien ein leichter Tellerschlepplift und gleichzeitig einer der ersten des Landes, sehr wahrscheinlich sogar der erste eines einheimischen Herstellers. Mit Holzstützen ausgestattet drehte der Lift einige Jahre lang seine Runden. Schon kurze Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, 1946, konnte Graffer an der Marmolata mit dem Bau der ersten Einersesselbahn der Firmengeschichte beginnen, noch ein Jahr vor der ersten kollaudierten Sesselbahn Italiens von Troyer in Algund respektive von Leitner und Hölzl in Corvara. Noch in den 40er Jahren entstanden zahlreiche weitere fixe Einersesselbahnen, schon damals mit den für Graffer so charakteristischen Aufhängungen der Rollenbatterien (Foto der ersten Anlage in Madonna di Campiglio).

Schon kurze Zeit nach den Einersesselbahnen sprang auch Graffer auf den erfolgreichen Zug der Korblifte auf und erstellte den ersten der Firmengeschichte noch Mitte der 50er Jahre in Cortina d’Ampezzo in der Cristallo-Scharte. In den 60er Jahren stellte der Korblift Stelvio-Trincerone den Zugang zum bekannten Gletscherskigebiet Ghiacciaio dello Stelvio dar. Auf die Gletscher wagte sich Graffer mit den Schleppliften Presena am Passo del Tonale und zählte damit neben dem Konkurrenten Leitner zu den italienischen Gletscherpionieren im Seilbahnbau.

1967 begann Graffer auch mit dem Bau der Zweiersesselbahnen, die den einsitzigen Bahnen in Italien ab den 70er Jahren langsam den Rang abliefen. Neben vereinzelten Kleinpendelbahnen blieb Graffer bis Ende der 80er Jahre dem Sortiment treu, ab 1986 wurden auch fixe Dreiersesselbahnen angeboten. Durch Kooperation mit den Firmen Vintertec in Finnland sowie Unior in Slowenien entstanden auch in diesen beiden Ländern ab den 70er Jahren zahlreiche Graffer-Anlagen.

Um auch zukünftig im Seilbahnmarkt mitmischen zu können, setzte Graffer Ende der 80er Jahre auf eine eigene Entwicklung der immer populärer werdenden kuppelbaren Sesselbahn. Eine eigene Klemme wurde projektiert und schliesslich auch eine funktionstüchtige Versuchsanlage auf dem Firmengelände realisiert (Foto der Klemme auf dem Werksgelände). Einen Abnehmer fand die Firma für dieses System jedoch nicht.

Stattdessen entstand Anfang der 90er Jahre eine kurzzeitige Kooperation mit Agudio mit dem zusammengesetzten Namen Gradio. Gradio konnte in den 90ern auch die zwei bislang einzigen kuppelbaren Sesselbahnen mit Graffer-Beteiligung realisieren. Während bei der ersten Anlage die Sessel von Graffer stammten, so kam der grösste Teil der Technik der zweiten Anlage aus dem Hause Poma, die mit Agudio bereits zu diesem Zeitpunkt unter dem Namen Poma Italia kooperierten. Nach wenigen Jahren gingen Agudio und Graffer wieder getrennte Wege.

Seither beschränkt sich Graffer wieder auf den Bau von fixen Anlagen, vor allem Schlepplifte sowie fixe Sesselbahnen. 2002 entstand am Monte Panarotta nahe dem Firmenstandort Trento die erste fixe Vierersesselbahn aus dem Hause Graffer. 2009 ging die Firma insolvent, kurze Zeit später aber stieg ein russischer Investor in die Firma ein, die weiterhin besteht und gemäss der offiziellen Webseite auch weiterhin im Seilbahnbau tätig ist.