Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Habegger

Allgemeine Informationen
Name
Habegger

Land
CH

Gründungsjahr
1943

Willy Habegger aus Thun begann 1950 mit dem Bau von Seilbahnen. Bis in die 70er Jahre entwickelte sich die Maschinenfabrik zu einem der bedeutendsten Schweizer Seilbahnhersteller weiter.

Zunächst spezialisierte sich Habegger auf den Bau kleinerer Luftseilbahnen. Die erste solche Bahn entstand 1950 von Raron nach Unterbäch. Bei dieser Anlage handelte es sich um eine Pendelbahn mit Kabinen für 16 Personen, die selbe Kabinengrösse, die auch ein Jahr später in Kandersteg zum Einsatz kam . Weitere solche Bahnen mit vergleichbaren Kabinengrössen entstanden in den Folgejahren vor allem im Wallis und dienten der Ortserschliessung. Bis heute entwickelten sich viele der von Habegger erschlossenen Almen zu grossen Wintersportgebieten, wie beispielsweise die Riederalp oder Vercorin.

Schon bald nahm Habegger aber auch den Bau von Pendelbahnen für Kraftwerke auf. Derartige Bahnen, die in der Regel in erster Linie für Schwerlasttransporte ausgelegt waren, entstanden in den 50er Jahren vor allem im Tessin. Die dortigen Kraftwerksbetreiber wurden schnell zu Stammkunden bei Habegger, genauso wie es später bei den Grimselkraftwerken im Kanton Bern der Fall war. Auch ausserhalb der Schweiz war Habegger in diesen Jahren bereits aktiv. In Venezuela entstand 1957 in Kooperation mit dem französischen Pendelbahnspezialisten Applevage in vier Sektionen eine Bahn auf den Pico Espejo, die damals höchste, durch eine Seilbahn für Personentransport erschlossene Stelle der Welt.

Da der Markt für die Erschliessung kleiner Bergdörfer längerfristig nicht lukrativ war, stieg Habegger ab Mitte der 50er Jahre auch in den Bau der ersten touristisch orientierten Anlagen ein. Die erste fixe Umlaufbahn entstand 1954 in Unterbäch in Form einer Einersesselbahn. Damit zählte Habegger zu den direkten Konkurrenten der renommierten Firmen Brändle, Müller und Städeli. Im Gegensatz zu diesen Firmen betrat Habegger allerdings schon ein Jahr später Neuland. Mit dem Bau der ersten fixen Zweiersesselbahn in der Schweiz setzte er neue Massstäbe im Seilbahnbau. Die 1955 eröffnete Anlage entstand oberhalb von Adelboden am Hahnenmoospass und ersetzte zwei Sektionen Funischlitten. Mit ihren offenen Zweiersesseln stellte die Anlage ein Konkurrenzprodukt zur vorherrschenden VR101-Seitwärtssesselbahn dar, war sie doch erheblich kostengünstiger. Um einen ähnlichen Komfort wie bei der kuppelbaren Version von Von Roll zu erreichen, versah Habegger die Sessel mit so genannten Swivel Chairs, einer Erfindung, die auf den damals in den USA lebenden deutschen Ingenieur Karl Ringer zurückging. Beim Ausstieg klappten die Sitzflächen der Sessel seitlich weg, sodass man ohne hastig abspringen zu müssen komfortabel einfach stehen bleiben konnte und der Sessel den Fahrgast überholte. Zum Wetterschutz waren die Sessel auch mit dem VR101-typischen Dach ausgestattet.

Doch auch die kuppelbaren Bahnen liessen nicht lange auf sich warten. Zur Gartenbauaustellung in Zürich erstellte Habegger 1959 eine kuppelbare Kabinenumlaufbahn mit 4er-Kabinen über den Zürichsee. Bei der Klemme handelte es sich um eine eigens konstruierte Nockenklemme, wie sie später in optisch ähnlicher Art und Weise auch die österreichische Firma Girak verbaute. Die Anlage besass zwei massive Pfeiler an beiden Seeufern, zwischen denen pro Fahrspur ein Seil gespannt wurde, an welchem die Rollenbatterien für das umlaufende Zugseil befestigt waren. Trotz des sowohl technischen wie auch betrieblichen Erfolgs wurde die Anlage bereits ein Jahr später auf Drängen der Bevölkerung wieder abgebaut. Sie sollte sich als die einzige Seilbahn mit diesem Klemmensystem und die einzige kuppelbare Anlage Habeggers für lange Zeit herausstellen.

Doch auch die kuppelbaren Bahnen liessen nicht lange auf sich warten. Zur Gartenbauausstellung in Zürich erstellte Habegger 1959 eine kuppelbare Kabinenumlaufbahn mit 4er-Kabinen über den Zürichsee. Bei der Klemme handelte es sich um eine eigens konstruierte Nockenklemme, wie sie später in optisch ähnlicher Art und Weise auch die österreichische Firma Girak verbaute. Die Anlage besass zwei massive Pfeiler an beiden Seeufern, zwischen denen pro Fahrspur ein Seil gespannt wurde, an welchem die Rollenbatterien für das umlaufende Zugseil befestigt waren. Trotz des sowohl technischen wie auch betrieblichen Erfolgs wurde die Anlage bereits 1966 auf Drängen der Bevölkerung wieder abgebaut. Sie sollte sich als die einzige Seilbahn mit diesem Klemmensystem und die einzige kuppelbare Anlage Habeggers für lange Zeit herausstellen.

Fortan konzentrierte sich Habegger in erster Linie auf den Bau von Schleppliften. Diese erstellte er anfänglich mit einer Portalstützenart aus Rundrohren. Es folgten Kombianlagen mit Sesselbetrieb im Sommer als Ersatzanlagen für von Constam respektive Sameli-Huber erstellten Anlagen an der Kleinen Scheidegg sowie in Engelberg. Mit dem 1964 in Zermatt erbauten Theodullift ging Habegger mit seinen Schleppliften auch auf Gletschereis. Bei dieser Anlage kamen bereits die markanten Polygon-Stützen zum Einsatz, die in den folgenden Jahren bei allen Schleppliften, auch in Doppelversionen, zum Einsatz kamen. Neu und einzigartig an diesen Stützen war, dass sie unempfindlich gegenüber Torsionskräften waren, die durch den Zug des Förderseils entstanden.

Ein Grossprojekt startete Habegger 1964 im Tessin, genauer gesagt in San Carlo am Kraftwerk Robiei. Zum Bau des Kraftwerkes sowie zum späteren Transport von Baumaterial und -maschinen wurden bis 1965 zwei Schwerlastpendelbahnen erstellt, deren Antriebsleistung bis heute die grösste ist, die jemals bei Seilbahnen realisiert wurde. Umgerechnet entspricht die Nutzlast der Pendelbahnen 260 respektive 180 Personen pro Fahrseite. Die untere Sektion ist mit einer 120er Kabine inzwischen öffentlich zugänglich.

Nachdem die Firma nach den ersten vereinzelten Sesselbahnanlagen vorerst für den Wintersport nur Schlepplifte erstellte, erblickten ab 1966 die ersten standardisierten fixen Zweiersesselbahnen aus Thun das Licht der Welt. Zu den ersten Anlagen gehörten Sesselbahnen am Flumserberg, in Meiringen und in Adelboden. Ab Ende der 60er Jahre entstanden auch zahlreiche Anlagen in der Jungfrauregion. Typischerweise wurden die Sessel mit seitlichen Schliessbügeln ausgestattet, die zudem eine charakteristische Abdeckung in Form einer Plane für die Beine besassen. Ein- und Ausfahrtstützen nahe den Stationen wurden in Portalform hergestellt, auf der Strecke kamen die charakteristischen T-Fachwerkstützen zum Einsatz, die Strommasten ähnelten.

Wie viele andere Hersteller auch machte sich Habegger zahlreiche Gedanken über die Problemlösung einer Kurve bei Schleppliften des Systems Constam. Durch die Bauweise der Gehänge bedingt sind Kurven generell nur in eine Richtung möglich. Schräge Rollen waren die einfachste Möglichkeit, das Seil horizontal abzulenken. Begrenzte Radien führten jedoch zu begrenzten Einsatzmöglichkeiten. Dies umging Habegger, indem die Rollen durch eine geschickte Abfolge von Niederhalte- und Tragebatterien kleinere Radien ermöglicht wurden. Zudem wurden die Schleppliftgehänge durch eine Schiene schräg gestellt, was wiederum den Radius begünstigte. Letztendlich waren mit diesem System aber wieder nur Kurven in eine Richtung möglich, da das Schrägstellen der Gehänge nur auf der talfahrenden Seite möglich war.

Zwei weitere Systeme entwickelte Habegger im Anschluss daran, zunächst eine der Baco-Kurve ähnliche Seilscheibe, bei der im Gegensatz zu Baco aber Zugfedern zur Seite und nicht nach oben weggedrückt wurden, um dem Gehängearm Platz zu machen. Das System wurde drei Mal eingesetzt, funktionierte aber nicht richtig und wurde schon bald durch Aufspaltung der Schlepplifte in zwei Sektionen, Begradigung oder Abänderung in ein anderes Kurvensystem ersetzt. Das zweite Habeggersche Kurvensystem sah eine inmittierte Seilführung vor, bei der das Gehänge zentral von unten an das Seil griff. Kurven waren so unbegrenzt möglich, Tragebatterien griffen von zwei Seiten seitlich an das Seil. Auch dieses System eignete sich letztendlich aber nicht für den regulären Betrieb. Die Versuchsanlage auf der Melchsee-Frutt wurde fünf Jahre nach der Inbetriebnahme in ein normales System umgebaut, eine weitere Anlage ohne Kurven ist auf der Engstligenalp im Berner Oberland noch in Betrieb. Als Bergebahnen bei kuppelbaren Umlaufbahnen setzte Habegger das System aber mehrmals erfolgreich ein.

1973 erwarb Habegger die Seilbahnsparte der Firma Giovanola und damit auch die Lizenz zum Bau deren Kuppelsystem. Neben Habegger erlangte auch die Konkurrenzfirma Städeli eine Lizenz des Systems. Die erste Viererkabinenbahn von Habegger mit den Schwerkraftklemmen der Walliser Firma entstand 1975 von Le Châble nach Verbier. Zu den weiteren Erfolgsbahnen zählten 1978 die Männlichenbahn in Grindelwald, längste Einseilumlaufbahn Europas in zwei Sektionen, sowie die erste 6er-Kabinenbahn der Schweiz zum Vorabgletscher in Flims-Laax-Falera. 1981 entstand eine weitere 6er-Kabinenbahn von Habegger am Rellerligrat in Schönried im Berner Oberland. Diese Anlage besitzt aufgrund einer vorgegebenen Trassierung eine Kurve, welche mit den Habeggerschen schrägen Rollenbatterien versehen ist. Die Konstruktion mit der schnellen Abfolge von Trage- und Niederhaltebatterien wird mit voller Streckengeschwindigkeit von 4 m/s durchfahren.

Der Bau von kuppelbaren Sesselbahnen zählte zu Habeggers letzten Meisterstücken. 1982 begann die Firma mit dem Bau einer kuppelbaren Dreiersesselbahn auf La Siala in Flims-Laax-Falera. Der Bau, der sich aufgrund Permafrostboden als äusserst schwierig herausstellte, wurde mit einer einmaligen Kuppelklemme versehen, einer von Habegger eigens entwickelten Totpunktklemme, deren Funktionsprinzip jener der Von Roll VH400 ähnelte. Genau jene Firma stellte die Anlage bis 1983 schlussendlich fertig, da Habegger die Seilbahnsparte trotz fortwährend gutem Geschäft verkaufen musste.

Ein Unfall an der Bettmeralp bei einer von Habegger erstellten Windenpendelbahn führte dazu, dass die Firma Anfang der 80er Jahre die Seilbahnsparte nicht mehr tragen konnte. Aufgrund von Rostschäden an der Zugseilverankerung der Kabine riss das Zugseil der Pendelbahn ab, worauf die Kabine ins Tal donnerte, wo alle Insassen den Tod fanden. Die Tragseilbremse hätte dies verhindern sollen, doch aufgrund eines fehlerhaft verwendeten Schmierfetts am Tragseil fand die Fangbremse keine Haftung. Ein weiterer, ähnlich zustande gekommener Fall an einer Habegger-Anlage in Norwegen führte letztlich zum Ende der Seilbahnsparte des Schweizer Traditionsherstellers.

Die Seilbahnsparte ging in der ersten Hälfte der 80er Jahren an Von Roll. Der Berner Stahlkonzern verlagerte seine Produktionsstätte nach Thun und betrieb die Seilbahnsparte des Unternehmens fortan unter dem Namen Von Roll-Habegger. Die Technik wurde teilweise übernommen, so zum Beispiel die Giovanolaklemmen und das Know-how im Pendelbahnbau. 1984 entstand in Engelberg noch eine letzte Kabinenbahn, die auch Habegger-Stützen und den von der Firma oft verwendeten Gummibandbeschleuniger / -verzögerer aufweist. Bestens bekannt ist die Firma Habegger, die inzwischen durch Willy Habeggers Sohn Peter erfolgreich geführt wird, aber immer noch für den von ihr produzierten Seilzug, der in der Umgangssprache nach der Firma benannt ist.



Verweise