Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Montaz Mautino

Allgemeine Informationen
Name
Montaz Mautino

Land
F

Gründungsjahr
1952

Pierre Montaz war bereits in jungen Jahren vom Skisport begeistert und arbeitete als Monteur in der Firma seines Freundes Jean Pomagalski. Nachdem dessen Pomalift immer populärer wurde, machte sich Montaz 1952 schliesslich selbstständig und schloss sich mit Victor Mautino zusammen. Gemeinsam gründeten sie die Firma Montaz Mautino. Montaz war in seiner aktiven Zeit bei Pomagalski unter anderem massgeblich an der Entwicklung der leichten "Baby"-Version des Pomalifts beteiligt.

Aufgrund der Vergangenheit von Montaz war es nicht sonderlich verwunderlich, dass auch er den kuppelbaren Stangenschlepplift von Poma bauen wollte. Sein Freund Pomagalski unterstütze ihn dabei und gab ihm Lizenzen zum Bau der Schlepplifte. Eine quasi zweite Produktionsstätte verhalf Pomagalski zur schnelleren Verbreitung des erfolgreichen Schleppliftsystems. Im Gegensatz zu Poma expandierte Montaz Mautino allerdings nicht in die ganze Welt, genau genommen entstanden nahezu alle gebauten Anlagen im Heimatland Frankreich.

Grundsätzlich unterschieden sich die Lifte in den Anfängen wie auch später nur sehr wenig vom Original, für einen Laien sind die beiden Firmen bei den Schleppliften kaum zu unterscheiden. Gewisse Details wie Stationssteher, Rollen, Führungsschienen und Einkupplungsmechanismus sind allerdings prinzipiell anders aufgebaut als bei Poma. Da allerdings bis heute viele Montaz Mautino-Schlepplifte mit Pomateilen versehen wurden und teils auch umgekehrt, ist es sehr schwierig, den Originalhersteller noch auszumachen. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal der Montaz Mautino-Schlepplifte sind jedoch der Kupplungsmechanismus in der Talstation, der durch Ziehen am Teller in Gang gesetzt wird, sowie die lange Zeit verbauten, am Schaft flanschverschraubten Stützen.

Während der Pomalift bis in die 70er Jahre das einzige Produkt von Montaz Mautino blieb, so änderte sich dies mit den ersten fixen Zweier- und Dreiersesselbahnen. Diese hatten technisch gesehen nichts mehr mit Poma gemeinsam. Charakteristisch für die Bahnen waren die lange Zeit eingesetzten Sessel mit runder Form, die es in Zweier- und Dreiervariante gab.

Nachdem Poma 1972 die ersten kuppelbaren Sesselbahnen baute, sah sich Montaz Mautino gezwungen nachzuziehen, da sie noch überhaupt keine kuppelbaren Bahnen realisiert hatten. Poma war unterdessen bereits in Frankreich Marktführer in diesem Segment mit ihren zahlreichen erstellten Kabinenbahnen. Gemeinsam mit der Firma Neyret-Beylier und deren Konstrukteur Pierre Goirand entwickelte Montaz Mautino ein System für fixe Sesselbahnen, bei denen die Sessel beim Ein- und Ausstieg durch Schienen so geführt wurden, dass der Sessel langsamer fuhr und der Komfort in den Stationen somit erhöht werden konnte. Dies auf sehr einfache Art und Weise, und auch wesentlich kostengünstiger als bei der kuppelbaren Version. Im Grunde genommen war das System eine Automatisierung von dem, was man heute noch bei vielen fixen Sesselbahnen beobachtet, dass die Angestellten den Sessel per Hand ein wenig festhalten, sodass der Anfahrtsruck gedämpft wird. Aufgrund der Zusammenarbeit wird als Hersteller oft auch die Abkürzung MMG (Montaz Mautino-Goirand) angegeben. Quellen sprechen von bis zu vier erstellten Anlagen mit diesem System (Foto einer solchen Anlage).

Definitiv stieg Montaz Mautino in den 80er Jahren auch ohne Mithilfe von Neyret-Beylier in den Bau der kuppelbaren Seilbahnen ein. Montaz Mautino setzte dabei auf eine Lizenz der Klemme, die seit kurzer Zeit auch von Städeli eingesetzt wurde. Abgesehen von den Klemmen waren die Komponenten der Bahnen weitgehend an die fixen Anlagen angelehnt. Stützen und Sessel konnte man sofort Montaz Mautino zuordnen. Im Gegensatz zur lokalen Konkurrenz Poma waren die Stationen allerdings bei weitem nicht so standardisiert und dürften somit weitaus kostenintensiver beim Bau gewesen sein. Die Firma konnte nach einer ersten kuppelbaren Zweiersesselbahn mit Hauben in der Folge zahlreiche kuppelbare Vierersesselbahnen sowie kuppelbare Kabinenbahnen mit der Städeli-Klemme erstellen. Insgesamt baute die Firma rund 20 Anlagen mit kuppelbaren Klemmen, von denen die meisten heute auch noch existieren. Eine sehr ausgefallene Anlage wurde 1986 in Argentière erstellt. Bei dieser Bahn werden die Fahrgäste von der Station an der Skipasskasse zunächst etwa 100 Meter mit einem Kettenförderer befördert, ehe eine zweite Station am Ende der Talabfahrt einen zweiten Einstieg in die Bahn bildet. Erst nach dem Passieren dieser Station werden die Sessel ans Seil gekuppelt (Foto einer kuppelbaren Sesselbahn der Firma).

Es sollte allerdings die letzte kuppelbare Sesselbahn von Montaz Mautino werden. Im Streit mit seinem Co-Firmengründer verliess Pierre Montaz die Firma, die sich anschliessend als nicht mehr überlebensfähig präsentierte. Sie fusionierte kurze Zeit später mit der Firma Gimar zu Gimar Montaz Mautino (GMM). Die Produktpalette blieb noch für einige Jahre bestehen, so konnte auch GMM noch wenige kuppelbare Sesselbahnen erstellen, die letzte 1990 in Les Karellis (Reportage über die Anlage in französischer Sprache). Schon bei diesen Bahnen waren allerdings frappante Unterschiede zum Vorgänger Montaz Mautino auszumachen. Die Sessel besassen fortan nicht mehr den runden Bügel, der von aussen an die Sitzflächen griff, fortan waren es zwei zentrale Verstrebungen, die das Erscheinungsbild der Sessel prägten.

Dies kann als prägnantestes Merkmal zur Unterscheidung der beiden Firmen angesehen werden. Anfang der 90er Jahre stieg die Firma, die nur noch wenige Mitarbeiter beschäftige, aus dem kostspieligen Bau von kuppelbaren Seilbahnen aus und konzentriert sich seitdem nur noch auf den Bau von Schleppliften und fixen Sesselbahnen. Diese werden bis heute gebaut, zudem bietet die Firma Ersatzteile für ältere Montaz Mautino-Anlagen an.



Verweise