Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Niederberger

Allgemeine Informationen
Name
Niederberger

Land
CH

Gründungsjahr
1881

Die Firma Remigi Niederberger und Söhne zählte ab 1881 zu den grössten Schweizer Herstellern, die im Bau von Kleinseilbahnen tätig waren. Wie so viele Hersteller dieser kantonal konzessionierten Bahnen bis acht Personen Kabinenkapazität, wie Klemenz Mathis oder Odermatt, stammte auch Niederberger aus der Zentralschweiz.

Die Firmengeschichte im Seilbahnbau begann noch vor der Jahrhundertwende, als man ab 1898 die ersten Heuseile für Bauern rund um den Firmenstandort Dallenwil erstellte. Niederberger entwickelte sich analog zur lokalen Konkurrenz zu einem wichtigen Standbein in der Erschliessung von Almen oder kleineren Ortschaften oberhalb der Talebene. Waren die ersten Pendelbahnen mit Personentransport noch mit Wasserballastantrieb ausgestattet, so setzte Niederberger ab 1911 auf Verbrennungsmotoren, wie erstmals in jenem Jahr bei der Seilbahn von Dallenwil nach Niederrickenbach eingesetzt. Im Gegensatz zu den anderen Herstellern konnte sich Niederberger schon früh auch fernab der Engelberger Aa einen Namen machen. 1913 entstand eine Zubringerbahn von Emmetten nach Niederbauen, auch im nahe gelegenen Urnerland folgten ab dem zweiten Weltkrieg zahlreiche kleinere Personenseilbahnen. Mit fortgeschrittener Technik wurden viele der kleineren Seilbahnen in den 30er Jahren bereits durch Neubauten ersetzt. Allerdings kam es auch in dieser Zeit wieder zu vielen Neuerschliessungen, wie beispielsweise am Wiesenberg oberhalb von Dallenwil. Die 1934 fertig gestellte Bahn ist noch heute, wenn auch mit einigen Umbauten, in Betrieb.

Neben dem Engagement im Bau von Kleinpendelbahnen erstellte Niederberger 1937 in der Harissenbucht am Vierwaldstättersee einmalig einen Stehlift. Bei dieser Art Korblift handelte es sich um einen Zubringer zu einer Badi, die Strecke war kurz und die Stützen wurden aus Restbeständen von Mauern zusammengebaut. Schon bald wurde der Betrieb der Anlage aber wieder eingestellt, existieren tut sie aber noch bis heute, allerdings nicht mehr betriebsfähig. Interessant ist, dass Niederberger als Klemme eine Spleissklemme verwendete, die später auch vom amerikanischen Hersteller Riblet verbaut wurde. Es dürfte sich dabei um die einzige europäische Anlage mit dieser Klemmenart gehandelt haben.

Bis in die 60er Jahre sollte die Anlage in der Harissenbucht die einzige mit Umlaufbetrieb aus dem Hause Niederberger bleiben. Mitte der 60er Jahre erstellte die Firma als Schweizer Vertretung des Südtiroler Unternehmens Leitner mehrere Schlepplifte mit deren Technik in der Zentralschweiz, darunter in Emmetten sowie am Wirzweli oberhalb von Dallenwil. Letzterer Schlepplift aus dem Jahr 1967 ist bis heute in Betrieb. Letztendlich blieb es aber bei wenigen Exemplaren und ab den 70er Jahren konzentrierte sich die Firma wieder voll auf den Bau von Kleinpendelbahnen.

Bis in die 90er Jahre expandierte die Firma mit ihren Pendelbahnen in die ganze Schweiz. Speziell im Wallis konnte Niederberger einige Seilbahnen für Kraftwerke oder aber zur Erschliessung von Anhöhen erstellen. Im Wallis war es aber auch, wo sich die Firma erstmals in einem neuen Geschäftsfeld bewegte. Am Lac d’Emosson erstellte Niederberger 1991 eine kleinere Standseilbahn, streng genommen einen Schrägaufzug. Von diesen konnte die Firma bis nach der Jahrtausendwende parallel zum guten Geschäft mit den Pendelbahnen noch einige weitere erbauen.

Mit den von der EU adaptierten Gesetzen zum Personentransport bei Seilbahnen in der Schweiz, die deutlich strengere Sicherheitsvorkehrungen erfordern, als es zuvor bei den kantonal konzessionierten Bahnen der Fall war, stagnierte der Bau der Kleinseilbahnen ab 2005. Viele Bauern oder andere Inhaber der kleinen Seilbahnen können aus finanziellen Gründen keine neuen Bahnen ordern. Stattdessen findet man an vielen Orten mehr und mehr Strassenbauten, die sich den Berg empor schlängeln. Aufgrund dieser wenig auftragsreichen Zukunftsaussichten entschloss sich Niederberger 2005 dazu, die Firma an Inauen-Schätti zu verkaufen. Mit dem Verkauf der Firma ging nicht nur die über 100-jährige Geschichte der Niederbergerschen Luftseilbahn zu Ende, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach auch die flächendeckende Ortserschliessung durch Kleinseilbahnen in der Schweiz.



Verweise