Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Oehler

Allgemeine Informationen
Name
Oehler

Land
CH

Gründungsjahr
1881

Im Jahr 1881 gründeten Alfred Oehler-Osthuess und Robert Zschokke die Firma Oehler-Zschokke. Anfänglich war die Firma, deren Werk sich in Aarau befand, unter diesem Namen tätig, nach dem Tod des Firmenmitgründers Zschokke nannte sich die Firma fortan nur noch Oehler. Der Sohn des 1900 verstorbenen zweiten Firmengründers Oehler, war bis 1955 in der Firma tätig und hatte während des zweiten Weltkriegs eine wichtige Führungsposition des Armee-Seilbahndienstes inne.

Die ersten Seilbahnen aus dem Hause Oehler entstanden aber schon lange vor dem zweiten Weltkrieg. Genau genommen begann die Firma bereits kurz nach der Jahrhundertwende mit dem Bau der ersten Standseilbahnen, einem Segment, in dem die namhaften Firmen Bell und Von Roll bereits seit einigen Jahrzehnten tätig waren. Der grösste Teil der von Oehler erstellten Bahnen diente jedoch nicht wie jene der beiden anderen genannten Firmen dem öffentlichen Transport von Personen, sondern war meist internes Betriebsmittels für Kraftwerke. Viele der Bahnen sind heute nicht mehr vorhanden, allerdings kann man hier und da noch einige Bestandteile der Oehler-Technik finden, wie beispielsweise an den stillgelegten drei Sektionen Standseilbahnen in Fully, die zu einem Kraftwerk gehörten. Diese Bahnen hatten zudem eine speziell von Oehler eingesetzte Technik, die mit zahlreichen Wagen und Ausweichen auf den drei Abschnitten sehr hohe Kapazitäten ermöglichten.

Neben den Standseilbahnen lieferte Oehler 1924 in Crans-Montana zentrale Elemente wie die Antriebstechnik für eine verwandte Seilbahnart, die ersten Funischlitten der Schweiz. Die beiden Anlagen im bekannten Tourismusort entstanden somit wesentlich früher als die Mitte der 30er Jahre populär gewordenen Funischlitten des Arnold Annen aus dem Berner Oberland. Jener ersetzte die Schlittenanlagen jedoch noch vor dem zweiten Weltkriegen durch Exemplare von sich selbst.

Immer höher, immer schrofferes Gelände, mit diesem Problem sah sich auch Oehler konfrontiert und konnte längerfristig nicht mit den Standseilbahnen in der schnell fortschreitenden Seilbahntechnik mithalten. Daher begann die Firma als eine der ersten der Schweiz zu Beginn der 30er Jahre mit dem Bau kleinerer Pendelbahnen, sowohl für Kraftwerke, als auch für den öffentlichen Personentransport. So wurde beispielsweise 1935 die Melchsee-Frutt im Kanton Obwalden durch eine für die damalige Zeit mit drei Kilometern enorm lange Pendelbahn aus dem Hause Oehler erschlossen. Aus Gründen der zu geringen Förderleistung wurde die Bahn aber alsbald durch einen Neubau ersetzt. Einige weitere Kraftwerksbahnen der Firma Oehler findet man noch heute, öffentliche sind allerdings, zumindest auf Schweizer Boden, nicht mehr in Betrieb. Die Ruine der Seilbahn Mattgrat am Bürgenstock nahe Stans steht allerdings seit der Betriebseinstellung in den 80er Jahren weitgehend unverändert da, sodass dieses Exemplar einer 4er-Pendelbahn trotz fortgeschrittener Rückgewinnung der Landschaft durch die Natur noch immer bestaunt werden kann. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Position des Firmenchefs im Militär zählte Oehler auch zu den Pionieren im Bau von Armeeseilbahnen im zweiten Weltkrieg.

Doch da sich auch der Skitourismus in den 30er Jahren auf einem aufsteigenden Ast befand, war Oehler auch am Bau von Schleppliften interessiert. Die Funischlitten von Annen hatten zwar ihre Tauglichkeit für die Wintersportler bewiesen, längerfristig waren die Förderleistungen der Anlagen aber zu gering. Ernst Constam hatte 1934 in Davos den ersten Bügelschlepplift der Welt eröffnet, Jean Pomagalski begann in Frankreich, seinen erfolgreichen Poma-Schlepplift zu erstellen. Doch es entwickelte sich in jener Zeit neben den weiteren, in kleiner Stückzahl erstellten Systeme, noch ein drittes erfolgreiches Schleppliftsystem, jenes von Beda Hefti. Der Freiburger Ingenieur entwickelte den Gurtenschlepplift, im Grunde genommen eine Art Poma-Schlepplift, allerdings ohne automatisiertes Kuppeln der am Förderseil befestigten Schleppseile. Diese erhielten die Fahrgäste an der Kasse, ehe sie, nachdem sie sich den am Schleppseil befindlichen Gurt umgebunden hatten, durch einen Mitarbeiter mit dem anderen Seilende ins Förderseil eingehakt wurden. An der Bergstation klinkten sich die Haken wieder aus und mussten im Anschluss daran wieder gesammelt manuell ins Tal zurückgefahren werden. Beda Hefti erstellte den ersten Schlepplift im freiburgischen La Berra, doch Oehler wurde auf die neue Konstruktion schnell aufmerksam. Fortan erlangten sie eine Lizenz zum Bau dieser Schleppliftart und erstellten in der Schweiz rund 20 Anlagen mit den Gurten.

Ein Kuriosum entstand 1948 in Arosa. Dort wurde am seit Jahren beliebten Skihang am Hörnli ebenso ein Gurtenschlepplift aufgestellt, mit sage und schreibe 51 Zwischenstützen und über 2,5 Kilometern Länge aber der mit Abstand grösste überhaupt. Hinzu kam, dass Oehler versuchsweise auch Einersessel in das Schleppliftsystem einhängte. Da die Umlenkscheiben nicht wie beim Constamsystem so ausgeführt waren, dass Betriebsmittel die Scheiben umfahren konnten, wurden die Sessel in den Stationen vom Förderseil abgeklemmt. Vom Prinzip her handelte es sich dabei um eine kuppelbare Einersesselbahn. Die Sessel wurden lediglich durch die Gravitation auf das Förderseil gepresst und durch Anheben in den Stationen durch Schienen vom Seil gelöst. Da konstruktionsbedingt der Gehängearm sowohl bei Berg- als auch bei der Talfahrt immer auf der selben Seite sein musste, wurden die Sessel in den Stationen auf ein Stumpfgleis geleitet und der Sitz um 180° gedreht, sodass der Fahrgast immer in Fahrtrichtung blickte. Bei der Anlage gab es einen genauen Fahrplan, zu welcher Uhrzeit am laufenden Tag sie als Sesselbahn bzw. als Schlepplift betrieben wurde. Nach anfänglich reibungslosem Betrieb ereignete sich nach einigen Jahren ein schwerer konstruktionsbedingter Unfall, woraufhin der Sesselbetrieb eingestellt wurde. 1963 wurde die Anlage durch eine Zweiseilumlaufbahn von Bell ersetzt.

Schon nach dem zweiten Weltkrieg zeigte sich, dass das System verglichen mit den wesentlich komfortableren Constam-Schleppliften nicht mithalten konnte. So setzte Oehler ab den 50er Jahren nach Auslaufen der Patente Constams ebenfalls wie viele andere Schweizer Hersteller auf seine Konstruktionsprinzipien. Hierbei entstanden wie bei Sameli-Huber, Brändle, Müller und Städeli, um nur einige nationale Konkurrenten zu nennen, auch Kombilifte mit Sommerbetrieb durch Einersessel sowie reine Einersesselbahnen.

Das nächste kuriose System entstand von Oehler zu Beginn der 50er Jahre. Es basierte vom Grundgedanken her auf jenem der kuppelbaren Einersesselbahn in Arosa, war aber für kuppelbare Kabinenbahnen mit Viererkabinen gedacht. Bei diesen Anlagen, von denen Oehler in der Schweiz insgesamt drei erstellte, waren am umlaufenden Förderseil in gewissen Abständen Mitnehmer fest fixiert. War eine Kabine in der Station abfahrbereit, wurde sie über eine schräge Ebene beschleunigt und danach durch einen der Mitnehmer am Seil ans Förderseil geklemmt. Ein Verschluss verhinderte das ungewollte Öffnen der Klemme während der Fahrt. Ausgekuppelt wurden die Kabinen durch Anheben, was durch eine Schiene in den Stationen geschah. Die erste solche Anlage entstand 1951 in Crans-Montana, wurde aber trotz zahlreicher Ausbesserungen bereits 1968 durch eine Pendelbahn ersetzt. Nicht viel länger war die 1954 am Pizol eröffnete Bahn Wangs-Maienberg-Furt in Betrieb. Diese wurde 1975 durch eine neue Umlaufbahn ersetzt. Die Stützen der Bahn sind aber seit diesem Datum am nahe gelegenen Kleinberg oberhalb von Flums bei einer Gruppenpendelbahn immer noch im Einsatz.

Neben den von Oehler selbst erstellten Bahnen mit diesem Kuppelsystem erhielt die französische Firma Applevage eine Lizenz zum Bau dieser Anlagen in Frankreich. Die Firma erstellte etwa fünf solcher Anlagen in den französischen Alpen sowie im Juragebirge. Stützen einer solchen Bahn waren noch bis 2006 am Col de la Faucille im Einsatz, der Rest der Bahn stammte allerdings nach einem Neubau von Poma. Die letzten Überreste einer derartigen Anlage mit diesem ausgefallenen System dürfte in Saint-Nizier gestanden haben, die Ruinen dieser Bahn wurden 2002 nach über 30 Jahren Stillstand abgetragen. Ebenso besass die österreichische Firma Kienast eine Lizenz zum Bau derartiger Anlagen.

Nachdem sich auch das Kuppelsystem für Kabinenbahnen nicht durchsetzen konnte, beschränkte sich Oehler in den folgenden beiden Jahrzehnten auf Schlepplifte und Kombibahnen. Die letzten Oehler-Schlepplifte mit ihren charakteristischen Fachwerk-T-Stützen entstanden 1972 wiederum am Pizol. Danach verkaufte die Firma ihre Seilbahnsparte an Habegger. Jene Firma stellte am Rinerhorn 1981 eine Occasionsanlage von Oehler auf.



Verweise