Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Poma

Allgemeine Informationen
Name
Poma

Land
F

Gründungsjahr
1947

Poma – dieser Name steht seit vielen Jahrzehnten auf der ganzen Welt für das am meisten verbreitete Schleppliftsystem.

Der spätere Firmengründer Jean Pomagalski, ein nach Frankreich ausgewanderter Pole, begann Anfang der 30er Jahre, sich für den aufkommenden Skisport und den Skitourismus zu interessieren und suchte nach einer Lösung, eine kostengünstige Aufstiegshilfe für Skifahrer zu konstruieren. Gemeinsam mit zwei weiteren Mitstreitern entwickelte Pomagalski Mitte der 30er Jahre nach einigen anfänglichen Versuchen mit kleineren Materialseilbahnen seinen ersten Schlepplift. Dieser wurde im Februar 1936 auf der Alpe d’Huez in Frankreich eröffnet, wobei es sich bei diesem Lift jedoch noch nicht um das später so populäre System mit kuppelbaren Klemmen handelte. Am umlaufenden Förderseil waren Teller mit Teleskopstangen montiert, die zwischen zwei am Seil fixierten Noppen etwas Bewegungsspielraum hatten. Dieser Spielraum war so konzipiert, dass der Anfahrtsruck an der Talstation gedämpft werden sollte, ähnlich wie beim System der Kleinschlepplifte des Schweizer Konstrukteurs Vogler (Foto einer solchen Anlage).

Da der Mechanismus allerdings nicht zufrieden stellend funktionierte, entwickelte Pomagalski das System weiter. Ihm ging es in erster Linie darum, die Streckengeschwindigkeit zu erhöhen und somit die Fahrzeit zu reduzieren, es brauchte jedoch noch einige Zeit und einige Versuchsanlagen, ehe das System einsatztauglich war. Während dieser Zeit entstanden einige Anlagen, die man als eine Mischform zwischen der ursprünglichen Idee mit den Noppen und der späteren kuppelbaren Version bezeichnen kann. Während dieser Zeit wollte die Pariser Firma Applevage das Poma-Patent kaufen, zog sich aber wieder zurück, nachdem die Anlagen zunächst noch Kinderkrankheiten aufwiesen. 1944 schliesslich brachte Pomagalski das perfektionierte System auf den Markt, welches auch heute noch eingesetzt wird.

1947 gründete Pomagalski die Firma Jean Pomagalski S.A., und entwickelte fortan seine Schlepplifte bis zu einer Standardisierung weiter. Aus marketingtechnischen Gründen vermarktete er seine Anlagen ab 1952 als "Pomalift", und expandierte in die ganze Welt. In vielen Ländern werden Schlepplifte heute sogar generell als "Pomalift" bezeichnet. Schlepplifte wurden in dieser Epoche in einer grossen, schweren sowie in einer kleinen, leichten ("Baby"-) Variante angeboten.

1958 stieg Poma ins Geschäftsfeld der fixen Sesselbahnen ein. Im Gegensatz zu vielen anderen Mitstreitern setzte Poma aber nicht zunächst auf Einersesselbahnen, sondern gleich auf Zweiersesselbahnen mit entsprechend höherer Förderleistung. Interessanterweise wies der Prototyp in Chamonix bereits die gleichen Sessel und Stützen auf, die noch 30 Jahre später gebaut wurden. Auch in den USA konnte Poma bereits Anfang der 60er Jahre eine immense Zahl an fixen Sesselbahnen bauen.

Mit Beginn der 60er Jahre kam es in Frankreich zu einem regelrechten Boom im Skitourismus. Nahezu alle heute bekannten Skistationen, meist Retortengebiete, entwickelten sich in jener Zeit mit einer rasanten Geschwindigkeit. Die Nachfrage an Kapazität sowie die teils schroffen Trassierungen konnten durch Schlepplifte und fixe Sesselbahnen nicht mehr gedeckt werden. Im Nachbarland Schweiz war zu dieser Zeit bereits seit Jahren die kuppelbare Einseilumlaufbahn als erfolgsversprechende Seilbahn im Einsatz. Auch in Frankreich hatten kurz zuvor die Firmen Weber, Neyret-Beylier und Sacmi mit dem Bau solcher Anlagen begonnen. Statt ein eigenes System zu entwickeln, was womöglich zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte, kaufte Pomagalski die Firma Sacmi auf und setzte fortan deren Klemmensystem für Kabinenbahnen ein. Poma entwickelte auch hier schon beim Prototyp ein Standardsystem, welches für gut 20 Jahre im Einsatz sein sollte. Die Kabinen wiesen dabei eine rundliche Form auf und werden aufgrund der abwechslungsreichen Farbwahl noch heute liebevoll als Eiergondelbahnen bezeichnet. Als einzige Firma konnte Pomagalski bereits Ende der 60er Jahre Anlagen auf allen Kontinenten verbuchen.

Zu den Meilensteinen Anfang der 70er Jahre zählte unter anderem der Bau der ersten kuppelbaren Zweier- und Dreiersesselbahnen, später auch mit Hauben, sowie die weltweit erste Kabinenbahn mit 6er Kabinen. Poma zählte damit neben Carlevaro-Savio zu den wenigen Herstellern, die bereits in den 70er Jahren, noch vor der eigentlichen Renaissance der kuppelbaren Sesselbahnen in den 80ern, solche erstellten.

Anfang der 80er Jahre stieg Poma in den Bau von Pendelbahnen ein. Die Firma setzte allerdings auch hier wiederum nicht auf eigene Technologien, sondern erwarb eine Lizenz der Schweizer Firma Habegger zum Bau von grossen Luftseilbahnen. Die erste solche Bahn konnte 1982 zur Cime de Caron in Val Thorens eröffnet werden, viele weitere sollten in den folgenden Jahren hinzukommen (Foto des Vanoise-Express, eine Doppelstockpendelbahn).

Zur selben Zeit verabschiedete sich Poma aber auch von der Sacmi-Klemme, die der Firma die ersten grossen Erfolge im Bereich der kuppelbaren Bahnen ermöglichte. Für alle Bahnen setzte Poma in der Folge die neue T-Klemme ein, eine Klemme mit offen liegender Schraubenfeder, wie sie später von vielen anderen Herstellern auch eingesetzt wurde. Mit dieser Klemme kamen von Poma auch die ersten Kabinenbahnen mit bis zu zehn Personen pro Kabine auf den Markt. Wie quasi alle anderen europäischen Hersteller auch entwickelte Poma in den 80er Jahren standardisierte Stationsbauten, um die Kosten möglichst gering zu halten. Im Gegensatz zu den anderen Firmen, die sich damit anfangs noch relativ schwer taten, konnte Poma die schon immer vorhandene simple Bauweise perfektionieren und entwickelte den Stationstyp "Alpha", der sowohl für fixe, wie auch für kuppelbare Bahnen zum Einsatz kam. Die Konstruktion mit Brückenantrieb ermöglichte es auch, eine Anlage zunächst als fixe Sesselbahn zu bauen, und später auf kuppelbar kostengünstig umzurüsten. Viele kleinere Skigebiete wählten diese Methode, da ein direkter Bau einer kuppelbaren Anlage zu kostspielig gewesen wäre. Mit dem fixen Stangenschlepplift kam in dieser Epoche ein weiteres kostengünstiges Produkt für Übungshänge auf den Markt.

Mit der Parole "Le téléphérique est enfin débrayable" ("Die Luftseilbahn ist endlich kuppelbar") warb Poma ab 1983 für die von Denis Creissels entworfene Technik des DMC, einer Umlaufbahn mit zwei parallel geführten Zugseilen. Grosse Windstabilität und grosse mögliche Spannfelder liessen dieses System in Frankreich populär werden. Poma setzte hierfür eine Modifikation der neuen T-Klemme ein, bereits bei der ersten Anlage, die 1984 in Serre-Chevalier eröffnet werden konnte. Mit der baldigen Entwicklung des Funitels durch Creissels 1990 starb diese Seilbahngattung jedoch relativ schnell wieder aus. Poma stieg erst 2001 in den Bau von Funitels ein und setzt seit wenigen Jahren auf die inzwischen bewährte DLM-Technik bei Funitels.

Ende der 80er Jahre stieg Poma auch in den Bau von Standseilbahnen ein, bis heute ist es allerdings bei wenigen Anlagen geblieben. Neben einigen urbanen Anlagen konnte die Firma als grössten Erfolg im Standseilbahnbau die unterirdische Anlage "Dôme Express" in Les Deux Alpes verzeichnen.

Neben einigen optischen wie technischen Neuerungen an allen angebotenen Bahntypen tat sich um Poma anschliessend bis ins neue Jahrtausend wenig. Wenige Aufträge aufgrund der schneearmen Winter Mitte der 90er Jahre führten dazu, dass sich Poma 2000 mit Leitner zusammenschloss , mit jener Firma, mit der Poma in Amerika bereits seit längerem zusammenarbeitete. Im Gegensatz zum Zusammenschluss von Doppelmayr und Garaventa, bei denen quasi ausschliesslich Technik ersterer Firma gebaut wird, weisen die Leitner- und Poma-Anlagen noch einige Unterschiede auf, speziell bei den Stationsbauten. Gewisse Bestandteile wie Stützen oder Klemmen wurden aber gemeinsam entwickelt und sind identisch, die Produktpalette unterscheidet sich jedoch in gewissen Bereichen. Während ausschliesslich Poma den kuppelbaren Schlepplift sowie Funitelanlagen anbietet, so produziert auf der anderen Seite nur Leitner Zweiseilumlaufbahnen. Poma baut hingegen inzwischen auf Kundenwunsch auch Schlepplifte nach dem System Constam, die auf Leitnertechnik basieren.



Verweise