Seilbahnlexikon - Herstellerverzeichnis

Städeli

Allgemeine Informationen
Name
Städeli

Land
CH

Gründungsjahr
1950

Walter Städeli aus dem am Zürichsee gelegenen Oetwil am See begann Mitte der 50er Jahre mit seiner Maschinenfabrik mit dem Bau von Schleppliften. Bis in die 80er Jahre entwickelte er sich zu einem der international erfolgreichsten Schweizer Hersteller.

Seine ersten Schleppliftkonstruktionen, die ab 1957 entstanden, sind in erster Linie einem Tüftler zu verdanken, der zuvor unter dem Namen Tebru eigenständig im Seilbahnbau tätig war, Theodor Brunner. Dieser erstellte ähnlich früh wie der erfolgreiche nationale Konkurrent Karl Brändle eine Fachwerkstütze für Schlepplifte in Portalform. Diese gab es von Brunner in einer leichten und einer schweren Version. Theodor Brunner verkaufte seine Firma an Städeli und wurde dort als Konstrukteur beschäftigt. Für die ersten Anlagen wurde exakt jene Technik verwendet, die Tebru zuvor bei seinen Schleppliftanlagen verwendete. Zu den ersten solchen Schleppliften unter dem Namen Städeli zählten 1957 der Päffilift oberhalb von Chur sowie ein Übungslift auf dem Flumserberg.

Schon nach wenigen Jahren verliess Theodor Brunner die Firma Städeli im Streit mit Walter Städeli wieder und ging zur Konkurrenzfirma Skima, für die er in der Folge weitere Anlagen konstruierte. Die Patente und das technische Wissen über die Schleppliftanlagen System Brunner blieben jedoch auch bei Städeli, sodass die Firma in den folgenden Jahren eine enorme Anzahl derartiger Schleppliftanlagen im In- und Ausland bauen konnte. 1959 erstellte die Firma die erste Kombianlage in der noch kurzen Firmengeschichte am Flumserberg. Im Winter mit Schleppliftbügeln betrieben, wurden im Sommer Einersessel eingesetzt, die genau wie bei den ersten Anlagen der Firma Müller, quer zur Fahrtrichtung angebracht waren. Bereits 1966 wurde der Sommerbetrieb allerdings aufgrund einer neu eingeweihten, parallelen Kabinenbahn eingestellt.

Ähnlich erfolgreich verliefen der Verkauf und die Produktion von fixen Sesselbahnen ab Anfang der 60er Jahre. Als eine der ersten Firmen überhaupt setzte Städeli auf einen konsequenten Baukastenaufbau der Anlagen, bei dem viele Teile wie Sessel, Stützen und Stationen standardisiert wurden und die Kosten somit erheblich geringer ausfielen als bei der Konkurrenz. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Städeli in den Boomjahren der 60er und 70er rund 100 Anlagen dieser Art auf Schweizer Boden sowie eine Vielzahl weiterer in Europa und in Übersee installieren konnte. Speziell im Wallis entstanden die Anlagen teilweise zu Dutzenden in wenigen Jahren. Auch in den USA war Städeli ab den 70er Jahren sehr erfolgreich. Als einer der wenigen europäischen Hersteller konnte er aufgrund des einfachen Aufbaus den preiswerten fixen Sesselbahnen der einheimischen Konkurrenz Paroli bieten. In Japan baute in späteren Jahren die Firma Taihei Anlagen in Lizenz von Städeli.

Zu Beginn der 70er Jahre war Städeli im Segment der Umlaufbahnen für Wintertourismus der mit Abstand erfolgreichste Schweizer Hersteller. Hatte er bis dato nur fixe Anlagen erstellt, griff der ab 1970 auf das Kuppelsystem der Firma Giovanola, die sich kurze Zeit später aus dem Seilbahnbau zurückzog, für Einseilumlaufbahnen zurück. Der erste Lizenzbau entstand noch im selben Jahr in Verbier.

Der Verkauf der kuppelbaren Anlagen verlief jedoch eher schleppend. Der nationale Konkurrent Habegger, der das gleiche lizenzierte System verwendete, konnte im Zeitraum bis 1980 deutlich mehr Kabinenbahnen realisieren. So entstand die nächste kuppelbare Bahn auf Schweizer Boden von Städeli erst 1976, wiederum in Verbier. Im Bau von fixen Sesselbahnen sowie Schleppliften war Städeli aber nach wie vor Marktführer, auch wenn die Konkurrenz durch erste Zusammenschlüsse und Fusionen grösser wurde.

Ab 1983 hingegen setzte Städeli nach dem mehr oder weniger erfolglosen Einsatz des Giovanola-Systems auf eine neuartige Klemmenart. Bereits 1964 patentierte die Firma Städeli einen Klemmenapparat für kuppelbare Einseilumlaufbahnen, der bis in die 80er Jahre aber nicht zum Einsatz kam. In diversen Quellen ist davon die Rede, Städeli habe in jener Zeit auf ein Kuppelsystem des französischen Planungsbüros Denis Creissels zurück gegriffen, das auch von der französischen Firma Montaz Mautino sowie vom österreichischen Unternehmen Doppelmayr verwendet worden sein soll. Gemäss den Patenten wurde die fragliche Klemme allerdings von Doppelmayr selbst entworfen, wohingegen bei Städeli und auch bei Montaz Mautino die Klemmenidee von 1964 zum Einsatz kam. In der Tat sehen sich die Klemmen verblüffend ähnlich, die Funktionsweise ist aber unterschiedlich. Während bei Städeli ein Tellerfederpaket direkt über einen Kuppelhebel zum Öffnen entlastet wird, so bewirkt dieser Hebel beim Modell von Doppelmayr lediglich, dass über eine zweite Schiene bei einer entlasteten Tellerfeder die nun frei schwenkbare Klemmbacke verschoben werden kann. Während der Stationsdurchfahrt ist in diesem Fall die Klemme geöffnet. Folglich handelt es sich beim Modell von Städeli um eine monostabile, bei Doppelmayr aber um eine bistabile Klemme. Fotos belegen, dass Städeli definitiv das hauseigene System einsetzte, da der typische Bolzen zum Bewegen der Klemmbacke von Doppelmayr bei Städeli fehlt. Bei den letzten Bahnen der Firma, unter anderem in Leysin, wurde die Klemme in einer weiterentwickelten Form eingesetzt. Auch bei Montaz Mautino kam definitiv die Städeli-Klemme zum Einsatz; die Firma dürfte sie in Lizenz genutzt haben.

Die ersten Anlagen mit den neuen Klemmen entstanden von Städeli in Arosa sowie im selben Jahr in Morgins. Bei zwei von drei Bahnen handelte es sich um Aufrüstungen von fixen Zweiersesselbahnen auf kuppelbare Dreiersesselbahnen. In der Folge wurden einige Dreiersesselbahnen von Städeli so konzipiert, dass man sie ohne grosse Kosten auch auf kuppelbar hätte aufrüsten können, ähnlich wie es Poma in Frankreich zur selben Zeit anbot. Allerdings wurden in der Schweiz keine dieser anfänglich fix gebauten Bahnen später je umgebaut. Dass Städeli zu jener Zeit noch immer federführend im Bau von Kapazitätsmonstern für den Wintertourismus war, zeigt sich auch daran, dass die Firma 1985 die erste kuppelbare Vierersesselbahn der Schweiz erbaute, genauso wie zwei Jahre später die erste fixe Vierersesselbahn. Die erwähnten Anlagen entstanden in Arosa respektive in Verbier. Kurioserweise setzte Städeli 1984 in Verbier beim Bau einer 6er-Kabinenbahn noch ein letztes Mal auf das Giovanola-System. In der Folge wurde auch bei Kabinenbahnen die hauseigene Klemme eingesetzt, beginnend mit der 1986 in Crans-Montana eröffneten Kabinenbahn nach Les Violettes.

Das Ende der 80er Jahre bedeutete langsam aber sicher auch einen Abschwung in Sachen Aufträgen. Die Neuerschliessungen von neuen Gebieten wurden sehr stark eingeschränkt, generell aber war der Boom der vergangenen beiden Jahrzehnte abgeflacht. Hatte Städeli seine Schlepplifte ab Mitte der 70er Jahre kontinuierlich weiterentwickelt, mit neuen Stützenarten versehen und ähnlich wie die Sesselbahnen durch Standardisierung vieler Komponenten kostengünstig gemacht, so stagnierten die Absatzzahlen ab 1985. 1990 konnte die Firma gar nur drei Anlagen auf Schweizer Territorium erstellen, weniger als ein Zehntel verglichen mit den Spitzenjahren der 70er. Ein letzter Coup gelang der Firma mit dem Einstieg in den Bau von Gruppenbahnen. Genau wie die glärnische Firma Streiff sah Städeli in diesem Bahnsystem die Vorteile von hohen Kapazitäten, grossen Geschwindigkeiten sowie eines preisgünstigen, fixen Klemmensystems. Um Platz zu sparen, kamen bei steilen Ausfahrten vertikale Seilscheiben zum Einsatz, die kleine Radien ermöglichten und nur langsam befahren wurden. Diese Bauart ist heute noch als Städeli-Ausfahrt bekannt, von anderen Herstellern wurde sie allerdings nicht eingesetzt. In Adelboden kam 1990 auch eine Gruppenpendelbahn zum Einsatz, die kurioserweise eine Kurve in der Streckenmitte besitzt. Die Gehänge der Kabinen greifen daher auf beiden Fahrbahnen von rechts an das Seil.

Da der Bau der Gruppenbahnen aber nicht so erfolgreich verlief wie erhofft, fusionierte die finanziell angeschlagene Firma 1991 mit Garaventa. Im selben Jahr konnte Städeli unter eigenem Namen die einzige kuppelbare Sesselbahn der Firmengeschichte mit Wetterschutzhauben in Zermatt erstellen. Diese besass als eine der ersten auch die von Städeli früh eingesetzten Wechsellast-Rollenbatterien, die eine für den Fahrgast komfortablere und schonendere Seilführung ermöglichten. In der Folge verschwand der Name Städeli aber schon bald aus dem Seilbahnbau. Letzte Anlagen unter eigenem Namen waren die 1992 fertig gestellte Kabinenbahn Leysin-Berneuse sowie ein Jahr später ein Schlepplift in Champex. Fortan entstanden nur noch Bahnen unter dem Namen Garaventa. Bis heute bekannt geblieben ist aber der 1970 patentierte Ponylift, ein Seillift mit Festhaltevorrichtungen aus Plastik. Zu hunderten entstanden diese Anlagen auf der ganzen Welt. Walter Städeli verstarb im Dezember 2006.



Verweise