Seilbahnlexikon - Herausragende Schweizer Seilbahnen

2.1 Juragebirge

Auch wenn die Seilbahnen in den Schweizer Alpen weitaus zahlreicher sind und ein grösseres Ausmass besitzen, als im wesentlich flacheren Gebirgszug jenseits des Schweizer Mittellands, so trifft man auch im Juragebirge die eine oder andere interessante Seilbahn an. Schon früh konnten sich nach dem zweiten Weltkrieg parallel zu einigen Alpendörfern kleinere Anlagen für den Skibetrieb in Ortsnähe etablieren, von denen zwar viele bis heute wieder verschwunden sind, einige andere sich aber zu durchaus grösseren Skigebieten entwickeln konnten, speziell im südlichen Teil des Gebirges. Im Gegensatz zu den Alpen bildeten sich jedoch nur äusserst sporadisch reine Ausflugsbahnen, die Mehrheit der Seilbahnanlagen zielt seit jeher in der gesamten Region eher auf den lokalen Skitourismus.

Der nördliche Teil des Juragebirges, der Teile des Baselbiets sowie der Kantone Solothurn, Jura und Bern umfasst, weist von seinen ehemals in grosser Stückzahl vorhandener seilbahntechnisch interessanter Anlagen nur noch wenige auf. Namentlich handelt es sich dabei um ein Unikat in Form eines Schlepplifts der Firma Lauber in Oltingen sowie der bereits angesprochenen, zur Zeit aber stillgelegten Seitwärtssesselbahn auf den Weissenstein. Speziell von der Firma Müller stösst man aber noch auf einige nostalgische Schlepplifte, die teils noch weitgehend original aus den 50er und 60er Jahren stammen, so beispielsweise in Langenbruck, Mont Tramelan oder in Les Prés d’Orvin. Ebenfalls stark vertreten in Sachen Schleppliften ist auch die im Baselbiet ansässige Firma Borer, die ab den 70er Jahren die Gebirgszüge des Juras mit einer Vielzahl unterschiedlichster Schleppliftkonstruktionen bestücken konnte. Zahlreiche ältere Standseilbahnen in der Region Biel und Neuchâtel wurden in den letzten Jahren grundlegend modernisiert, sodass sie zwar weiterhin auf den bestehenden Linienführungen verkehren, ihren nostalgischen Charakter aber eingebüsst haben.

Einer der bekanntesten Juragipfel, der Chasseral, wurde einst von einer der längsten fix geklemmten Sesselbahnen der Welt mit rund drei Kilometern Länge erschlossen, doch inzwischen ist lediglich das bereits im Kanton Neuenburg gelegene Skigebiet Les Bugnenets-Le Pâquier am Fusse des Chasserals existent. Während die dortigen Schlepplifte wie so oft im Juragebirge von den Firmen Städeli und Müller stammen, bietet das nahe gelegene Skigebiet zwischen Les Hauts-Geneveys und dem bekannten Vue-des-Alpes-Pass nicht nur eine grandiose Fernsicht auf die Alpen, sondern auch ein Eldorado für Freunde des Schlepplifts, denn hier finden sich seltene Exemplare der prominenten Schweizer Seilbahnfirmen Tebru, Baco, Brändle, Garaventa und Habegger auf engstem Raum.

Dass die Grenze zu Frankreich teils nur einen Steinwurf von vielen Skigebieten im Schweizer Teil des Juragebirges entfernt liegt, macht sich seilbahntechnisch im südlichen Bereich insofern bemerkbar, als dass die typische französische Schleppliftkonstruktion, der Poma-Schlepplift, die Überhand hat. In den Skigebieten im malerischen Vallée de Joux sowie am bekannten Gipfel La Dôle trifft man quasi ausschliesslich auf französische Konstruktionen. Eine Ausnahme bildet das Skigebiet La Robella nahe dem im Val-de-Travers auf der Nordseite des Chasseron gelegenen Buttes, welches eine klassische Retortenerschliessung vom Reissbrett in Form einer Sesselbahn und dreier Schleppliftanlagen der Firma Bühler aufweist. Alle Anlagen wurden kurioserweise durch den Nachfolger der Firma Müller, Rowema, modernisiert, der sonst nur selten im Schweizer Seilbahnbau in Erscheinung getreten ist. Als einzige verbliebene fix geklemmte Sesselbahn im Schweizer Jura ist die Bahn auch im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel.