Seilbahnlexikon - Herausragende Schweizer Seilbahnen

2.7 Graubünden

Schon seit mehr als einem Jahrhundert zählt der Kanton Graubünden verglichen mit anderen Regionen der Schweiz die mit Abstand höchste Zahl an Logiernächten. Allein an dieser Kennzahl lässt sich bereits erahnen, welch grosse Bedeutung der Tourismus für Graubünden besitzt. Nicht verwunderlich ist daher auch die grosse Zahl an Skigebieten, die oft überdurchschnittlich grosse Areale umfassen. Nicht selten hat der grosse Zulauf an Touristen in den letzten Jahrzehnten aber in seilbahntechnischer Hinsicht auch dazu geführt, dass in den grösseren Skigebieten die nostalgischen, älteren Anlagen weitgehend durch neue Bahnen mit grösserer Förderleistung ersetzt wurden. Dennoch sind auch im grössten Kanton der Schweiz einerseits einige historische Exemplare als Zeitzeugen der letzten 100 Jahre, andererseits aber auch einige technisch interessanten Konstruktionen neueren Datums erhalten geblieben.

Angefangen in der Surselva, die sich zwischen dem Hauptort Chur und Sedrun erstreckt, zählen moderne, kuppelbare Sesselbahnen zum Standard. Kaum Schlepplifte und fix geklemmte Sesselbahnen sind übrig geblieben, eine Ausnahme bildet hier das Skigebiet zwischen Obersaxen und Vella im Val Lumnezia. Neben einigen fix geklemmten Bahnen der Firma Städeli ist ein besonders schönes Schleppliftexemplar vom Berner Willy Bühler im Bereich Sasolas erhalten geblieben. Hier handelt es sich um einen originalen, steilen Schlepplift mit Kurzbügeln, wie sie in den 60er Jahren gang und gäbe waren.

Das mit Abstand grösste und weitläufigste Skigebiet der Surselva erstreckt sich zwischen Flims, Laax und Falera. Schon seit dem Ende des zweiten Weltkriegs machte das Gebiet in Sachen fortschrittlicher Seilbahntechnik immer wieder Schlagzeilen. 1945 stellte die Firma Von Roll ihre erste kuppelbare Seitwärtssesselbahn im Bündner Bergdorf Flims fertig, bereits Mitte der 50er Jahre konnte der Cassonsgrat mit einer heute noch existenten, nostalgischen Pendelbahn bequem zugänglich gemacht werden. Doch auch in der späteren Entwicklungsphase des Gebiets ab Ende der 60er Jahre kamen weitere spektakuläre Anlagen hinzu. So erfolgte 1968 in Laax der Bau der ersten Pendelbahn mit 125-plätzigen Kabinen der Schweiz über eine rekordverdächtige Länge von über vier Kilometern. Ihre Fortsetzung fand die Bahn in Form einer weiteren Pendelbahn zum Crap Masegn sowie mit der ersten kuppelbaren Kabinenbahn der Schweiz, welche mit Kabinen für sechs Personen ausgestattet wurde. Sämtliche Anlagen entstanden durch Konstruktionen und Ideen der renommierten Seilbahnfirma Habegger, wobei die erste Sektion zum Crap Sogn Gion ein Gemeinschaftswerk mit der Maschinenfabrik Bell darstellte. Mit dieser langen Seilbahnkette wurden nicht nur zahlreiche Skipisten für den Winterbetrieb erschlossen, sondern auch der Vorabgletscher, an welchem eine Sesselbahn und ein Doppelschlepplift ab 1978 für ganzjähriges Skivergnügen zur Verfügung standen.

Waren die restlichen Hänge bis dato in der Regel per Schlepplift erschlossen, so änderte sich dies Anfang der 80er Jahre mit der Sesselbahn La Siala. Im Zuge der Renaissance der kuppelbaren Sesselbahn in jener Zeit entwickelte man auch im Hause Habegger ein System für diese Bahnart, um die Absatzzahlen in diesem Sektor zu forcieren. Der Prototyp des Spezialisten auf dem Gebiet von kuppelbaren Kabinenbahnen kam schliesslich in unwegsamem Gelände in bis zu 2900 Meter Höhe zum Stehen, musste jedoch, nachdem Habegger zwischenzeitlich die Seilbahnsparte verkauft hatte, durch die Firma Von Roll fertig gestellt werden. Aus diesem Grund ist die Sesselbahn La Siala nicht nur aufgrund ihrer gewagten Trassierung, sondern auch wegen ihrer deutlich ersichtlichen Prototyp-Technik ein absolutes Unikat geblieben. Leider soll dieses wertvolle Zeitdokument der jüngeren Schweizer Seilbahngeschichte im Jahr 2012 einem Neubau auf veränderter Trasse weichen. Das gleiche Schicksal soll auch die bereits angesprochene Pendelbahn am Cassonsgrat aus den 50er Jahren ereilen. Damit ginge eine der letzten klassischen Bündner Pendelbahnen aus dieser Epoche verloren.

Doch auch rund um den Hauptort Chur gibt es eine ganze Reihe an interessanten Seilbahnen zu entdecken. Am nördlichen Zipfel des Bündnerlandes wartet die historische Gruppenpendelbahn in Malans. Diese Älplibahn wurde ursprünglich wie so oft von der Firma Oehler als Luftseilbahn für die Armee gebaut, später aber dann für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein Umbau durch die Firma Bartholet in den 80er Jahren sorgte für eine Verdopplung der Kapazität, da fortan zwei kleine, vierplätzige Kabinen pro Fahrseite eingehängt wurden. Noch immer aber sind viele Bestandteile, darunter auch die Stützen, original aus den 40er Jahren erhalten. Eine weitere altehrwürdige Pendelbahn findet sich weiter östlich am Eingang des Prättigaus oberhalb von Fanas, auch sie wurde in den letzten Jahrzehnten mehrmals durch die Firma Bartholet umgebaut und vergrössert. Besass das Prättigau einst eine Vielzahl an kleineren Dorfliften, so sind von diesen nur sehr wenige übrig geblieben, darunter aber durchaus interessante Exemplare der Firma Müller in Seewis und Sankt Antönien sowie ein Schlepplift von Baco samt gleichnamiger Kurvenkonstruktion in Pany. In technischer Hinsicht zwar nicht derart interessant, aber durch die Erschliessung kurios und einmalig ist das Skigebiet auf den Fideriser Heubergen. Drei Schlepplifte auf rund 2000 Meter Höhe können ausschliesslich per Bus erreicht werden. Die Strasse, auf der der Bus verkehrt, dient gleichzeitig auch als Schlittelpiste.

Weiter talaufwärts trifft man die grosse Skiregion von Davos und Klosters an. Die sonnigen Südhänge der Madrisa oberhalb von Klosters werden seit nunmehr 40 Jahren durch einige interessante Schlepplifte der Firma Garaventa erschlossen, auf der anderen Talseite war es Von Roll mit zwei leistungsstarken Pendelbahnen zum Gotschnagrat, die das sonst technisch eher moderat interessante Parsenngebiet erschliessen konnten. Eine Ausnahme bildet dabei allerdings die lange Schiferbahn, bei der es sich um ein Produkt des selben Herstellers handelt. In zwei Sektionen misst die kuppelbare Kabinenbahn aus den 80er Jahren eine Länge von über fünf Kilometern. Von Davos aus dienen zwei moderne, kapazitätsstarke Standseilbahnen heute als weiterer Zubringer in das grösste der Davoser Skigebiete. Wo einst eine der ersten Standseilbahnen Graubündens für den Skitourismus entstand, sind heute Bahnen der Firma Doppelmayr im Einsatz, deren Technik aber noch immer weitestgehend vom übernommenen Traditionshersteller Von Roll stammt.

Ein durchweg ungewöhnliches, neuartiges Marketingkonzept verfolgt das nahe gelegene Skigebiet der Schatzalp. Lange Jahre hatten eine fix geklemmte Sesselbahn sowie zwei Schlepplifte und eine Pendelbahn als Verbindung in das Parsenngebiet aus finanziellen Gründen keinen Betrieb, seit zwei Jahren ist nun aber zumindest ein Teil des Gebietes reaktiviert. Interessanterweise setzt man auf der Schatzalp auf das Konzept des so genannten „entschleunigten Skigebiets“, ein Nostalgiegebiet, in dem entspanntes Skifahren möglich sein soll. Den Freund historischer Seilbahnen freut es aufgrund eines wunderbar gepflegten alten Oehlerlifts. Ein völlig konträres Konzept trifft man auf der gegenüberliegenden Talseite am Jakobshorn an, bei dem es sich um ein typisches massentaugliches Gebiet mit modernen Sesselbahnen und breit planierten Pistenautobahnen handelt. Hier residiert aber auch eine Bahn als völliger Exot. Namentlich handelt es sich dabei um die kleine, liebevoll genannte "Güggelbahn" am Jakobshorngipfel, die eine kurze Achse als Verbindung zwischen dem Gipfel und dem restlichen Skigebiet bedient. Die Bahn mit ihrer einzigen, 20-plätzigen roten Kabine wurde Anfang der 60er Jahre durch die Berner Firma Von Roll realisiert.

Zwei weitere, vom Charakter her sehr ähnliche Skigebiete gibt es in Davos, die Pischa und das Rinerhorn. Beide werden durch eine Luftseilbahn erschlossen, die Pischa mit einer Pendelbahn, das Rinerhorn mit einer modernen Kabinenbahn. Beiden Gebieten ist die Ausrichtung auf Familien gemein, in technischer Hinsicht aber auch, dass ausschliesslich Schlepplifte als Beschäftigungsanlagen dienen. Während es sich an der Pischa hierbei um Exemplare von Garaventa handelt, ist das Rinerhorn fast ausschliesslich in der Hand von Habegger. Von jener Firma entstanden unter anderem zwei Hochleistungs-Doppelschlepplifte mit der seltenen Doppelversion der typischen Polygonstütze Habeggers. In der Schweiz ist diese nur noch an den besagten Anlagen am Rinerhorn sowie an einer weiteren Anlage am Wierihorn im Berner Oberland anzutreffen. Das Angebot am Rinerhorn wird durch einen steilen, schönen Dreiecksschlepplift von Habegger abgerundet.

Zurück in Chur gibt es im Skigebiet Brambrüesch gleich zwei ausgefallene Zeitdokumente des Schweizer Seilbahnbaus aus völlig verschiedenen Epochen zu entdecken. Die erste Sektion Zubringeranlage stammt aus dem Hause Bartholet. Es handelt sich dabei um die erste grosse Pendelbahn der Firma, die im Dezember 2006 dem Betrieb übergeben werden konnte. Mit dem Bau dieser Bahn gelang Bartholet nicht nur der nationale Durchbruch im Seilbahnbau, seit einigen Jahren kann sich die Firma auch international behaupten und bietet so eine willkommene Auffrischung des sonst von den beiden grossen Gruppen Garaventa-Doppelmayr und Leitner-Poma dominierten Markts. Als Besonderheit ist die Anlage in Chur fangbremsenlos ausgeführt und besitzt als erste Bahn der Schweiz einen Lichtwellenleiter im Tragseil zur Datenübertragung zwischen Tal- und Bergstation. Bereits acht Jahre zuvor hatte Bartholet die zweite Sektion neu gebaut, hier kam allerdings eine Occasionsanlage aus Flims zum Einsatz. Bei der Anlage, die heute Stützen von Bartholet, aber ansonsten weitgehend die ursprüngliche Technik von Von Roll aufweist, handelt es sich um eine kuppelbare Kabinenbahn nach dem System VR102. Mit dem drohenden Ersatz der letzten originalen VR102 in Saas Fee dürfte die Anlage in Chur bald die letzte mit diesem legendären Kuppelsystem, welches auch im Ausland in Lizenz von anderen Firmen genutzt wurde, in der Schweiz sein. Im nahe gelegenen Sankt Peter am Hochwang im Prättigau ist auch die Sesselbahn Fatschèl-Triemel, eine Occasionsanlage von Brändle und die letzte ihrer Art in der Schweiz, auf jeden Fall eine Reise wert.

Während im bekannten Skigebiet Lenzerheide südlich von Chur bis auf eine spektakuläre Pendelbahn am Parpaner Rothorn, einer von Garaventa grosszügig umgebauten Habegger-Pendelbahn, sowie einem altehrwürdigen Städeli-Schlepplift in Churwalden ausnahmslos alle historischen Seilbahnen Umbauten oder modernen kuppelbaren Sesselbahnen zum Opfer gefallen sind, ist im benachbarten Rheintal noch eine Hand voll bemerkenswerter Anlagen anzutreffen. Am Heinzenberg nahe Thusis bedient seit nunmehr über 40 Jahren ein Städeli-Schlepplift die weitläufigen Pisten oberhalb von Sarn. Dies allein wäre noch nicht allzu aussergewöhnlich, doch bei der Konstruktion handelt es sich um einen Kombilift, der im Sommer mit Sesseln betrieben werden könnte. Zumindest in den letzten Jahrzehnten wurde die Anlage allerdings nicht als Sesselbahn genutzt. Auch eine Reihe von kleineren Pendelbahnen findet man in der Region. Hierbei handelt es sich vornehmlich um Kraftwerksbahnen der Firma Bell, welche auf diesem Gebiet in der Schweiz zahlreiche Anlagen erbauen konnte. Zuhinterst in einem Seitental des Hinterrheintals entstand durch die Firma Brändle ein steiler Schlepplift beim Weiler Juf oberhalb vom Avers. In den 90er Jahren wurde der bestehende Schlepplift saniert und durch eine weitere Anlage ergänzt, sodass eine kleine Skischaukel rund um die höchstgelegene ganzjährig bewohnte Siedlung Europas entstand. Jenseits des San Bernardino-Passes, im bereits italienischsprachigen, aber noch zu Graubünden gehörenden Misox, findet sich das kleine Skigebiet von San Bernardino Villagio. Vom hier ursprünglich dominierenden Hersteller Müller ist ein extrem steiler und langer Schlepplift erhalten geblieben, der zu den kultigsten der ganzen Schweiz gehört. Ebenso existiert im Skigebiet die letzte je unter dem Namen Müller gebaute Zweiersesselbahn in der Schweiz. Hier kamen aber im Gegensatz zu den klassischen Müller-Sesselbahnen, wie sie in den 60er und 70er Jahren entstanden, bereits neuartige Fachwerkkonstruktionen und Sessel zum Einsatz, die man anderswo in der Schweiz an Sesselbahnen nicht findet.

Auf dem Weg von Nordbünden in Richtung Engadin hat man die Möglichkeit, entweder via den Albulapass oder via den Julierpass zu fahren. Schon vor vielen Jahrhunderten entwickelten sich entlang dieser wichtigen Fremdenverkehrsachsen einige kleinere Ortschaften, von denen namentlich Bergün und Bivio den Entschluss zur Gründung eines eigenen Skigebiets fassten. Während in Bergün anfänglich eine Übungsanlage entstand und erst in den 70er Jahren ein grösseres, vom Reissbrett geplantes Skigebiet aus dem Boden gestampft wurde, erfolgte die Entwicklung in Bivio ab den 50er Jahren kontinuierlich. In Bergün, das in erster Linie wegen seiner Schlittelbahn entlang der Albula-Eisenbahnstrecke bekannt ist, dient eine lange fix geklemmte Sesselbahn der Firma Bühler als Zubringer in das Skigebiet. Sie wurde von der Firma Bartholet jedoch vor einigen Jahren umgebaut, sodass sie nicht mehr vollständig im Originalzustand erhalten ist. Wesentlich authentischer kommt hingegen der erste Schlepplift Bivios, der heute noch immer weitgehend unverändert in Betrieb ist, daher. Von Brändle gebaut erschliesst der Schlepplift Cuolmens eine Anhöhe oberhalb der Ortschaft und bildet gemeinsam mit zwei anderen Anlagen ein sehr weitläufiges Skigebiet.

Im Oberengadin, rund um den renommierten und bekannten Touristenort Sankt Moritz, entstanden bereits früh die ersten Seilbahnen für touristische Zwecke. Die erste derartige Anlage wurde, wie üblich zu jener Zeit, in Form einer Standseilbahn realisiert. Bis heute ist die inzwischen über hundertjährige Bahn von Samedan zum Muottas Muragl tadellos in Betrieb und ermöglicht den Zugang zu einem atemberaubenden Panorama auf die höchsten Berge des Kantons Graubünden. Nur wenige Jahre nach der Muottas Muragl-Bahn entstand vom Dorfzentrum von Sankt Moritz eine erste Standseilbahn nach Chantarella, die nach dem ersten Weltkrieg bis auf nach Corviglia mit einer zweiten Sektion verlängert wurde. Die Arbeiten wurden durch das Berner Werk der Von Rollschen Eisen- und Stahlwerke ausgeführt und erfreuten sich grosser Beliebtheit. Zwar wurden beide Sektionen in den 80er Jahren durch leistungsfähigere Bahnen ersetzt, dennoch waren sie verantwortlich für die Entwicklung des heute bekannten Skigebiets rund um Corviglia oberhalb von Sankt Moritz. Noch in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden nach Davos in Sankt Moritz die ersten Schlepplifte nach dem System Constam, bis heute wurden diese jedoch durch moderne Sesselbahnen ersetzt. Gerade im Teilgebiet von Celerina war die Firma Von Roll im Bau dieser Anlagen federführend. So entstanden nicht nur einige frühe Sesselbahnen mit Hauben, sondern auch die erste und einzige Sechsersesselbahn der Firmengeschichte im Jahr 1995 nach Trais Fluors. Diese herausragende Anlage war gleichzeitig die erste dieses Typs auf Schweizer Boden, neben einer Bahn der Firma Garaventa, die im gleichen Jahr in Flims realisiert wurde. Jene Firma war es auch, die die kapazitätsschwache Pendelbahn zum höchsten Punkt des Skigebiets, dem Piz Nair, 2002 durch eine grössere Anlage ersetzte. Als Besonderheit kamen hier geräumige Kabinen für 100 Personen zum Einsatz, die aus Komfortgründen aber nur mit 80 Personen beladen werden. Die Anlage wurde auch im Hinblick auf die Ski-Weltmeisterschaft im Frühjahr 2003 erstellt, sorgte sie doch mittels eines Zwischenausstiegs an der zweiten Stütze für den Zugang zum Start des Abfahrtswettbewerbs.

Auch am nahe gelegenen Corvatsch hatte Garaventa bereits mit mehreren Pendelbahnen triumphieren können. 1996 entstand so eine Bahn mit 125er-Kabinen nach Murtèl. Beim Neubau der Gipfelanlage kam jedoch im Jahr 2008 die Firma Leitner zum Zug.

Weiter südlich, am Berninapass gelegen, erschliesst eine Pendelbahn der Firma Garaventa die Diavolezza und damit die wahrscheinlich reizvollste durch eine Seilbahn erschlossene Landschaft Graubündens. Mit ihrer Länge von über drei Kilometern und einer Bergstationshöhe in knapp 3000 Metern über dem Meer zählt die klassische Pendelbahn aber auch zu den herausragendsten Anlagen des Kantons. Gemeinsam mit einer zweiten Anlage am gegenüberliegenden Piz Lagalb wird ein einmaliges Skigebiet erschlossen, das eine enorm hohe Pistenkilometerzahl verglichen mit der Anzahl der Seilbahnanlagen besitzt. Mit einer kuppelbaren Sesselbahn nahe der Bergstation an der Diavolezza ist hier noch immer Skivergnügen von Oktober bis Mai möglich.

Wer eher an kuriosen Schleppliften Freude findet, der kommt im Val Müstair auf seine Kosten. Das Skigebiet von Minschuns oberhalb von Tschierv besteht aus drei Schleppliftanlagen, welche allesamt alles andere als alltäglich sind. Vom Parkplatz dient ein kurzer Borerlift als Zubringer, als Beschäftigungsanlagen dienen ein für die Region völlig untypischer Streiff-Schlepplift sowie eine Occasionsanlage der Firma Von Rotz.

Das kleine Skigebiet vom Engadiner Ort Zuoz wagte im Jahr 2006 den Bau einer kuppelbaren Sesselbahn, bei der es sich aber keineswegs um eine Neuanlage handelte, sondern um eine Occasionsanlage aus Sankt Moritz. Die heute als Sesselbahn Pizzett im Einsatz befindliche Bahn war 1984 eine der ersten kuppelbaren Sesselbahnen von der Firma Von Roll. Abgerundet wird das nostalgische Skigebiet durch eine Brändleanlage aus den 50er Jahren, dem Schlepplift Albanas.

Auch wenn gerade im vergangenen Jahrzehnt quasi das gesamte historische Seilbahngut im Skigebiet von Scuol ersetzt wurde, so finden sich immer noch einige Schmuckstücke entlang der Skipisten. Ursprünglich wies Scuol insgesamt fünf Doppelschlepplifte und sogar den einzigen Dreier-Schlepplift auf, von denen aber lediglich noch zwei Exemplare existieren. Hierzu zählen der Doppelschlepplift Prui-Schlivera von den Firmen Bühler und Garaventa sowie der Doppelschlepplift Champatsch von Städeli, der den höchsten Punkt des Gebiets erschliesst. Er zeugt noch von einer Zeit, als der Schlepplift das preisgünstige Mass aller Dinge zur bequemen Höhenerschliessung war. Ebenso kurios ist das letzte verbliebene Exemplar eines Poma-Schlepplifts in Graubünden, welches sich auf der gegenüberliegenden Talseite am Schloss Tarasp befindet.

Das Skigebiet von Samnaun zählt gemeinsam mit dem in Österreich gelegenen Ischgl zu den grösseren dieses Planeten, besitzt allerdings als klassisches Retortengebiet keinerlei historisch wertvolle Seilbahnanlagen. Ende der 70er Jahre wurde die Alp Trida mit einer Pendelbahn und mehreren Schleppliften der Firma Garaventa vom Reissbrett erschlossen, viele der damaligen Anlagen mussten bis heute standardisierten kuppelbaren Sesselbahnen weichen. Allerdings kam im Jahr 1995 mit einer zweiten Zubringerpendelbahn von Samnaun aus eine technisch höchst interessante Anlage hinzu. Bei dieser Bahn, die ebenfalls von Garaventa stammt, handelte es sich um die erste grosse Pendelbahn der Welt mit doppelstöckigen Kabinen. Die Fahrgäste betreten die Kabinen dabei von unabhängigen Perrons in zwei verschiedenen Höhen.

Auch westlich des Engadins, durch den Malojapass getrennt, finden sich einige bemerkenswerte Anlagen im Bergell. Neben zwei historischen Schleppliften von Brändle und Müller zählt die Kraftwerksbahn Pranzaira-Albigna zu den fahrenswerten Exemplaren. Eine gewagte Trassierung in luftiger Höhe und eine interessante Stützenart prägen das Erscheinungsbild dieser Bahn, die vom Churer Ingenieur Coray entworfen und von Habegger konstruiert wurde.