Seilbahnlexikon - Geschichte & Technik

1.2 Seilbahnterminologie

1.2.1 Zweckbezogene Klassifizierung der Seilbahnen

Wie im einleitenden Kapitel bereits angedeutet, dienen Seilbahnen unterschiedlichsten Zwecken. Grundsätzlich lassen sich diese dabei in zwei wesentliche Gruppen unterteilen, den Personentransport auf der einen Seite, sowie den Gütertransport auf der anderen Seite. Nicht immer schliessen sich die beiden Transportzwecke gegenseitig aus, sodass auch mit primär auf Personentransport ausgerichtete Anlagen natürlich auch Material und Güter transportieren können. Jedoch hat die Ausrichtung einen wesentlichen Einfluss auf die gesetzlichen Bestimmungen und Sicherheitsvorkehrungen bei Seilbahnen. So sind Materialseilbahnen, die generell geringere Sicherheitsvorkehrungen aufweisen, als solche für den Personentransport, nicht zum öffentlichen Transport von Personen zugelassen.

Materialseilbahnen auf der einen Seite werden in verschiedensten Einsatzgebieten verwendet. Waren es anfänglich bei den ersten seilbahnähnlichen Konstruktionen vor allem Baumaterialien, die über kurze Strecken bewegt wurden, so stellte der Rohstoffabbau ab Beginn der industriellen Revolution den Hauptabsatz dieser Anlagen dar. Speziell in der Schweiz entstanden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zahlreiche kleinere Bahnen auf Anhöhen und Almen, die Bauern zum Vieh- und Heutransport verwendeten. Dies brachte den filigranen Konstruktionen auch den Übernamen "Heuseil". Da zur damaligen Zeit noch keine strikten Gesetze zum Personentransport existierten, wurden mit diesen Anlagen oftmals auch Personen befördert, wodurch eine Abgrenzung nicht immer möglich war. Auch heute noch lassen sich manche dieser Bahnen einzig durch eine vorhandene oder fehlende Konzession zum Personentransport voneinander unterscheiden, da die Technik kaum nennenswerte Unterschiede aufweist. Ein weiteres Einsatzgebiet ist seit einigen Jahrzehnten auch die Lawinensprengung, die zum kontrollierten Abgang von Lawinen dient und so den Wintersportler auf markierten Skipisten schützt . Auch zur Versorgung von Berghütten werden Materialseilbahnen heute an vielen Orten verwendet, ebenso zum Bau von grösseren, personentransport-orientierten Seilbahnen.

Das bekannteste Einsatzgebiet von Personenseilbahnen ist sicher der Skisport. Hier unterscheidet man grundsätzlich zwischen Zubringerbahnen und Beschäftigungsanlagen. Die primäre Funktion der Zubringerbahn ist es, die Gäste vom Tal in ein Skigebiet zu befördern. Sie zeichnet sich in der Praxis dadurch aus, dass der Gast sie lediglich einmal am Tag benutzt und sich im Anschluss an den Beschäftigungsanlagen im Skigebiet selbst aufhält. Diese weisen in der Regel mehrere Skiabfahrten auf, die zu einer wiederholten Benutzung der Seilbahnanlage einladen. Da die Zubringer oft auch von Fussgängern und Wanderern befahren werden sowie im Sommer geöffnet sind, kommen hier meist geschlossene Kabinen zum Einsatz, während bei Beschäftigungsanlagen, die teilweise ausschliesslich von Wintersportlern verwendet werden, eher Schlepplifte und Sesselbahnen dominieren. Sind bei einer derartigen Anlage ausschliesslich Fahrgäste mit angeschnalltem Wintersportgerät zum Transport zugelassen, spricht man auch von einer Sportbahn.

Wie im einleitenden Kapitel bereits angedeutet, ist die Bergerschliessung aber bei weitem nicht das einzige Einsatzgebiet von Personenseilbahnen. Auch im urbanen Bereich haben Seilbahnen seit jeher einen hohen Stellenwert, den sie in den vergangenen Jahren immer weiter ausbauen konnten. Anfänglich waren es Standseilbahnen, die zur Verbindung von Ober- zu Unterstadt eingesetzt wurden, von denen gerade in der Schweiz sehr viele bis heute mit einigen Umbauten überlebt haben und einen Teil des öffentlichen Personennahverkehrs darstellen. Schienengebundene Seilbahnen sind heute mit den von den beiden grossen Seilbahnherstellern Doppelmayr-Garaventa und Leitner-Poma gebauten Systemen "CableLiner" und "MiniMetro" weiterhin in vielen Regionen in und um Städten präsent. Derartige Anlagen dienen auch dem Personentransport auf Flughäfen, Messegeländen und grösseren Industriegeländen. Diese Bahnen zählen zu den so genannten "Peoplemover".

Weitere prominente Gebiete, in denen Seilbahnen seit einigen Jahren immer häufiger anzutreffen sind, sind Freizeitparks und Messen. In ersterem Segment dienen Seilbahnanlagen oftmals für Rundfahrten, bei denen der Fahrgast aus der Vogelperspektive einen Überblick über die Parkanlage erhält. Prominent wurden derartige Seilbahnen in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vor allem in den USA. Während bei Messen in der Schweiz bereits seit den 1930er Jahren auf Seilbahnanlagen selten verzichtet wurde, so ist in jüngerer Vergangenheit Deutschland ein grosser Abnehmer dieser in aller Regel nur temporär aufgestellten Bahnen. Die derzeit grösste und berühmteste Anlage ist dabei die für die Bundesgartenschau 2011 erstellte Kabinenbahn in Koblenz, die den Rhein überspannt.

1.2.2 Technische Klassifizierung der Seilbahnen

Seilbahnen lassen sich in technischer Hinsicht anhand zahlreicher Parameter unterscheiden, aufgrund vieler Überschneidungen zwischen einzelnen Systemen fällt eine klare Abgrenzung jedoch nicht immer leicht. Dieses Buch beschränkt sich daher in diesem einleitenden Kapitel auf eine Einteilung in einzelne Gruppen, die speziellen technischen Ausführungen der Personenseilbahnen werden in den folgenden Kapiteln näher spezifiziert. Allgemein lassen sich Seilbahnen in drei wesentliche Kategorien unterteilen, das Unterscheidungskriterium ist dabei vornehmlich die Abhängigkeit vom Relief, dem die Seilbahn folgt.

Erste wesentliche Gruppe stellen dabei die Standseilbahnen dar, welche sich durch eine vollständig bodenabhängige Trassierung auszeichnen. Zur Beförderung der Personen kommen Wagen zum Einsatz, welche zwar von einem Seil gezogen werden, die Tragefunktion übernehmen aber entweder Schienen oder gar der Boden selbst. Im Gegensatz dazu unterscheidet man die Luftseilbahn, auch Seilschwebebahn genannt, welche eine quasi vollständig bodenunabhängige Trassierung aufweist. Hier übernimmt das Förderseil nicht nur die Zug- sondern auch die Tragefunktion der Fahrzeuge, die die Personen befördern. Eventuell werden die beiden Funktionen auch zwischen mehreren Seilen aufgeteilt. Zur Seilführung werden auf der Strecke Zwischenstützen eingesetzt, die das Seil und die angehängten Fahrzeuge über dem Boden halten. Dritte Kategorie stellen schliesslich die Schlepplifte dar, welche Bestandteile der beiden vorangegangenen Kategorien vereinen. Zwar weisen auch Schlepplifte wie Luftseilbahnen eine grundsätzlich bodenunabhängige Trassierung mit Zwischenstützen auf, allerdings besitzt das Förderseil wie bei Standseilbahnen nur eine Zugfunktion; die Fahrgäste gleiten gezogen von einer Schleppvorrichtung oder dem Förderseil selbst mit Wintersportgeräten über den Boden, der im weiteren Sinne die Tragefunktion übernimmt.

Die einzelnen Kategorien lassen sich in einige weitere Subgruppen unterteilen, den Anfang sollen dabei die Standseilbahnen bilden.

Bei Standseilbahnen unterscheidet man zwischen Anlagen, die schlittenartige Wagen aufweisen, welche von einem Förderseil gezogen werden und durch den Schnee gleiten, sowie Anlagen, die Wagen mit Rollen aufweisen, welche von einem Förderseil über Schienen gezogen werden. Während letztere Art die bereits im einleitenden Kapitel angesprochene klassische Standseilbahn darstellt, die aus den Zahnradbahnen entstand, stellt die erstgenannte Schlittenbahn eine Variante der Standseilbahn dar, die speziell während der ersten Jahre des populärer werdenden Wintersports in den 1930er Jahren in der Schweiz und in Italien oft gebaut wurde . Während bei den schienengeführten Standseilbahnen während mehr als einem Jahrhundert Wagen mit fest am Förderseil befestigten Klemmvorrichtungen dominierten, so kommt seit einem guten Jahrzehnt der kuppelbaren Variante mehr und mehr Bedeutung zu. Diese Bauart erlaubt es, dass die Fahrzeuge während dem Betrieb an beliebig vielen Stellen auf der Strecke vom Förderseil gelöst werden und angehalten werden können, um Fahrgäste zu- und aussteigen zu lassen. Das Prinzip entspricht dabei der kuppelbaren Umlaufbahn, auf die im folgenden Abschnitt näher eingegangen wird.

Luftseilbahnen lassen sich in erster Linie nach ihrer Betriebsart unterscheiden, nämlich, ob sich die Kabinen im Pendelbetrieb zwischen Tal- und Bergstation bewegen, also hin- und wieder zurückfahren, oder aber an einem umlaufenden Förderseil befestigt sind, welches sich stets in die selbe Richtung bewegt. Beim Pendelbetrieb befährt das Fahrzeug, in aller Regel eine Kabine, immer nur eine Fahrstrecke, beim Umlaufbetrieb existiert eine Fahrstrecke für jede Richtung, welche beide von den einzelnen Fahrzeugen befahren werden. Luftseilbahnen mit Pendelbetrieb bezeichnet man der Einfachheit halber als Pendelbahnen, solche mit Umlaufbetrieb als Umlaufbahnen.

Da Luftseilbahnen immer sowohl die Zug- als auch die Tragefunktion der Fahrzeuge übernehmen, diese aber nicht immer nur von einem einzigen, sondern auch von mehreren Seilen übernommen werden können, unterteilt man diese Kategorie weiter in Einseil- und Zweiseilbahnen. Bei Einseilbahnen existiert mindestens ein Seil, welches sowohl die Zug-, als auch die Tragefunktion übernimmt. In diesem Fall spricht man von einem Förderseil. Das Förderseil kann, wie es bei speziellen Seilbahnarten der Fall ist, auch in zweifacher Ausführung existieren, oder aber in eine Doppelschlaufe gelegt werden. Im Gegensatz zu diesen Einseilbahnen gibt es Zweiseilbahnen, bei welchen die Zug- und Tragefunktion auf mindestens zwei Seile aufgeteilt wird. In diesem Fall spricht man nicht mehr vom Förderseil, sondern vom Zug- beziehungsweise Tragseil. Während sich das Zugseil bewegt, befindet sich das Tragseil – ähnlich wie die Schienen einer Standseilbahn – fest an einem Ort. Wichtigstes Abgrenzungsmerkmal der beiden Seilbahnarten ist folglich die unterschiedliche Aufgabe, die die Seile übernehmen.

Im Pendelbetrieb unterscheidet man neben den klassischen Pendelbahnen mit einer oder zwei Kabinen, welche in der Ausprägung der Einseil- oder Zweiseilpendelbahn sehr häufig anzutreffen sind, die so genannten Seilkletterbahnen, welche lediglich ein Tragseil aufweisen. Dieses wird mit Rollen befahren, welche ihre Antriebskraft durch einen integrierten Motor erhalten, somit also kein Zugseil aufweisen. Diese Seilbahnart ist allerdings nicht sehr weit verbreitet und wird heute kaum mehr neu gebaut.

Bei den Umlaufbahnen lässt sich das Hauptunterscheidungsmerkmal neben den Seilfunktionen bei der Befestigung der Fahrzeuge am Seil feststellen. Je nach Bauart sind die Fahrzeuge fest am Seil fixiert und können nur manuell durch Aufschrauben der Klemmvorrichtung entfernt oder angebracht werden, oder aber sie sind so konzipiert, dass sie während dem Betrieb automatisch vom Förderseil entfernt respektive an dieses angeklemmt werden können. Diese auch als kuppelbar bezeichnete Ausprägung der Umlaufbahn erlaubt es, höhere Geschwindigkeiten auf der Strecke fahren zu können, da die Fahrzeuge in den Stationen zum Be- und Entladen vom Seil gelöst werden können und dann mit verringerter Geschwindigkeit von den Fahrgästen betreten werden können.

Bei all diesen Bahnen differenziert man wiederum zwischen einem kontinuierlichen und einem pulsierenden Betrieb. Bei ersterem sind die Fahrzeuge in einem gleichmässigen Abstand am Förderseil angebracht und befahren die Strecke mit einer gleich bleibenden Geschwindigkeit. Beim pulsierenden Betrieb sind die Fahrzeuge zu Gruppen zusammengefügt und verringern in den Stationen die Geschwindigkeit, eventuell bis zum Stillstand. Befinden sich die Fahrzeuggruppen auf der Strecke, wird die Geschwindigkeit erhöht. In diesem Fall spricht man von einer Gruppenumlaufbahn, die sowohl als Ein- wie auch als Zweiseilumlaufbahn anzutreffen ist. Analog bezeichnet man eine Pendelbahn, die statt einer grossen Kabine pro Fahrstrecke mehrere kleinere in einer Gruppe besitzt, von einer Gruppenpendelbahn. Der kontinuierliche Umlaufbetrieb ist die am meisten verbreitete Ausprägung der Umlaufbahn und ist in den meisten Skigebieten in Form von Kabinenbahnen oder Sesselbahnen anzutreffen.

Auf die speziellen Abwandlungen DMC, DLM und Funitel der klassischen Einseilumlaufbahn wird in den folgenden Kapiteln näher eingegangen. Analog zu den Bahnen im Pendelbetrieb existieren auch bei den Umlaufbahnen Anlagen mit getrenntem Trag- und Zugseil, welche als Zweiseilumlaufbahnen bezeichnet werden. Manchmal wird eine Zweiseilumlaufbahn mit einem Zugseil und zwei Tragseilen, wie sie in jüngerer Vergangenheit immer öfter anzutreffen ist, umgangssprachlich auch als Dreiseilumlaufbahn bezeichnet. Dieser vor allem im Marketing gebräuchliche Ausdruck sollte allerdings mit Vorsicht genossen werden, da er nicht auf die ursprüngliche Definition, den unterschiedlichen Seilfunktionen, abzielt.

Die dritte wesentliche Kategorie, die man unterscheidet, sind die so genannten Schlepplifte, bei denen oft auch der synonyme Begriff Skilift verwendet wird. Sie entstanden im Zuge des Aufstiegs des Wintertourismus ab den 30er Jahren. Aufgrund des schnellen, wirtschaftlich lukrativen Aufschwungs in dieser Branche entstanden von zahlreichen verschiedenen Herstellern unterschiedlichste Systeme, die aber bis heute, abgesehen von drei wesentlichen Konstruktionsarten, Constam, Poma und Seilliften, ausgestorben sind.

Grundsätzlich differenziert man zwischen einer hohen und einer niedrigen Seilführung bei Schleppliften. Die niedrige Seilführung zeichnet sich dadurch aus, dass sich der Fahrgast entweder am Förderseil selbst, oder aber an kleinen Hilfsvorrichtungen festhält und so den Berg hinauf gleitet. Das Förderseil überwindet dabei in der Regel keine Zwischenstützen, weswegen sich diese preisgünstige Art der Seilbahn nur für kurze Hänge mit gleich bleibender Neigung eignet. Je nach Hersteller werden diese Anlagen als Seillifte, Ponylifte oder RopeTows bezeichnet. Im Gegensatz dazu weist die hohe Seilführung Zwischenstützen mit Rollen auf. Aus diesem Grund können sich die Fahrgäste nicht direkt am Förderseil festhalten, weswegen hier ausziehbare Bügel oder Teller zum Einsatz kommen, die den Gast befördern. Spezielle Ausprägungen des Schlepplifts gab es vor allem in den ersten Jahren dieser heute weit verbreiteten Seilbahnart, in Form von Pendelliften und fahrenden Stützen, später kamen auch Schlepplifte mit zwei parallelen Förderseilen zum Einsatz. Auf all diese Arten geben die folgenden Kapitel Aufschluss.

1.2.3 Weitere Begrifflichkeiten

In den folgenden Kapiteln tauchen immer wieder seilbahnspezifische Begriffe auf, die an dieser Stelle erläutert werden sollen. Aufgeführt sind grundlegende Bezeichnungen, die bei den meisten Seilbahnarten auftauchen, zu speziellerem Vokabular einzelner Bahntypen finden sich die Erklärungen in den jeweiligen Kapiteln.

Seilbahnen besitzen an den jeweiligen Enden Stationsbauten, die dazu dienen, Fahrgästen das Ein- und Aussteigen zu ermöglichen. In diesen Stationen sind auch zentrale technische Elemente untergebracht, wie beispielsweise Führungsrollen zur Umlenkung der Seile, eine Abspannung der Seile sowie ein Antrieb. Da lediglich in einer Station ein Antrieb untergebracht ist, der das Förderseil bewegt, spricht man von der Antriebsstation, die andere Station ohne Antrieb, also mit einer simplen Umlenkung des oder der Seile, wird als Gegenstation bezeichnet . Nicht selten befinden sich auch zwischen Antriebs- und Gegenstation weitere Stationen auf der Strecke, die als Mittelstationen bezeichnet werden. Weisen diese eine Kurve, also eine horizontale Ablenkung des Förderseils, auf, ist der Begriff der Winkelstation gebräuchlich. Bei grösseren Anlagen, die mit Kabinen oder Haubensesseln ausgestattet sind, trifft man häufig auf eine Garagierungshalle, in der die Fahrzeuge über Nacht und im Sommer wettergeschützt untergebracht werden. Bei modernen kuppelbaren Anlagen, also solchen, bei denen die Fahrzeuge in den Stationen vom Förderseil getrennt werden, sorgen entsprechende Weichen und Kettenförderer dafür, dass die Fahrzeuge automatisch in die Garage befördert werden können.

Ein bereits angesprochenes wichtiges Element einer Seilbahn stellt die Antriebseinheit dar. Je nach Seilbahnart besteht sie aus einem so genannten Hauptantrieb, welcher die Bahn im Normalfall bewegt, einem Hilfsantrieb, der bei einem Stromausfall in Form eines Dieselaggregats oder gekoppelt mit einem Notstromaggregat die Seilbahn weiterhin antreiben kann, und einem Notantrieb, der bei einem Defekt im Antriebsstrang benutzt wird. Dabei wird der Notantrieb direkt an die Seilscheibe gekoppelt, die das Förderseil in der Station umlenkt. Längst nicht bei allen Seilbahnarten trifft man auf all diese drei Antriebe. Während bei Schleppliften grundsätzlich nur ein Hauptantrieb vorgeschrieben ist, gibt es bei Umlaufbahnen und kleineren Pendelbahnen in der Regel zusätzlich einen Hilfsantrieb, einem Notantrieb begegnet man vor allem bei grösseren Pendelbahnen. Obwohl es sich bei den Hauptantrieben heute vorrangig um Elektromotoren handelt, wird dort, wo keine Elektrizität vorhanden ist, oft auch noch auf einen Verbrennungsmotor gesetzt. Speziell bei Schleppliften auf Gletschern ist diese Antriebsart noch weit verbreitet.

Für einen sicheren Betrieb ist auch die Bremsanlage ein Element mit grosser Bedeutung. Je nach Seilbahnart findet man zwei bis drei separate Bremseinrichtungen. Bis auf Schlepplifte ist allen Bahnen gemein, dass sie sowohl eine Betriebsbremse wie auch eine Sicherheitsbremse aufweisen. Die Betriebsbremse sorgt für ein Abbremsen der Bahn und greift bei jeglichem Ansprechen von Überwachungseinrichtungen und bei einem Stromausfall ein, die Sicherheitsbremse hingegen dient zum Anhalten der Anlage bei der Betätigung eines Not-Aus-Schalters sowie zum Festhalten der Bahn ausserhalb der Betriebszeiten. Bei Pendelbahnen und schienengeführten Standseilbahnen ist als dritte Bremseinrichtung eine so genannte Fangbremse geläufig. Diese sorgt im Falle eines Zugseilrisses dafür, dass sich die Kabine respektive der Wagen am Tragseil oder an der Schiene festklammern, um eine unkontrollierte Fahrt ins Tal zu verhindern.

Die Strecke von Luftseilbahnen und Schleppliftanlagen ist geprägt durch Zwischenstützen, welche das Förderseil in einer gewünschten Position über dem Boden halten. Der grobe Aufbau einer solchen Stütze besteht dabei aus einem Schaft, einem darauf platzierten Stützenjoch, an welchem seitlich das Förderseil auf installierten Rollen aufliegt, sowie in der Regel einem Anhebebock, der über dem Joch angebracht ist und dazu dient, das Förderseil bei Wartungsarbeiten von den Rollen zu heben. Da pro Stütze mehrere kleinere Rollen zum Einsatz kommen, spricht man auch von einer Rollenbatterie. An dieser sind seitlich kleine so genannte Seilfangschuhe angebracht, die beim Fall, dass das Seil von den Rollen fallen sollte, dieses auffangen können. Je nach dem, wie das Seil an den Stützen geführt wird, unterscheidet man zwischen Tragebatterien, Niederhaltebatterien und Wechsellastbatterien. Erstere Art dient dazu, das Förderseil hoch zu halten, Niederhaltebatterien sorgen dafür, dass sich gerade bei Schleppliften und Sesselbahnen das Förderseil nicht zu stark vom Boden entfernt. Wechsellastbatterien bilden die Brücke zwischen den beiden anderen Arten der Rollenbatterie und kommen dort zu Einsatz, wo mit wechselnder Belastung manchmal eher die tragende Rolle erforderlich und zu anderen Zeitpunkten die niederhaltende Rolle dominiert.

Der für den Fahrgast wichtigste Bestandteil einer Seilbahn stellen die Fahrzeuge dar, mit denen die Personen transportiert werden. Angefangen am Förderseil wird das Fahrzeug mittels einer Klemmvorrichtung fixiert. Dies geschieht in der Regel mittels Federkraft, es existieren allerdings auch Anlagen, bei denen das Eigengewicht des Fahrzeugs die erforderliche Klemmkraft aufbringt. An die Klemme schliesst sich ein Gehängearm an, an dessen unteren Ende sich dann die eigentliche Fahrgastzelle in Form von offenen oder geschlossenen Kabinen, Sesseln oder bei Schleppliften einer Schleppvorrichtung befindet. Ist ein Tragseil vorhanden, so wird dieses vom Fahrzeug mittels mehrerer kleiner Rollen befahren, dem Laufwerk. Auch Standseilbahnen weisen prinzipiell eine Art Laufwerk auf, hier nennt man die Vorrichtung allerdings Drehgestell, analog zur Eisenbahn.

So genannte Bergebahnen sind von der eigentlichen Seilbahn unabhängige Einrichtungen, die im Notfall eine Bergung der Fahrgäste ermöglichen. Diese trifft man in der Regel nur bei Luftseilbahnen an, bei welchen aufgrund topografischer Verhältnisse oder einem zu grossen Bodenabstand ein Abseilen der Fahrgäste nicht möglich ist.