Seilbahnlexikon - Geschichte & Technik

1.5 Funischlitten

1.5.1 Entstehung

In den dreissiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde für den immer populärer werdenden Skitourismus eine kostengünstige Alternative zur Standseilbahn gesucht, mit Hilfe derer man ortsnahe Hänge erschliessen konnte. Arnold Annen aus dem Saanenland griff dabei die Idee der bereits 1907 eröffneten Schlittenseilbahn im österreichischen Dornbirn wieder auf. Das System ähnelte jenem der Windenstandseilbahn. Ein Schlitten war an einem Drahtseil befestigt, welches in der Bergstation mittels eines Motors auf- bzw. abgerollt wurde. Die Schlitten waren dabei für rund 20 Personen konzipiert.

Nachdem unter anderem durch die Firma Oehler in Crans-Montana bereits 1924 zwei derartige Schlittenseilbahnen eröffnet werden konnten, erstellte Annen 1933 seine erste Konstruktion am Hornberg oberhalb seines Heimatortes. Drei Jahre später wurde die Bahn in eine Pendelschlittenseilbahn mit zwei Schlitten umgebaut, um die Förderleistung zu erhöhen. Diese Erfindung rechtfertigt die Behauptung, Annen als Erfinder der modernen Funischlittenbahn anzusehen. Fortan wurden die meisten solchen Bahnen nach dem Pendelsystem erstellt. Nachdem der Funischlittenerfinder kurze Zeit nach seiner Erfindung verstarb, war es die bereits aus dem Standseilbahnbau bekannte Firma Von Roll, die in den Bau von Funischlitten einstieg. Von Roll perfektionierte das System und sorgte für die Verbreitung in der ganzen Schweiz. Bemerkenswert war insbesondere die Anlage von Saanenmöser zum Hornberg, die in zwei Sektionen mit Schlitten für 50 Passagiere ausgerüstet war und während 50 Jahren täglich Skigäste beförderte, ehe sie 1987 einem Neubau weichen musste. Das letzte Funi war bis 1995 in Grindelwald in Betrieb, diente allerdings nicht dem Skibetrieb. Der zweite Weltkrieg setzte dem Funischlittenbau ein jähes Ende; 1939 wurden die beiden letzten Anlagen in der Schweiz erstellt. Aber nicht nur der Krieg, sondern auch die Tatsache, dass man mit dem Schlepplift ein wesentlich effektiveres System erfunden hatte, war für die Einstellung des Funischlittenbaus schlussendlich verantwortlich. 1942 wurde auf der Lenzerheide eine letzte Anlage versetzt, da man beim ursprünglichen Standort einen Schlepplift einsetzte.

1.5.2 Verbreitung in der Schweiz

Die einseitige Verbreitung der Funischlitten im Berner Oberland erklärt sich hauptsächlich damit, dass die Anlagen von Arnold Annen vorerst nur rund um seinen Wohnort bekannt waren. Hinzu kam die schon damals zentrale touristische Bedeutung des Berner Oberlandes, wegen derer günstige Aufstiegshilfen in Ortsnähe gefordert wurden. Mit der Weiterführung des Systems durch Von Roll konnten auch in anderen heute renommierten Skiorten wie St. Moritz, Crans-Montana oder dem Toggenburg derartige Anlagen jenseits des Berner Oberlandes konstruiert werden.