Seilbahnlexikon - Geschichte & Technik

1.7 Fix geklemmte Luftseilbahnen mit Umlaufbetrieb

1.7.1 Entstehung

Der Schlepplift bot für den Wintertourismus nun eine bequeme, preisgünstige Möglichkeit, schnell auf den Berg zu kommen und ohne Anstrengung Skiabfahrten geniessen zu können. Da man jedoch auf Schnee zum Betreiben eines Schlepplifts angewiesen war, konnte man diese Lifte im Sommer nicht verwenden und war weiterhin auf die deutlich teureren Konstruktionen wie Pendelbahnen oder Standseilbahnen angewiesen. Oftmals hätten die Schlepplifte aber nicht nur schöne Abfahrten erschlossen, sondern hätten im Sommer auch den Zugang in Wandergebiete ermöglicht. So stellte sich die Frage, wie man einen Schlepplift "sommertauglich" machen könnte.

Die erste Methode für einen Sommerbetrieb stellte der so genannte Gehlift dar. Genau wie im Winter wurden Bügel ins Seil eingehängt, der Lift wurde aber mit reduzierter Geschwindigkeit fahren gelassen, sodass die Fahrgäste unterstützt durch den Bügel den Berg hinauflaufen konnten. Der Bügel übernahm dabei die Hubarbeit, sodass das Hinauflaufen für den Fahrgast zwar vergleichsweise wenig anstrengend war, als zufrieden stellend erwies sich diese Betriebsweise aber nicht.

Erste Überlegungen, wie man Schlepplifte auch komfortabel im Sommer nutzen könnte, gingen auf Ernst Constam zurück. Sein Schleppliftsystem bot als einziges die Möglichkeit, statt den üblichen Bügeln auch Sessel ans Seil zu klemmen, wie es an verschiedenen Versuchsanlagen, die an die frühen deutschen Materialseilbahnen angelehnt waren, bereits erprobt worden war. Mit verminderter Fahrgeschwindigkeit konnten die Fahrgäste bequem auf die Sessel auf- und absitzen. Die Zweifachnutzung der Anlage erforderte insbesondere im Bereich der Stationen einige Umbauten. So mussten entsprechende Anpassungen in Form einer Einstiegsrampe vorgenommen werden. Mit den aufgrund der Zweifachnutzung benannten "Kombiliften" hatte man nun eine Möglichkeit, im Winter wie im Sommer Fahrgäste auf den Berg zu bringen. Der Kombilift stellte fortan technisch wie wirtschaftlich die Brücke zwischen Schlepplift und Kabinenbahn her.

Constam selbst erstellte jedoch nie eine Bahn nach diesem System, den ersten Kombilift konnte Sameli-Huber im Sommer 1943 in Engelberg aufstellen. Der mit Holzstützen ausgestattete Schlepplift wurde in den ersten Sommern mit Bügeln als Gehlift und gleichzeitig mit Sesseln und einigen geschlossenen Kabinen betrieben. Der Fahrgast konnte somit zwischen den einzigen Beförderungsmethoden auswählen, die sich auch beim Fahrpreis unterschieden. Daher war der Jochpasslift in Engelberg vermutlich der erste Lift mit erster und zweiter Klasse. Im Winter wurde wegen der höheren Fahrgeschwindigkeit und der damit grösseren Förderleistung weiter auf den Schleppliftbetrieb gesetzt. In unwegsamem Gelände oder dort, wo die grosse Kapazität nicht zwingend notwendig war, wurden aber auch reine Sesselbahnen gebaut, die im ganzen Jahr mit Einersesseln ausgestattet waren. Nachdem sich Sameli-Huber Anfang der 50er Jahre aus dem Schleppliftbau zurückzog, sprangen immer mehr Firmen auf den Sesselbahn-Zug auf und statteten ihre Schleppliftkonstruktionen, die sie nach dem Ablauf von Constams Patenten erstellen konnten, mit Sesseln aus. Zu den prominentesten Schweizer Vertretern der ersten Generation fixe Sesselbahnen gehörten Sameli-Huber, Brändle, Städeli, Müller und Oehler.

1.7.2 Fix geklemmte Sesselbahnen

Wie an den Kombiliften bereits zu erkennen ist, unterscheidet sich der Aufbau einer fixen Sesselbahn nicht grossartig von einem Schlepplift System Constam, auch wenn es sich bei einem Betrieb mit Sesseln streng genommen um eine Luftseilbahn mit Umlaufbetrieb handelt. Genau wie beim Schlepplift gibt es verschiedene Kombinationsmöglichkeiten von Antrieb und Abspannung in den Stationen, ebenso sind die Sessel analog zu den Bügeln mit einer Klemme am Seil befestigt. Meist handelt es sich bei diesem Klemmen um Apparate mit Schrauben, Druck- oder Zugfedern, die eine entsprechende Kraft zum Anklemmen aufbringen, sodass der Sessel nicht am Förderseil entlang rutschen kann. Geöffnet oder geschlossen werden können diese Klemmen nur manuell, nicht aber während dem laufenden Betrieb.

Während bei den Schleppliften noch lange Zeit nach dem zweiten Weltkrieg Stützen in Portalform verbaut wurden, setzte sich bei Sesselbahnen schnell die so genannte T-Stütze durch. Einige Hersteller wie zum Beispiel Brändle setzten aber auch bei reinen Sesselbahnen weiterhin ihre Portalstützen ein. Der Vorteil der T-Stütze lag darin, dass sie keine Normhöhe besass, wie die meisten Portalstützen, sondern in der Höhe flexibel war. Da eine Sesselbahn dem Hangprofil nicht so stark zu folgen braucht, wie ein Schlepplift, bei dem die Seilführung wegen der Bodengebundenheit immer dem Relief folgen muss, sind die erforderlichen Stützenhöhen oftmals sehr unterschiedlich.

1954 schlug die Firma Habegger einen neuen Weg ein. Als erste erstellte sie auf Schweizer Boden in Adelboden eine Sesselbahn mit Doppelsesseln, also solchen für zwei Personen. So konnte nicht nur die Förderleistung deutlich gesteigert werden, sondern auch die alleinige Bergfahrt hatte ein Ende. Während der Boomzeit der Skigebiete in den 60er und 70er Jahren setzte sich genau dieser Typ Sesselbahn mit Zweiersesseln durch, diente er doch häufig als preisgünstige Erschliessung vom Tal aus, die auch bei schlechter Schneelage einen Skibetrieb ermöglichte. 1981 Jahre konnte Städeli auf der Bettmeralp die erste Sesselbahn mit Dreiersesseln eröffnen, wenige Jahre später wurde in Verbier die erste fixe Vierersesselbahn der Schweiz von der gleichen Firma erstellt. Aufgrund des erschwerten Einstiegs bei vier oder gar noch mehr Personen verglichen mit nur zwei und der dadurch vorgeschriebenen, geringeren Höchstgeschwindigkeit gibt es nur sehr wenige fixe Sesselbahnen, die Sessel für noch mehr als vier Personen bieten. In der Schweiz gibt es solche Anlage nicht, in den Nachbarländern Frankreich und Österreich nur sehr vereinzelt. Fixe Sesselbahnen werden aufgrund der geringen Fahrgeschwindigkeit heute nur noch selten eingesetzt. Meistens ist dies bei Übungshängen und kurzen Verbindungen der Fall. Für längere Strecken, auch solche, auf der man in früheren Zeiten noch fixe Anlagen erstellte, werden heute kuppelbare Sesselbahnen eingesetzt. Während früher noch in den meisten Fällen die Sesselbahnstationen in Häuser integriert waren, wird heute meist nur noch das Nötigste verbaut. Alle heute aktiven Hersteller haben eine Standardbauweise bei diesen Bahnen, die ab Stange produziert werden kann, was die Baukosten erheblich senkt.

Als Besonderheit weisen fixe Sesselbahnen beim Einstieg häufig ein Förderband auf. Dieses hat die Aufgabe, die Skifahrer richtig zu positionieren, dämpft aber gleichzeitig auch den Anfahrtsruck. Fixe Sesselbahnen mit Förderband fahren infolgedessen auch etwas schneller als solche, die kein Förderband aufweisen.

Die fixe Sesselbahn zählte einst zu den meistgebauten Seilbahnarten der Schweiz, ist aber heute weitestgehend auf dem Rückzug. Eingesetzt wurden die Bahnen wie erwähnt vor allem als Zubringer vom Tal in kleinere Skigebiete. Dies war insbesondere im Wallis und in Graubünden oft der Fall. Andererseits war die fixe Sesselbahn neben dem Schlepplift aber lange Zeit auch die einzige verhältnismässig kostengünstige Liftanlage auf dem Markt, sodass sie auch als Beschäftigungsanlage oft zum Einsatz kam. Zwar werden Bahnen für kurze Übungshänge als Schleppliftersatz erstellt, die vielen Beschäftigungsanlagen und längere Zubringer werden aber mehr und mehr durch kuppelbare Sesselbahnen und Kabinenbahnen ersetzt, da die Fahrzeit mit diesen Seilbahnarten deutlich verkürzt und die Förderleistung gesteigert werden kann. In Ausnahmefällen werden aber auch noch heute fix geklemmte Sesselbahnen erstellt, gerade in kleineren Skigebieten, die die finanziellen Mittel für die deutlich teurere kuppelbare Version nicht aufbringen können.

1.7.3 Korblifte

Eine der fixen Sesselbahn sehr ähnliche Konstruktion setzte sich nach dem zweiten Weltkrieg vor allem in Italien durch. Statt Sesseln werden hierbei so genannte Stehkörbe für zwei Personen ans Seil geklemmt, auf die Fahrgäste aufspringen müssen. Diese Korblifte waren in Italien in ähnlicher Form schon während des zweiten Weltkriegs bereits oft für Soldaten gebaut worden und wurden im Anschluss als tourismusorientierte Transportbahnen ebenso populär wie andernorts Sesselbahnen. Gerade in jüngerer Vergangenheit wurden statt offenen Körben oft geschlossene Kabinen eingesetzt, was den Begriff der fix geklemmten Kabinenbahn hervorbrachte.

1.7.4 Gruppenumlaufbahnen

Bereits in Kapitel 1.4. fiel der Begriff der Gruppenpendelbahn, einer speziellen Form der Pendelbahn, bei der statt einer grossen Kabine mehrere kleinere Kabinen in einer Gruppe am Seil befestigt werden. Der Name Gruppenumlaufbahn bezeichnet ein ähnliches Phänomen, auch wenn diese Seilbahnart eher mit einer fixen Sesselbahn vergleichbar ist. Gemein ist ihr mit der Gruppenpendelbahn lediglich, dass mehrere Fahrzeuge zu Gruppen zusammengefügt sind. Die Kabinen werden hingegen wie bei allen fix geklemmten Umlaufbahnen um die Umlenkscheiben in Tal- und Bergstation bewegt, wo die Bahn anhält und das Ein- und Aussteigen der Fahrgäste komfortabel im Stillstand ermöglicht. Da nur zu bestimmten Zeitpunkten Kabinen be- und entladen werden, kann in der restlichen Zeit mit sehr hohen Geschwindigkeiten gefahren werden. Es sind – anders als bei Gruppenpendelbahnen – auch mehr als zwei Gruppen möglich. Während sich eine Gruppe in der Talstation befindet, ist die andere in der Bergstation. Bei vier Gruppen müssen zwei in der Mitte der Strecke warten, ehe die Fahrt fortgesetzt wird. In manchen Fällen befindet sich in der Mitte der Strecke zusätzlich eine Mittelstation für Ein- und Ausstieg, sodass alle Gruppen immer in Stationen halten. Generell erweist sich die Gruppenumlaufbahn dort als sinnvolle Alternative zur wesentlich teureren kuppelbaren Kabinenumlaufbahn, wo keine allzu grosse Förderleistung erforderlich ist, auf den Komfort des Ein- und Aussteigens im Stillstand und eine geringe Fahrzeit aber nicht verzichtet werden möchte.

Im Gegensatz zur fix geklemmten Sesselbahn, die es bis auf wenige Ausnahmen ausschliesslich in der Variante der Einseilumlaufbahn gibt, kommen bei Gruppenumlaufbahnen gelegentlich auch ein oder mehrere Tragseile hinzu, sodass man diese Bahnen zur Kategorie der Zweiseilbahnen zählt. Ähnlich wie bei Pendelbahnen hängt auch hier die Zahl der unterschiedlichen Seile massgeblich von der Kabinengrösse und von der Kabinenzahl pro Gruppe ab.

Trotz der erwähnten Vorteile gegenüber anderen Systemen führen Gruppenumlaufbahnen eher ein Schattendasein in der Seilbahnwelt. In den 50er Jahren entstanden die ersten derartigen Anlagen durch verschiedenste Firmen in Chamonix, Saas Fee und Oberammergau, allesamt in der Ausführung der Zweiseilbahn. Gruppenumlaufbahnen mit nur einem Förderseil begannen ab den 80er Jahren in Mitteleuropa zu gedeihen, ehe zu Beginn der 90er Jahre speziell in der Schweiz durch die Firmen Städeli und Streiff in einigen prominenten Skiorten wie Adelboden, Braunwald oder Zermatt Exemplare dieses Typs entstanden. Städeli entwickelte speziell für Gruppenumlaufbahnen die so genannte Städeli-Ausfahrt, bei der es sich um eine vertikale Umlenkscheibe am Stationsende handelt, die nur langsam befahren wird. Dadurch sind starke Seilablenkungen auf kleinstem Raum möglich, was beispielsweise in Dörfern von Vorteil ist. Jedoch wurde nach einigen grösseren Bauten seit Mitte der 90er Jahre kaum noch in Gruppenumlaufbahnen investiert. Da die meisten Skigebiete rein aus Prestigegründen lieber auf die kostenintensivere kuppelbare Umlaufbahn setzen, werden Gruppenumlaufbahnen heute nur noch sporadisch beispielsweise in Freizeitparks erstellt. Für den Skibetrieb erwiesen sich die Bahnen aufgrund des umständlichen Halts auf der Streckenmitte bei vier Gruppen sowie der doch begrenzten Förderleistung als nicht zukunftsfähig. Ebenso von Nachteil erwies sich, dass die Strecke auf der gesamten Länge für die Volllast aller Kabinen ausgelegt werden musste, diese Volllast aber nur zu bestimmten Zeitpunkten nötig ist, nämlich genau dann, wenn eine Kabinengruppe vorbeifährt. Als Kuriosum wurde 2002 am Haldigrat in Niederrickenbach eine ehemals gewöhnliche fix geklemmte Sesselbahn in eine Gruppenumlaufbahn umgebaut, um so aufgrund der geringen Förderleistung in den Genuss einer kantonalen Konzession zu kommen. Andernfalls hätten an der Anlage grössere Umbauten durchgeführt werden müssen, für die kein Geld vorhanden war.